Musab H. Yusuf

Musab Hasan Yusuf

Aussprache: mußab haßan yuusuf
arabisch:
مُصْعَب حَسَن يُوسُف
persisch:
مصعب حسن یوسف
englisch:
Mosab Hassan Yousef

1978 - heute n.Chr.

Bild: KI-generiertes ähnliche Bild (2026 n.Chr.)

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Musab Hasan Yusuf, häufig auch Mosab, Mossab, Musab oder Mosab Yousef geschrieben, ist ein palästinensisch-amerikanischer Autor, ehemaliger Informant des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet und scharfer Kritiker der Hamas.

Bekannt wurde er unter seinem israelischen Decknamen „The Green Prince“ (Der grüne Prinz). „Grün“ verweist auf die Farbe der Hamas; „Prinz“ auf seine Stellung als ältester Sohn eines ihrer prominentesten Anführer.

Seine Lebensgeschichte gilt als außergewöhnlich, aber auch politisch stark umkämpft. Ein erheblicher Teil der Einzelheiten stammt aus seinen eigenen Memoiren und öffentlichen Aussagen und sind daher mit Vorsicht zu beurteilen. Die Grundzüge seiner Zusammenarbeit mit dem Schin Bet werden allerdings durch seinen früheren israelischen Führungsoffizier Gonen Ben-Yitzhak und durch weitere zeitgenössische Berichte bestätigt.

Musab Hasan Yusuf wurde 1978 im Westjordanland geboren und wuchs im Raum Ramallah auf. Sein Vater, Scheich Hasan Yusuf, gehörte zu den führenden Persönlichkeiten der palästinensischen Muslimbruderschaft und wurde nach der Gründung der Hamas 1987 zu einem ihrer wichtigsten politischen und religiösen Anführer im Westjordanland.

Hasan Yusef wird in Medien der Westlichen Welt häufig als „Mitbegründer der Hamas“ bezeichnet. Präziser wäre es, ihn als Gründungsmitglied beziehungsweise führenden Aufbauakteur der Hamas im Westjordanland zu bezeichnen. Die eigentliche Gründungsgruppe um Scheich Ahmad Yasin war vor allem im Gaza-Streifen tätig.

Musab war der älteste Sohn einer großen, religiös geprägten Familie. Aufgrund der Stellung seines Vaters wuchs er nicht nur in einem muslimischen Milieu auf, sondern in unmittelbarer Nähe zur Führung einer sich rasch entwickelnden Widerstandsorganisation.

Sein Vater wurde wiederholt von Israel verhaftet und verbrachte über die Jahrzehnte lange Zeiträume in israelischer Haft. Für den jungen Musab bedeutete dies, dass er früh öffentliche Verantwortung innerhalb der Familie übernehmen musste. Er begleitete seinen Vater, empfing Besucher, übermittelte Nachrichten und lernte führende Vertreter der Hamas und anderer palästinensischer Gruppierungen kennen.

Yusufs Kindheit fiel in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen der palästinensischen Bevölkerung und der israelischen Besatzungsmacht. Als 1987 die erste Intifada begann, erlebte er Demonstrationen, Straßenschlachten, Verhaftungen, Ausgangssperren und militärische Razzien. Nach seiner eigenen Darstellung beteiligte er sich als Jugendlicher an Protesten und warf Steine auf israelische Soldaten. Er betrachtete Israel zunächst als eindeutigen Feind und seinen Vater als religiöses und nationales Vorbild.

Gleichzeitig entwickelte er nach eigenen Angaben schon früh ein problematisches Verhältnis zur Gewalt. Die Verhaftungen seines Vaters verstärkten zunächst seine Wut auf Israel. Später behauptete er jedoch, auch innerhalb der palästinensischen Organisationen Machtmissbrauch, Einschüchterung und Gewalt gegen mutmaßliche „Kollaborateure“ beobachtet zu haben. Diese Erfahrungen bilden in seinen Memoiren den Ausgangspunkt für seine spätere Abkehr von der Hamas. Dabei ist zu beachten, dass diese rückblickende Darstellung stark von seiner späteren religiösen und politischen Entwicklung geprägt ist.

Mitte der 1990er Jahre wurde Musab Hasan Yusuf von israelischen Sicherheitskräften verhaftet. Je nach Darstellung werden 1996 oder 1997 als entscheidendes Jahr genannt. Er soll zu diesem Zeitpunkt Waffen erworben beziehungsweise mit Waffenbesitz zu tun gehabt haben.

Während seiner Haft wurde er vom israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet, auf Hebräisch Schabak, verhört. Der Schin Bet ist für die innere Sicherheit Israels und unter anderem für die Bekämpfung palästinensischer bewaffneter Organisationen zuständig.

Yusuf berichtet, er sei während der Verhöre misshandelt worden. Zugleich sei ihm angeboten worden, als Informant für Israel zu arbeiten. Zunächst habe er nur scheinbar zugestimmt, weil er beabsichtigt habe, den israelischen Dienst später zu täuschen oder Informationen gegen Israel zu verwenden. Nach seiner Freilassung begann jedoch eine Zusammenarbeit, die ungefähr ein Jahrzehnt dauern sollte.

Als besonders entscheidend beschreibt Yusuf seine Beobachtungen innerhalb des Gefängnisses. Dort habe die Hamas eine eigene interne Sicherheitsstruktur unter den palästinensischen Gefangenen unterhalten. Verdächtige Gefangene seien von anderen Hamas-Angehörigen verhört, misshandelt und teilweise schwer gefoltert worden, weil man sie für Informanten Israels hielt. Yusuf behauptet, einige seien aufgrund bloßer Verdächtigungen bestraft worden. Diese Erlebnisse hätten sein bis dahin idealisiertes Bild der Hamas erschüttert. Er habe begonnen, zwischen der persönlichen Frömmigkeit und Opferbereitschaft seines Vaters einerseits und dem organisatorischen Handeln der Hamas andererseits zu unterscheiden.

Beim Schin Bet erhielt Yusuf den Decknamen „Green Prince“. Im Gegensatz zu vielen Informanten, die lediglich örtlich begrenzte Informationen liefern konnten, hatte Yusuf Zugang zu: führenden Hamas-Mitgliedern, politischen und familiären Netzwerken, Treffen zwischen unterschiedlichen palästinensischen Gruppierungen, Informationen über geplante Anschläge, Personen, die von israelischen Sicherheitsbehörden gesucht wurden.

Sein Führungsoffizier war Gonen Ben-Yitzhak, der damals unter einem Decknamen arbeitete. Zwischen beiden entwickelte sich eine ungewöhnlich enge Beziehung. Ben-Yitzhak trat später öffentlich auf, bestätigte Yusufs Tätigkeit und unterstützte ihn in seinem amerikanischen Asylverfahren.

Yusuf arbeitete ungefähr von 1997 bis 2007 n.Chr. für den israelischen Inlandsgeheimdienst. Nach den Berichten Yusufs, seines Führungsoffiziers und israelischer Medien half er unter anderem: geplante Anschläge zu vereiteln, militante Zellen aufzuspüren, gesuchte Funktionäre zu lokalisieren, Verhaftungen vorzubereiten, seinen Vater vor gezielter Tötung zu bewahren.

Er soll Informationen geliefert haben, die bei der Verhaftung mehrerer hochrangiger Personen eine Rolle spielten. Genannt werden unter anderem der Hamas-Kommandeur Ibrahim Hamid, der Bombenbauer Abdullah Barghouti und der Fatah-Politiker Marwan Barghouti. Yusuf und Ben-Yitzhak betonten später, sein Ziel sei nicht gewesen, möglichst viele Menschen verhaften oder töten zu lassen. Er habe vielmehr versucht, Anschläge zu verhindern und zugleich gezielte Tötungen durch Festnahmen zu ersetzen.

Die gefährlichste Phase seiner Tätigkeit fiel in die zweite Intifada, die im Jahr 2000 n.Chr. begann. In dieser Zeit verübten Hamas, Palästinensischer Islamischer Dschihad und andere Organisationen zahlreiche Anschläge in Israel; zugleich ging das israelische Militär massiv gegen palästinensische Strukturen vor. Yusuf befand sich in einer extremen Doppelrolle: Nach außen war er der Sohn eines Hamas-Führers und wurde als möglicher Nachfolger seines Vaters wahrgenommen. Geheim arbeitete er für den Sicherheitsdienst des Staates, gegen den die Hamas kämpfte.

Für Israel und seine Unterstützer gilt er als Lebensretter und außergewöhnlich mutiger Informant. Für die Hamas und viele Palästinenser gilt er als Verräter und Kollaborateur. Kritische Beobachter sehen seine Geschichte außerdem im größeren Zusammenhang der israelischen Rekrutierung palästinensischer Informanten, die häufig unter Gefängnisdruck, Drohungen oder persönlicher Abhängigkeit erfolgt. Der Dokumentarfilm „The Green Prince“ thematisiert daher auch die Ambivalenz aus Freundschaft, Kontrolle, Abhängigkeit und institutioneller Ausnutzung.

Parallel zu seiner Geheimdiensttätigkeit begann Yusuf, sich nach eigenen Angaben mit dem Christentum auseinanderzusetzen. Nach eigener Darstellung erhielt er Ende der 1990er Jahre in Jerusalem eine Einladung zu einem christlichen Bibelkreis. Besonders habe ihn die neutestamentliche Aufforderung beeindruckt, die Feinde zu lieben. Er stellte diese Lehre dem von ihm erlebten Kreislauf aus Rache, Gewalt und Gegengewalt gegenüber, was verdeutlicht, dass er die Liebe im Islam nie verstanden hat. Sein religiöser Übergang vollzog sich offenbar über mehrere Jahre. Er begann, die Bibel zu lesen, nahm an christlichen Treffen teil und ließ sich schließlich taufen. Öffentlich bekannt wurde seine Konversion jedoch erst später.

Yusuf entwickelte daraus eine grundsätzliche Kritik nicht nur an der Hamas, sondern zunehmend auch am Islam. In späteren Jahren bezeichnete er islamische Texte und Traditionen vielfach als Quelle politischer Gewalt. Dabei ging er deutlich weiter als viele muslimische Kritiker des Islamismus. Er unterschied oft nur unzureichend zwischen: Islam als Religion, Islamismus als politische Ideologie, Dschihadismus als militante Bewegung und den sehr unterschiedlichen Lebensweisen muslimischer Menschen. Seine Äußerungen werden deshalb von Unterstützern als mutige Ideologiekritik, von Kritikern jedoch als pauschalisierend und islamfeindlich bewertet.

2007 beendete Yusuf seine Arbeit für den Schin Bet und verließ das Westjordanland. Er reiste in die USA und ließ sich in Kalifornien nieder. Er konnte nicht ohne Weiteres in seine Heimat zurückkehren. Seine Familie und sein früheres Umfeld mussten mit dem Vorwurf umgehen, dass der Sohn eines Hamas-Führers für Israel gearbeitet hatte. Innerhalb der palästinensischen Gesellschaft galt er fortan weithin als Kollaborateur. Auch in den USA war sein Aufenthaltsstatus zunächst unsicher.

Im Jahr 2010 n.Chr. wurde seine Geschichte durch die Veröffentlichung seines Buches weltweit bekannt: „Son of Hamas: A Gripping Account of Terror, Betrayal, Political Intrigue, and Unthinkable Choices“ (Sohn der Hamas: Ein fesselnder Bericht über Terror, Verrat, politische Intrigen und unvorstellbare Entscheidungen. Das Buch erschein auch auf Deutsch. Er schrieb das Buch zusammen mit dem jüdischen Autor Ron Brackin. Es beschreibt Yusufs Kindheit, seine Familie, die Haft, seine Zusammenarbeit mit dem Schin Bet, seine Hinwendung zum Christentum und seine Flucht in die USA.

Nachdem bekannt geworden war, dass Musab für Israel gearbeitet hatte, erklärte sein Vater öffentlich seinem Sohn verstoßen zu haben.

Yusufs Antrag auf politisches Asyl in den USA geriet in Schwierigkeiten. Amerikanische Behörden verwiesen auf seine früheren Verbindungen zur Hamas und auf Aussagen in seinem eigenen Buch, die als Beteiligung an terroristischen Strukturen ausgelegt werden konnten. Yusuf argumentierte dagegen, dass er entsprechende Tätigkeiten nur im Rahmen seiner verdeckten Arbeit für den Schin Bet ausgeführt habe. Er habe Waffen getragen, an Treffen teilgenommen und sich als Hamas-Aktivist dargestellt, um seine Tarnung aufrechtzuerhalten. Entscheidend war das öffentliche Eingreifen seines ehemaligen Führungsoffiziers Gonen Ben-Yitzhak. Dieser reiste in die USA und sagte aus, Yusuf sei kein Hamas-Terrorist gewesen, sondern habe Israel bei der Terrorismusbekämpfung unterstützt. 2010 erhielt Musab Hasan Yusuf schließlich politisches Asyl in den Vereinigten Staaten. Später wurde Yusuf US-amerikanischer Staatsbürger und schrieb ein weiteres Buch: „From Hamas to America“ (Von der Hamas nach Amerika).

In den USA lebte Yusuf überwiegend in Kalifornien. Er trat als Autor, Redner und Kommentator auf und wurde von christlichen Gemeinden, proisraelischen Organisationen, Universitäten und sicherheitspolitischen Veranstaltungen eingeladen. Er arbeitete zeitweise an Filmprojekten und beschäftigte sich später auch mit dem Entwurf und Bau von Häusern. Der Verlag seines zweiten Buches beschreibt ihn außerdem als Vortragenden, Autor, Läufer, Taucher und Yoga-Praktizierenden.

Yusufs politische Aussagen wurden im Laufe der Jahre zunehmend vom Zionismus geprägt. Yusuf positioniert sich eindeutig auf der Seite Israels. Kritiker werfen ihm vor, israelische Besatzungspolitik, Siedlungsbau, militärische Gewalt und palästinensisches ziviles Leid zu relativieren oder fast vollständig auszublenden. Nach dem Angriff einiger palästinensischer Widerstandsorganisationen auf Israel am 7. Oktober 2023 nahm Yusufs internationale Medienpräsenz erheblich zu. Er trat in Fernsehsendungen, Podcasts und auf öffentlichen Veranstaltungen auf.

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