Joinville, 15. März 1875.
Nach einer qualvollen, schlaflosen Nacht lag ich einen
ganzen Tag schier betäubt, umgaukelt von seltsamen
Spukbildern.
Die Luft ist schwer von herbem Duft, drückend lastet die
Hitze, lähmend die tiefe Stille ringsumher. Das Meer liegt
regungslos, ein blaßblauer Spiegel, unter der sengenden Sonne,
und das Licht ist so grell, daß der Himmel darob erbleicht ...
Dort im Weiten glänzt ein bläulicher Streifen, die Küste
von Guinea, – am fernsten Horizont die eintönige Linie der
grünen Urwälder, die von Wellen umspült sind.
Wo ist sie, meine Heißgeliebte? Allein bin ich in dies Land
zurückgekehrt, in das ich dir nachgefolgt war, du hast mich
verlassen, ich hab' dich verloren. Und ein Abgrund gähnt
zwischen einst und jetzt ...
Mein Geschick hat sich entschieden, ich blieb Seemann und
ging zurück, – doch warum bin ich allein, warum hast du mich
verlassen?
Die schwüle Luft ist von Gewittern schwer und ganz erfüllt
von herbem Duft. Aus tiefen Wäldern steigen Fieberdünste: Das
ist die unselige Küste, das Land der Wälder, die kein Ende
haben.
Unter heißen, giftigen Pflanzen lauern Schlangen, und das
unendliche Meer dehnt sich reglos unter dem glühenden Himmel
...
Neger locken dumpfe Töne aus dem hölzernen Tam-Tam.
Zauberer gleiten auf Piroguen vorüber. Schweißglänzende Männer
tauchen ihre Ruder tief ins heiße Wasser, das sich furcht wie
eine Ölfläche ...
Nun hör' ich ein klagendes Lied von jungen schwarzen
Weibern. Dann sehe ich Neger im Sonnenbrand friedlich schlafen
in den Wurzeln der heiligen Bäume ...
Und dann erwache ich vollends, und meine Blicke weilen auf
einem Strauß Schneerosen, der neben mir auf der Decke liegt.
Ich selbst bin auf ein Ruhebett gestreckt, bin in meinem
Zimmer in Joinville ... Es ist vier Uhr am Nachmittag. Düstere
Winterdämmerung dringt durch die Fensterscheiben, und am
offenen Feuer sitzt meine Ordonnanz.
Es ist die Zeit des ärztlichen Besuches. Und der Doktor
findet, daß ich kein Fieber mehr habe, daß ich nur noch sehr
entkräftet bin.