Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib
Berichte über die Gründe für seine Ermordung und wie es
dazu kam
Es wurde von einer Gruppe von
Geschichtsschreibern (ahl-al-siyar) überliefert, darunter Abu
Michnaf, Isma´il ibn Raschid, Abu Haschim al-Rifa´i, Abu ‘Amr
al-Thaqafi und andere, die berichteten:
Eine Gruppe Charidschiten hatten sich in
Mekka versammelt, sie erwähnten die Führer (der Leute), und
sie bemängelten sie und ihre Taten. Sie sprachen über die
Leute von al-Nahrawan, und sie erbaten die Barmherzigkeit
Allahs für sie. Sie sagten zueinander: „Wenn wir uns nur
für Allah opfern würden, zu den Führern (Imamen) des Irrtums (dhalal)
gehen und dann auf einen Augenblick der Unachtsamkeit warten
könnten, dann könnten wir die Leute und das Land von ihnen
befreien und die Märtyrer von al-Nahrawan rächen.“ Sie
kamen darüber bei der Pilgerfahrt (Hadsch) überein, und
Abd-al-Rahman ibn Muldscham al-Muradi (l.) sagte: „Ich
werde alles Erforderliche für euch dafür tun, (dass) ‘Ali
(getötet wird).“ Al-Burak ibn ‘Abdullah al-Tamimi sagte:
„Ich werde zusehen, (dass) Muawiya für euch (getötet
wird)“. ‘Amr ibn Bakr al-Tamimi sagte: „Ich werde
zusehen, für euch ‘Amr ibn al-Aas (zu töten)“. Sie kamen
darin überein, das zu tun und banden sich an seine Erfüllung.
Sie beschlossen einträchtig, (diese Tat) in der Nacht zum
neunzehnten Ramadan (auszuführen), so verblieben sie, dann
trennten sie sich.
Ibn Muldscham (l.) machte sich auf den
Weg - er wurde zu den Kinda gerechnet - bis er nach Kufa kam.
Dort traf er seine Gefährten. Aber er hielt seine Aufgabe vor
ihnen geheim, weil er fürchtete, dass sich davon etwas
verbreiten könnte. So lagen die Dinge für ihn, als er einen
seiner Gefährten besuchte von Ta´im al-Rabab. Bei ihm traf er
zufällig Qatam bint al-Achdar al-Tamimiyya. Der Fürst der
Gläubigen (a.) hatte ihren Vater und ihren Bruder in
al-Nahrawan getötet. Sie gehörte zu den schönsten Frauen ihrer
Zeit. Als Ibn Muldscham (l.) sie sah, verliebte er sich in
sie, und seine Bewunderung für sie wurde sehr stark. Er machte
ihr einen Heiratsantrag, und verlobte sich mit ihr. Sie
fragte: „Welche Brautgabe schlägst du für mich vor?“
„Entscheide du darüber“, erwiderte er. „Ich habe
entschieden“, sagte sie, „dass du mir dreitausend
Dirham, einen Botenjungen, einen Diener und die Ermordung von
‘Ali ibn Abi Talib geben sollst.“ „Du sollst alles
haben, was du willst“; sagte er (Ibn Muldscham, l.),
„aber wie soll ich die Tötung von ‘Ali ibn Abi Talib
schaffen?“ „Suche einen Augenblick, in dem er unachtsam ist“;
erwiderte sie, „wenn du ihn getötet hast, werde ich mich
heilen (von meinem Hass gegen ihn), und das Leben mit mir wird
für dich angenehm sein, und wenn du getötet wirst, dann hat
Allah nichts Besseres für dich auf der Welt (als so einen
Tod).“ „Das Einzige, was mich in diese Stadt geführt
hat, vor der ich geflohen war, weil ich vor ihren Einwohnern
nicht sicher war, war, ‘Ali ibn Abi Talib zu töten, was du
wolltest. Du sollst haben, was du verlangt hast.“ „Ich
werde jemanden suchen, der dir hilft und dich in dieser Sache
stärken wird“, sagte sie. Dann ließ sie nach Wardan ibn
Mudschalid schicken von Taym al-Rabab. Sie gab ihm die
Information (über das Vorhaben Ibn Muldschams, l.) und bat
ihn, Ibn Muldscham (l.) zu helfen, und er nahm es für sie auf
sich. Ibn Muldscham (l.) zog aus und kam zu einem Mann von
Aschdscha’ namens Schabib ibn Badschura und sagte zu ihm: „Schabib,
möchtest du die Ehre im Diesseits und im Jenseits haben?“ „Was
ist das?“, fragte er (Schabib), und (Ibn Muldscham, l.)
antwortete: „Hilf mir, ‘Ali ibn Abi Talib zu töten.“
Schabib teilte die Ansichten der Charidschiten, und so sagte
er zu Ibn Muldscham (l.): „Ibn Muldscham, mögen Klageweiber
dich betrauern (an deinem Tod), denn was du vorhast, ist etwas
Schreckliches. Wie willst du das vollbringen können?“ „Wir
werden bei der Großen Moschee Stellung beziehen und auf ihn
warten“, sagte Ibn Muldscham (l.), „und wenn er zum
Morgengebet hinausgeht, bringen wir ihn um. Damit können wir
Genugtuung und unsere Rache erreichen.“ Er hörte nicht
auf, auf ihn (Schabib) einzureden, bis dieser zustimmte und
mit ihm zu der Großen Moschee ging, wo Qatam I´tiqaf
praktizierte und ein Zelt aufgestellt hatte. Die beiden Männer
sagten zu ihr: „Wir sind darüber übereingekommen, diesen
Mann (Imam ‘Ali, a.) zu töten.“ „Wenn ihr das tun wollt, dann
kommt zu mir an diesen Ort“, sagte sie. Die beiden gingen
von ihr weg und warteten (einige) Tage, dann kamen sie in der
Nacht von Mittwoch, dem Neunzehnten des Monats Ramadan, im
Jahre 40 n.H. schließlich zu ihr. Sie ließ Seide bringen, die
sie ihnen um die Brust band, und sie gürteten ihre Schwerter
um, gingen los und setzten sich gegenüber das Tor, durch das
der Fürst der Gläubigen (a.) zum Gebet zu treten pflegte.
Vorher hatten sie al-Asch´ath ibn Qais von ihrer
Entschlossenheit erzählt, die sie im Sinn hatten, den Fürsten
der Gläubigen (a.) zu ermorden. Al-Asch´ath (l.) stimmte ihnen
darin zu. Al-Asch´ath war in jener Nacht anwesend, um sie in
dem, worin sie übereingekommen waren (die Ermordung Imam
‘Alis, a.), zu unterstützen.
Hudschr ibn ‘Adi (r.) verbrachte auch die
Nacht in der Moschee. Er hörte al-Asch´ath ibn Qais (l.) zu
Ibn Muldscham (l.) sagen: „Schnell, schnell, geh an deine
Aufgabe, denn die Dämmerung bricht an.“ Hudschr fühlte,
was al-Asch´ath (l.) wollte und sagte zu ihm: „Du willst
ihn töten, du Einäugiger!“ Er verließ direkt die Moschee,
um zu dem Fürsten der Gläubigen (a.) zu kommen, um ihn zu
informieren und ihn vor der Gruppe zu warnen. Doch der Fürst
der Gläubigen (a.) ließ ihn auf dem Weg hinter sich und betrat
die Moschee, und Ibn Muldscham (l.) kam ihm zuvor und
versetzte ihm einen Schwerthieb. Hudschr kam heran, als die
Leute riefen, dass der Fürst der Gläubigen getötet worden sei.
‘Abdullah ibn Muhammad al-Azdi
berichtete:
In jener Nacht betete ich in der Großen Moschee mit Männern
aus der Stadt. Während jenes Monats (Monat Ramadan) pflegten
sie von Anfang bis Ende der Nacht zu beten. Als ich auf die
Männer blickte, die nahe am Tor beteten, aus dem ‘Ali ibn Abi
Talib (a.) zum Morgengebet trat, begann er zu rufen: „Das
Gebet, das Gebet!“ Ich konnte den Ruf kaum wahrnehmen,
bevor ich das Blitzen von Schwertern sah, und ich hörte
jemanden sagen: „Allahs ist das Urteil, ‘Ali, nicht deins
oder das deiner Gefährten!“, und ich hörte ‘Ali (a.)
sagen: „Lasst den Mann nicht entkommen“, und dann wurde
‘Ali (a.) niedergeschlagen, und Schabib ibn Badschura schlug
(auch) nach ihm, verfehlte ihn aber, und sein Hieb ging in die
Luft. Die Leute flohen in Richtung der Moscheetore, und die
Menschen eilten davon, um sie (Ibn Muldscham und Schabib) zu
ergreifen. Ein Mann ergriff Schabib ibn Badschura, schlug ihn
nieder, setzte sich auf seine Brust und nahm sein Schwert zur
Hand, um ihn damit zu töten. Als er die Leute auf ihn zurennen
sah, fürchtete er, dass sie übereilt handeln könnten, ohne ihm
zuzuhören. Deswegen sprang er von seiner Brust auf, ließ ihn
entkommen und warf das Schwert aus seiner Hand weg. Schabib
floh zu seinem Haus, und sein Cousin väterlicherseits kam zu
ihm und sah, ihn das seidene Tuch von seiner Brust lösen und
sagte: „Was ist das? Hast du etwa den Fürsten der Gläubigen
(a.) getötet?“ Schabib wollte „Nein“ sagen, aber er
sagte „Ja“, und sein Cousin ging weg und legte sein
Schwert an. Dann kam er wieder (zu Schabib) und versetzte ihm
Schwerthiebe, bis er ihn getötet hatte.
Ein Mann der Hamdan folgte Ibn Muldscham
(l.) und warf ein Stück Samt über ihn, das er in der Hand
hatte, schlug ihn nieder und nahm ihm das Schwert aus der
Hand. Er brachte ihn zum Fürsten der Gläubigen (a.). (In der
Zwischenzeit) war der Dritte entkommen und unter den Menschen
untergetaucht.
Als Ibn Muldscham (l.) zu dem Fürsten der
Gläubigen (a.) gebracht wurde, sah dieser ihn an und sagte:
“Ein Leben für ein Leben, und wenn ich sterben sollte, dann
tötet ihn, wie er mich getötet hat, und wenn ich überlebe,
werde ich sehen, wie ich über ihn entscheiden werde.“ Ibn
Muldscham (l.) sagte: „Bei Allah, ich habe sein Leben für
tausend erkauft, und ich habe für tausend (Leben) einen
Anschlag auf ihn verübt, und wenn er mich verraten hat, dann
möge Allah ihn zerstören“. „Feind Allahs“, schrie
Umm Kulthum, „du hast den Fürsten der Gläubigen (a.)
getötet“, und er (Ibn Muldscham, l.) antwortete: „Ich
habe (nur) deinen Vater getötet“, und sie rief: “Du
Feind Allahs, ich hoffe, dass es kein Unglück für ihn
bedeutet.“ „Ich sehe“, sagte Ibn Muldscham (l.),
„dass du nur um ‘Ali weinst. In der Tat, bei Allah, ich schlug
ihn nieder. Wenn ich unter die Leute des Landes aufgeteilt
worden wäre, dann hätte ich sie zerstört.“ Dann wurde er
von ihm (Imam ‘Ali, a.) weggebracht, während die Leute am
liebsten ihn wie reißende Tiere zerfleischt hätten. Sie
schrieen: „Du Feind Allahs, was hast du getan? Du hast die
Ummah Muhammads (s.) vernichtet, und du hast den Besten der
Menschen getötet.“ Er schwieg und sprach nicht. Er wurde
ins Gefängnis gebracht, und die Leute gingen zum Fürsten der
Gläubigen (a.) und sagten: „O Fürst der Gläubigen, gib uns
den Befehl über den Feind Allahs, denn er hat die Ummah
vernichtet und die Religion verdorben.“ „Wenn ich
überlebe“, sagte der Fürst der Gläubigen (a.), „werde ich
sehen, was ich mit ihm machen werde. Doch wenn ich sterbe,
dann macht mit ihm, wie der Prophet (s.) mit einem Mörder
verfahren ist. Tötet ihn und verbrennt ihn danach im Feuer.“
Als der Fürst der Gläubigen (a.) starb, weinte seine Familie
um ihn, und als sie sein Begräbnis beendet hatten, setzte sich
al-Hassan (a.) nieder und befahl, dass Ibn Muldscham (l.) zu
ihm gebracht werden solle. Er wurde zu ihm gebracht, und als
er vor ihm stand, sagte al-Hassan (a.) : „Du Feind Allahs,
du hast den Fürsten der Gläubigen getötet und die
Verdorbenheit der Religion vergrößert“, dann ließ er ihn
köpfen. Umm Haitham bint al-Aswad al-Nacha´iyya bat darum,
dass ihr seine Leiche überlassen werde, damit sie für deren
Verbrennung sorgen könne, und er (Imam Hassan, a.) gab sie
ihr, und sie verbrannte sie im Feuer.
Ein Dichter sagte über die Sache mit
Qatam und die Ermordung des Fürsten der Gläubigen (a.)
folgendes: „Ich habe nie eine von einem Ehrwürdigen
geleistete Brautgabe gesehen wie die der Qatam, sei (der Mann)
nun reich oder mittellos. (Sie betrug) dreitausend Dirham,
einen Sklaven und einen Diener, und den Schwerthieb gegen Ali
mit einem scharfen Schwert. Nie gab es eine teurere Brautgabe
als (die Ermordung von) ‘Ali, und keine vernichtende Tat war
vernichtender als die von Ibn Muldscham.“
Was die beiden Männer betrifft, die mit
Ibn Muldscham (l.) darüber übereingekommen waren, Muawiya und
‘Amr ibn ‘As zu töten, so attackierte der eine Muawiya,
während dieser Ruku’ (im Gebet) machte. Doch traf sein
Schwerthieb sein Gesäß, und so wurde er (vor seinen Folgen)
bewahrt. Er wurde ergriffen und sofort getötet.
Was den anderen angeht, so (ging er), um
(seine Mission) ‘Amr (zu töten) an jener Nacht (zu erfüllen),
jedoch fühlte sich ‘Amr krank und hatte einen Mann als seinen
Vertreter geschickt, um mit den Leuten zu beten; und der
nannte sich Charidscha ibn Abi Habiba al-Amiri. Er traf ihn
mit seinem Schwert und dachte, dass es ‘Amr war. Er wurde
gefasst und zu ‘Amr gebracht, der ihn tötete. Charidscha starb
am zweiten Tag.