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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Musab Hasan Yusuf, häufig auch Mosab, Mossab, Musab oder
Mosab Yousef geschrieben, ist ein
palästinensisch-amerikanischer Autor, ehemaliger Informant des
israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet und scharfer
Kritiker der Hamas.
Bekannt wurde er unter seinem israelischen Decknamen „The
Green Prince“ (Der grüne Prinz). „Grün“ verweist auf die Farbe
der Hamas; „Prinz“ auf seine Stellung als ältester Sohn eines
ihrer prominentesten Anführer.
Seine Lebensgeschichte gilt als außergewöhnlich, aber auch
politisch stark umkämpft. Ein erheblicher Teil der
Einzelheiten stammt aus seinen eigenen Memoiren und
öffentlichen Aussagen und sind daher mit Vorsicht zu
beurteilen. Die Grundzüge seiner Zusammenarbeit mit dem Schin
Bet werden allerdings durch seinen früheren israelischen
Führungsoffizier Gonen Ben-Yitzhak und durch weitere
zeitgenössische Berichte bestätigt.
Musab Hasan Yusuf wurde 1978 im Westjordanland geboren und
wuchs im Raum Ramallah auf. Sein Vater, Scheich Hasan Yusuf,
gehörte zu den führenden Persönlichkeiten der
palästinensischen Muslimbruderschaft und wurde nach der
Gründung der Hamas 1987 zu einem ihrer wichtigsten politischen
und religiösen Anführer im Westjordanland.
Hasan Yusef wird in Medien der
Westlichen Welt häufig als „Mitbegründer der Hamas“
bezeichnet. Präziser wäre es, ihn als Gründungsmitglied
beziehungsweise führenden Aufbauakteur der Hamas im
Westjordanland zu bezeichnen. Die eigentliche Gründungsgruppe
um Scheich
Ahmad
Yasin war vor allem im
Gaza-Streifen tätig.
Musab war der älteste Sohn einer großen, religiös geprägten
Familie. Aufgrund der Stellung seines Vaters wuchs er nicht
nur in einem muslimischen Milieu auf, sondern in unmittelbarer
Nähe zur Führung einer sich rasch entwickelnden
Widerstandsorganisation.
Sein Vater wurde wiederholt von Israel verhaftet und
verbrachte über die Jahrzehnte lange Zeiträume in israelischer
Haft. Für den jungen Musab bedeutete dies, dass er früh
öffentliche Verantwortung innerhalb der Familie übernehmen
musste. Er begleitete seinen Vater, empfing Besucher,
übermittelte Nachrichten und lernte führende Vertreter der
Hamas und anderer palästinensischer Gruppierungen kennen.
Yusufs Kindheit fiel in eine Zeit wachsender Spannungen
zwischen der palästinensischen Bevölkerung und der
israelischen Besatzungsmacht. Als 1987 die erste Intifada
begann, erlebte er Demonstrationen, Straßenschlachten,
Verhaftungen, Ausgangssperren und militärische Razzien. Nach
seiner eigenen Darstellung beteiligte er sich als Jugendlicher
an Protesten und warf Steine auf israelische Soldaten. Er
betrachtete Israel zunächst als eindeutigen Feind und seinen
Vater als religiöses und nationales Vorbild.
Gleichzeitig entwickelte er nach eigenen Angaben schon früh
ein problematisches Verhältnis zur Gewalt. Die Verhaftungen
seines Vaters verstärkten zunächst seine Wut auf Israel.
Später behauptete er jedoch, auch innerhalb der
palästinensischen Organisationen Machtmissbrauch,
Einschüchterung und Gewalt gegen mutmaßliche „Kollaborateure“
beobachtet zu haben. Diese Erfahrungen bilden in seinen
Memoiren den Ausgangspunkt für seine spätere Abkehr von der
Hamas. Dabei ist zu beachten, dass diese rückblickende
Darstellung stark von seiner späteren religiösen und
politischen Entwicklung geprägt ist.
Mitte der 1990er Jahre wurde Musab Hasan Yusuf von
israelischen Sicherheitskräften verhaftet. Je nach Darstellung
werden 1996 oder 1997 als entscheidendes Jahr genannt. Er soll
zu diesem Zeitpunkt Waffen erworben beziehungsweise mit
Waffenbesitz zu tun gehabt haben.
Während seiner Haft wurde er vom israelischen
Inlandsgeheimdienst Schin Bet, auf Hebräisch Schabak, verhört.
Der Schin Bet ist für die innere Sicherheit Israels und unter
anderem für die Bekämpfung palästinensischer bewaffneter
Organisationen zuständig.
Yusuf berichtet, er sei während der Verhöre misshandelt
worden. Zugleich sei ihm angeboten worden, als Informant für
Israel zu arbeiten. Zunächst habe er nur scheinbar zugestimmt,
weil er beabsichtigt habe, den israelischen Dienst später zu
täuschen oder Informationen gegen Israel zu verwenden. Nach
seiner Freilassung begann jedoch eine Zusammenarbeit, die
ungefähr ein Jahrzehnt dauern sollte.
Als besonders entscheidend beschreibt Yusuf seine
Beobachtungen innerhalb des Gefängnisses. Dort habe die Hamas
eine eigene interne Sicherheitsstruktur unter den
palästinensischen Gefangenen unterhalten. Verdächtige
Gefangene seien von anderen Hamas-Angehörigen verhört,
misshandelt und teilweise schwer gefoltert worden, weil man
sie für Informanten Israels hielt. Yusuf behauptet, einige
seien aufgrund bloßer Verdächtigungen bestraft worden. Diese
Erlebnisse hätten sein bis dahin idealisiertes Bild der Hamas
erschüttert. Er habe begonnen, zwischen der persönlichen
Frömmigkeit und Opferbereitschaft seines Vaters einerseits und
dem organisatorischen Handeln der Hamas andererseits zu
unterscheiden.
Beim Schin Bet erhielt Yusuf den Decknamen „Green Prince“.
Im Gegensatz zu vielen Informanten, die lediglich örtlich
begrenzte Informationen liefern konnten, hatte Yusuf Zugang
zu: führenden Hamas-Mitgliedern, politischen und familiären
Netzwerken, Treffen zwischen unterschiedlichen
palästinensischen Gruppierungen, Informationen über geplante
Anschläge, Personen, die von israelischen Sicherheitsbehörden
gesucht wurden.
Sein Führungsoffizier war Gonen Ben-Yitzhak, der damals
unter einem Decknamen arbeitete. Zwischen beiden entwickelte
sich eine ungewöhnlich enge Beziehung. Ben-Yitzhak trat später
öffentlich auf, bestätigte Yusufs Tätigkeit und unterstützte
ihn in seinem amerikanischen Asylverfahren.
Yusuf arbeitete ungefähr von 1997 bis 2007 n.Chr. für den
israelischen Inlandsgeheimdienst. Nach den Berichten Yusufs,
seines Führungsoffiziers und israelischer Medien half er unter
anderem: geplante Anschläge zu vereiteln, militante Zellen
aufzuspüren, gesuchte Funktionäre zu lokalisieren,
Verhaftungen vorzubereiten, seinen Vater vor gezielter Tötung
zu bewahren.
Er soll Informationen geliefert haben, die bei der
Verhaftung mehrerer hochrangiger Personen eine Rolle spielten.
Genannt werden unter anderem der Hamas-Kommandeur Ibrahim
Hamid, der Bombenbauer Abdullah Barghouti und der
Fatah-Politiker Marwan Barghouti. Yusuf und Ben-Yitzhak
betonten später, sein Ziel sei nicht gewesen, möglichst viele
Menschen verhaften oder töten zu lassen. Er habe vielmehr
versucht, Anschläge zu verhindern und zugleich gezielte
Tötungen durch Festnahmen zu ersetzen.
Die gefährlichste Phase seiner Tätigkeit fiel in die zweite
Intifada, die im Jahr 2000 n.Chr. begann. In dieser Zeit
verübten Hamas, Palästinensischer Islamischer Dschihad und
andere Organisationen zahlreiche Anschläge in Israel; zugleich
ging das israelische Militär massiv gegen palästinensische
Strukturen vor. Yusuf befand sich in einer extremen
Doppelrolle: Nach außen war er der Sohn eines Hamas-Führers
und wurde als möglicher Nachfolger seines Vaters wahrgenommen.
Geheim arbeitete er für den Sicherheitsdienst des Staates,
gegen den die Hamas kämpfte.
Für Israel und seine Unterstützer gilt er als Lebensretter
und außergewöhnlich mutiger Informant. Für die Hamas und viele
Palästinenser gilt er als Verräter und Kollaborateur.
Kritische Beobachter sehen seine Geschichte außerdem im
größeren Zusammenhang der israelischen Rekrutierung
palästinensischer Informanten, die häufig unter
Gefängnisdruck, Drohungen oder persönlicher Abhängigkeit
erfolgt. Der Dokumentarfilm „The Green Prince“ thematisiert
daher auch die Ambivalenz aus Freundschaft, Kontrolle,
Abhängigkeit und institutioneller Ausnutzung.
Parallel zu seiner Geheimdiensttätigkeit begann Yusuf, sich
nach eigenen Angaben mit dem
Christentum auseinanderzusetzen. Nach eigener Darstellung
erhielt er Ende der 1990er Jahre in
Jerusalem eine Einladung zu einem christlichen Bibelkreis.
Besonders habe ihn die neutestamentliche Aufforderung
beeindruckt, die Feinde zu lieben. Er stellte diese Lehre dem
von ihm erlebten Kreislauf aus Rache, Gewalt und Gegengewalt
gegenüber, was verdeutlicht, dass er die
Liebe
im
Islam nie verstanden hat. Sein religiöser Übergang vollzog
sich offenbar über mehrere Jahre. Er begann, die Bibel zu
lesen, nahm an christlichen Treffen teil und ließ sich
schließlich taufen. Öffentlich bekannt wurde seine Konversion
jedoch erst später.
Yusuf entwickelte daraus eine grundsätzliche Kritik nicht
nur an der Hamas, sondern zunehmend auch am
Islam.
In späteren Jahren bezeichnete er islamische Texte und
Traditionen vielfach als Quelle politischer Gewalt. Dabei ging
er deutlich weiter als viele muslimische Kritiker des
Islamismus. Er unterschied oft nur unzureichend zwischen:
Islam als Religion, Islamismus als politische Ideologie,
Dschihadismus als militante Bewegung und den sehr
unterschiedlichen Lebensweisen muslimischer Menschen. Seine
Äußerungen werden deshalb von Unterstützern als mutige
Ideologiekritik, von Kritikern jedoch als pauschalisierend und
islamfeindlich bewertet.
2007 beendete Yusuf seine Arbeit für den Schin Bet und
verließ das Westjordanland. Er reiste in die USA und ließ sich
in Kalifornien nieder. Er konnte nicht ohne Weiteres in seine
Heimat zurückkehren. Seine Familie und sein früheres Umfeld
mussten mit dem Vorwurf umgehen, dass der Sohn eines
Hamas-Führers für Israel gearbeitet hatte. Innerhalb der
palästinensischen Gesellschaft galt er fortan weithin als
Kollaborateur. Auch in den USA war sein Aufenthaltsstatus
zunächst unsicher.
Im Jahr 2010 n.Chr. wurde seine Geschichte durch die
Veröffentlichung seines Buches weltweit bekannt: „Son of
Hamas: A Gripping Account of Terror, Betrayal, Political
Intrigue, and Unthinkable Choices“ (Sohn der Hamas: Ein
fesselnder Bericht über Terror, Verrat, politische Intrigen
und unvorstellbare Entscheidungen. Das Buch erschein auch auf
Deutsch. Er schrieb das Buch zusammen mit dem jüdischen Autor
Ron Brackin. Es beschreibt Yusufs Kindheit, seine Familie, die
Haft, seine Zusammenarbeit mit dem Schin Bet, seine Hinwendung
zum Christentum und seine Flucht in die USA.
Nachdem bekannt geworden war, dass Musab für Israel
gearbeitet hatte, erklärte sein Vater öffentlich seinem Sohn
verstoßen zu haben.
Yusufs Antrag auf politisches Asyl in den USA geriet in
Schwierigkeiten. Amerikanische Behörden verwiesen auf seine
früheren Verbindungen zur Hamas und auf Aussagen in seinem
eigenen Buch, die als Beteiligung an terroristischen
Strukturen ausgelegt werden konnten. Yusuf argumentierte
dagegen, dass er entsprechende Tätigkeiten nur im Rahmen
seiner verdeckten Arbeit für den Schin Bet ausgeführt habe. Er
habe Waffen getragen, an Treffen teilgenommen und sich als
Hamas-Aktivist dargestellt, um seine Tarnung
aufrechtzuerhalten. Entscheidend war das öffentliche
Eingreifen seines ehemaligen Führungsoffiziers Gonen
Ben-Yitzhak. Dieser reiste in die USA und sagte aus, Yusuf sei
kein Hamas-Terrorist gewesen, sondern habe Israel bei der
Terrorismusbekämpfung unterstützt. 2010 erhielt Musab Hasan
Yusuf schließlich politisches Asyl in den Vereinigten Staaten.
Später wurde Yusuf US-amerikanischer Staatsbürger und schrieb
ein weiteres Buch: „From Hamas to America“ (Von der Hamas nach
Amerika).
In den USA lebte Yusuf überwiegend in Kalifornien. Er trat
als Autor, Redner und Kommentator auf und wurde von
christlichen Gemeinden, proisraelischen Organisationen,
Universitäten und sicherheitspolitischen Veranstaltungen
eingeladen. Er arbeitete zeitweise an Filmprojekten und
beschäftigte sich später auch mit dem Entwurf und Bau von
Häusern. Der Verlag seines zweiten Buches beschreibt ihn
außerdem als Vortragenden, Autor, Läufer, Taucher und
Yoga-Praktizierenden.
Yusufs politische Aussagen wurden im Laufe der Jahre
zunehmend vom Zionismus geprägt. Yusuf positioniert sich
eindeutig auf der Seite Israels. Kritiker werfen ihm vor,
israelische Besatzungspolitik, Siedlungsbau, militärische
Gewalt und palästinensisches ziviles Leid zu relativieren oder
fast vollständig auszublenden. Nach dem Angriff einiger
palästinensischer Widerstandsorganisationen auf Israel am 7.
Oktober 2023 nahm Yusufs internationale Medienpräsenz
erheblich zu. Er trat in Fernsehsendungen, Podcasts und auf
öffentlichen Veranstaltungen auf.