Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib
Berichte über die Urteile des Fürsten der Gläubigen (a.)
nach dem Treueid des Volkes an ihn und ´Uthmans Tod
Die Traditionalisten (ahl-an-naql wa
hamalat al-athar) überlieferten, dass eine Frau im Bett ihres
Mannes ein Kind gebar, das zwei Köpfe und zwei Körper hatte,
die mit einer Lende verbunden waren, und seine Familie war in
Zweifel darüber, ob es einer oder zwei waren.
Sie gingen zum Fürsten der Gläubigen (a.), um ihn danach zu
fragen, damit sie das Urteil darüber erfuhren, und der Fürst
der Gläubigen (a.) sagte zu ihnen: „Beobachtet ihn, wenn er
schläft, dann weckt einen der beiden Körper und einen der
beiden Köpfe, und wenn sie beide zur selben Zeit erwachen,
dann sind sie ein einzelner Mensch, und wenn einer davon
aufwacht und der andere schläft, dann sind sie zwei, und sie
haben das Recht auf das Erbe von zwei (Personen).“
Al-Hassan ibn ´Ali al-Abdi überlieferte
von Sa´d ibn Tarif, von al-Asbagh ibn Nubata, welcher
berichtete: „Während Schuraih in einer Gerichtssitzung war,
kam eine Person zu ihm und sagte: „Abu Umayya, lass mich
mit dir vertraulich sprechen, denn ich habe ein (dringendes)
Anliegen.“ Er (Schuraih) befahl denjenigen, die um ihn
herum waren, sich zurückzuziehen. Sie gingen fort, und nur
seine allerengsten Vertrauten (chassa) unter den Anwesenden
blieben (dort), und er sagte: „Bringe dein Anliegen vor“,
und (der Andere) sagte: „Abu Umayya, ich habe (die
Geschlechtsmerkmale,) die Männer haben, und (die,) die Frauen
besitzen. Wie lautet dein Urteil, bin ich ein Mann oder eine
Frau?“ „Ich habe über diese Angelegenheit ein Urteil
des Fürsten der Gläubigen (a.) gehört, woran ich mich
erinnere“, sagte er (Schuraih), „sag mir, aus welcher
der beiden Körperöffnungen kommt der Urin?“ „Von beiden“,
erwiderte die Person. „Und von welchen der beiden hört er
auf?“ „(Auch) von beiden zusammen“, war die Antwort, und
Schuraih war verwundert. Die Person sagte: „Ich werde noch
eine Sache über meinen Fall anführen, der noch verwunderlicher
ist“, und Schuraih sagte: „Und was ist das?“
„Mein Vater“, sagte die Person, „verheiratete mich
unter der Annahme, dass ich eine Frau sei. Ich wurde schwanger
von meinem Mann, und ich kaufte eine Sklavin, die mir zu
Diensten sein sollte, ich verkehrte mit ihr, und sie wurde von
mir schwanger.“ Schuraih schlug vor Verwunderung die Hände
zusammen und sagte: „Das ist ein Fall, der zweifellos vor
den Fürsten der Gläubigen (a.) gebracht werden muss, denn ich
habe über das Urteil darüber kein Wissen.“ Er erhob sich,
und die (betreffende) Person folgte ihm sowie diejenigen, die
mit ihm anwesend waren, und sie gingen zu dem Fürsten der
Gläubigen (a.), und er (Schuraih) erzählte seine Geschichte.
Der Fürst der Gläubigen (a.) rief die Person, und er fragte
ihn nach dem, was Schuraih ihm erzählt hatte, und sie
bestätigte es. „Wer ist dein Mann?“, fragte er (der
Fürst der Gläubigen, a.). „Der und der“, war die
Antwort, „und er hält sich in der Stadt auf.“ Er wurde
herbeigerufen und danach befragt, was (die Person) ausgesagt
hatte, und er sagte, dass es der Wahrheit entspräche. „Du
musst tapferer sein als ein Löwenjäger“, sagte der Fürst
der Gläubigen (a.), „wenn du mit dieser Situation
konfrontiert wirst,“ und er rief Qanbar, seinen
Gefolgsmann, und sagte: „Bringt diese Person in ein Haus
und vier gerechte Frauen mit ihm und lasse sie (die Person)
ausziehen und ihre Rippen zählen, nach dem sie sich
vergewissert haben, dass ihr Schambereich bedeckt ist.“ Er
(Qanbar) sagte: „Fürst der Gläubigen, weder Männer noch
Frauen sind vor dieser Person sicher“, und er (der Fürst
der Gläubigen, a.) ordnete an, dass ihr (der Person) ein
Tabban
umgebunden und sie im Hause allein gelassen werden sollte.
Dann ging er (der Fürst der Gläubigen, a.) hinein und zählte
die Rippen, und es waren sieben auf der linken Seite und acht
auf der rechten Seite. Er erklärte: „Er ist ein Mann“,
und er befahl, dass ihm die Haare geschnitten und dass er mit
einer Kappe, Sandalen und einem Gewand (rida´) bekleidet
werden sollte. Er trennte (die Person) von ihrem (früheren)
Mann.
Einige Traditionisten überlieferten: Als
die Person behauptete, zwei Ausscheidungsöffnungen zu haben,
befahl der Fürst der Gläubigen zwei gerechten (adil) Muslimen,
sich in einem leeren Haus aufzuhalten, und die Person blieb
mit ihnen (dort). Er ließ zwei Spiegel anbringen: Einen
gegenüber dem Schambereich der Person, und den anderen
gegenüber dem anderen Spiegel, und er befahl der Person, ihren
Schambereich zu enthüllen gegenüber dem Spiegel, wo ihn die
beiden gerechten (Männer) nicht direkt sehen konnten. Er ließ
die beiden gerechten Männer in den Spiegel gegenüber dem
ersten Spiegel sehen. Als die beiden gerechten Männer die
Richtigkeit der Behauptung der Person über ihre beiden
Geschlechtsmerkmale feststellten, stellte er (der Fürst der
Gläubigen, a.) seinen Zustand durch Zählen seiner Rippen fest.
Als er erklärte, dass er (die betreffende Person) ein Mann
war, ignorierte er deren Behauptung über eine Schwangerschaft,
ließ sie beiseite und handelte nicht dem (der Schwangerschaft)
zufolge. Er erklärte die Schwangerschaft der Sklavin als durch
ihn entstanden und er schrieb sie ihm zu.
Es wurde folgendes überliefert: Der Fürst
der Gläubigen (a.) trat eines Tages in die Moschee ein und
fand einen jungen Mann vor, der weinte, und um ihn herum waren
Leute. Der Fürst der Gläubigen (a.) fragte nach ihm, und er
antwortete: „Schuraih hat gegen mich ein Urteil gesprochen
und mir dabei Unrecht getan“, und der Fürst der Gläubigen
(a.) fragte nach seinem Fall. „Diese Leute“, und er
wies auf einige Anwesende, „nahmen meinen Vater auf eine
Reise mit, und sie kamen zurück, er aber kehrte nicht zurück.
So fragte ich sie nach ihm und sie sagten, dass er gestorben
sei, und ich fragte sie nach dem Geld, das er mit sich
genommen hatte. Sie sagten: „Wir wissen nichts von irgendeinem
Geld von ihm“, und dann ließ Schuraih sie einen Eid ablegen
und befahl mir, mich nicht mehr einzumischen.“ Der Fürst
der Gläubigen (a.) sagte zu Qanbar: „Sammle die Leute und
rufe mir die Schurat al-Chamis
zusammen.“ Dann setzte er sich nieder und rief die Gruppe
(damit sie vor ihn trete) zusammen mit dem jungen Mann. Er
fragte ihn, was er ausgesagt hatte, und dieser wiederholte
seine Behauptung und fing an zu weinen: „Bei Allah, ich
klage sie an, meinen Vater getötet zu haben, oh Fürst der
Gläubigen, und sie haben mich betrogen, indem sie ihn mit sich
nahmen, weil sie ihm nach seinem Geld trachteten.“ Der
Fürst der Gläubigen (a.) fragte die Leute, und sie sagten das
Gleiche aus wie Schuraih: „Der Mann ist gestorben, und wir
wissen nichts über sein Geld“, und er schaute in ihre
Gesichter, dann sagte er: „Was denkt ihr? Denkt ihr, dass
ich nicht weiß, was ihr mit dem Vater dieses jungen Mannes
getan habt? Dann hätte ich wirklich wenig Wissen!“
Er befahl ihnen, sich zu zerstreuen, und
sie zerstreuten sich in der Moschee. Jeder Mann von ihnen
wurde angewiesen, sich neben eine der Moscheesäulen zu
stellen. Dann rief er ´Ubaidullah ibn Abi Rafifi, seinen
Schreiber zu jener Zeit, und sagte zu ihm, dass er sich setzen
sollte, dann rief er einen von ihnen und sagte ihm: „Sage
mir, an welchem Tag ihr eure Häuser verlassen habt, während
der Vater dieses Jungen bei euch war, ohne deine Stimme zu
erheben.“ „An dem und dem Tag“, sagte er, und er wies ´Ubaidullah
an, es niederzuschreiben, dann sagte er zu ihm: „In welchem
Monat war das?“ „In dem und dem Monat“, antwortete
er, und wieder ließ er es niederschreiben, dann sagte er:
„In welchem Jahr?“, und die Antwort war: „In dem und
dem Jahr“, und ´Ubaidullah schrieb es auf. „An welcher
Krankheit starb er?“, fragte er (Imam ´Ali, a.), als
Antwort kam: „An der und der Krankheit“, und er (der
Imam) fragte (weiter): „Und an welchem Ort starb er?“
„An dem und dem Ort“. „Wer wusch und wickelte ihn
ins Leichentuch?“ „Der und Der“. „Womit habt ihr
ihn eingewickelt?“ „Mit dem und dem“. „Wer betete das
(Toten-) Gebet für ihn?“ „Der und der“. „Wer legte ihn ins
Grab?“ „Der und der“, und ´Ubaidullah bin Abi Rafi´
schrieb all das auf, und als er zu der Aussage über das
Begräbnis kam, sagte der Fürst der Gläubigen (a.): „Allahu
akbar“, und er sagte es so, dass es die Leute in der
Moschee hören konnten, dann ließ er den Mann an seinen Platz
zurückbringen.
Er rief einen anderen von den Leuten und
ließ ihn nahe bei sich sitzen, dann fragte er ihn das, was er
den ersten gefragt hatte, und der gab Antworten, die (den
Antworten des) Ersten widersprachen die ganze Befragung
hindurch. ´Ubaidullah ibn Abi Rafi´ schrieb dies nieder. Als
er seine Befragung beendet hatte, sagte er „Allahu akbar“,
in einer Form, so dass alle in der Moschee es hören konnten.
Er befahl, dass die beiden Männer aus der Moschee und ins
Gefängnis gebracht werden sollten, doch aber sie warteten an
der Tür.
Dann rief er einen Dritten, und er fragte
ihn das, was er (schon vorher) die beiden (anderen) Männer
gefragt hatte, und er berichtete anderslautend als das, was
die beiden gesagt hatten, und dies wurde ihm (Imam ´Ali, a.)
gegenüber festgehalten (durch den Schreiber). Dann sagte er
„Allahu akbar“ und ließ ihn zu seinen anderen beiden
Gefährten hinausbringen.
Er rief einen Vierten von den Leuten, und
seine Worte waren wirr, und er stotterte, und so ermahnte und
warnte er ihn, und da gab er zu, dass er und seine Gefährten
den Mann getötet und sein Geld genommen hatten, und dass sie
ihn an einem bestimmten Ort nahe bei Kufa begraben hatten. Der
Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Allahu akbar“, und er
ließ ihn ins Gefängnis bringen.
Er rief einen der Leute, (die bereits
befragt worden waren,) und sagte zu ihm: „Du hast
behauptet, dass der Mann eines natürlichen Todes gestorben
sei, aber du hast ihn getötet. Sag mir die Wahrheit über deine
Lage, sonst werde ich dich bestrafen, denn die Wahrheit ist
mir schon in deiner Geschichte klargeworden“, und er gab
zu, den Mann getötet zu haben, was auch sein Gefährte
zugegeben hatte. Dann rief er die Übrigen (von ihnen), diese
bekannten den Mord, und sie waren verlegen. Ihre Aussagen über
den Mord an dem Mann und den Diebstahl seines Geldes stimmten
überein. Er ordnete an, dass einige seiner Männer mit einigen
von ihnen zu dem Ort gehen sollten, an dem sie das Geld
vergraben hatten, und sie gruben es aus und überreichten es
dem jungen Mann, dem Sohn des Ermordeten, und er fragte ihn:
„Was willst du jetzt, da du weißt, was sie mit deinem Vater
gemacht haben?“, und (der junge Mann) antwortete: „Ich
will, dass Allah, Der Erhabene, das Urteil zwischen uns fällen
soll, so dass ich ihnen ihr Blut (zu vergießen) in dieser Welt
ersparen werde.“ Daher wendete der Fürst der Gläubigen
(a.) die vorgeschriebenen Strafe für Mord von ihnen ab,
bestrafte sie aber streng. „Fürst der Gläubigen“,
fragte Schuraih, „wie (hast du) dieses Urteil (gefällt)?“,
und er erwiderte (mit folgender Geschichte):
„Dawud (a.) ging an einigen jungen
Männern vorbei, die beim Spiel waren und einem von ihnen
zurief: „Die Religion ist tot“, und Dawud sagte zu ihm: „Wie
ist dein Name, Junge?“, und er antwortete: „Mein Name ist:
´Die Religion ist tot´ “-. „Wer gab dir diesen Namen?“, fragte
Dawud (a.). „Meine Mutter“, erwiderte er. „Wo ist deine
Mutter?“, fragte Dawud (a.), und er sagte: „In ihrem Haus.“
„Geh mit uns zu deiner Mutter“, sagte Dawud (a.), und sie
gingen mit ihm zu ihr und riefen sie aus ihrem Hause.
„Dienerin Allahs“, sagte er (Dawud, a.), „wie heißt dein
Sohn?“ „Sein Name ist: ´Die Religion ist tot´“, erwiderte sie.
„Wer hat ihn so genannt?“, fragte Dawud (a.), und sie
antwortete: „Sein Vater“. „Was war der Grund dafür?“, fragte
er. „Er ging mit einigen Leuten auf die Reise, während ich mit
diesem Jungen schwanger war“, sagte sie, „Die Leute kamen
zurück, aber mein Mann kam nicht zurück, und so fragte ich sie
nach ihm, und sie sagten: ´Er ist gestorben´, und ich fragte
sie nach seinem Geld, und sie sagten, dass er kein Geld
zurückgelassen habe. Ich fragte sie, ob er irgendeine
testamentarische Verfügung getroffen habe, und sie sagten,
dass er gesagt habe, dass ich schwanger sei und wenn ich ein
Mädchen oder einen Jungen zur Welt bringen würde, ich ihn/sie
dann ´Die Religion ist tot´ nennen sollte. Daher benannte ich
ihn so, wie er in seinem Testament verfügt hatte, da ich ihm
nicht zuwiderhandeln wollte.“ Dawud (a.) frage sie: „Und
kennst du die Leute?“ „Ja“, erwiderte sie, und Dawud (a.)
sagte: „Komm mit mir mit diesen“, und er meinte die Leute, die
vor ihm standen. Dann hatte er sie aus ihren Häusern gebracht.
Als sie alle anwesend waren, sprach er das Urteil über sie
gemäß diesem (meinem) Urteil. Der Mord wurde ihnen bewiesen,
und er nahm das Geld von ihnen (das sie dem Mann der Frau
gestohlen hatten). Dann sagte er zu ihr: ´Dienerin Allahs, der
Name deines Sohnes ist: ´Die Religion lebt.´“
Folgendes wurde überliefert: Eine Frau
begehrte einen jungen Mann, sie versuchte, ihn zu verführen,
aber der junge Mann weigerte sich. Sie ging fort, holte ein Ei
und schmierte das Eiweiß auf ihr Kleid, dann begann sie,
Anklagen gegen den jungen Mann zu erheben und brachte ihn vor
den Fürsten der Gläubigen (a.) und sagte: „Dieser junge
Mann hat sich mir gegenüber schändlich verhalten und mich
vergewaltigt“, dann nahm sie ihr Kleid und zeigte das Eiweiß
darauf du sagte: „Da ist seine Samenflüssigkeit auf meinem
Kleid“, und der junge Mann fing an zu weinen und schwor
seine Unschuld von dem, was sie behauptete und widersprach,
und der Fürst der Gläubigen (a.) sagte zu Qanbar: „Lasse
jemanden Wasser erhitzten, bis es kocht, dann bringe es in
diesem Zustand zu mir“. Das Wasser wurde gebracht, und er
sagte: „Schütter es über das Kleid der Frau.“ Sie
schütteten es darüber, und das Wasser sammelte das Eiweiß auf
und sie kamen zusammen. Er ließ es aufnehmen und zwei seiner
Anhänger geben, dann sagte er: „Probiert es und spuckt es
aus“, und sie probierten es und fanden heraus, dass es
Eiweiß war. Er ordnete die Freilassung des jungen Mannes an
sowie die Auspeitschung der Frau als Strafe für ihre falsche
Anklage.
Al-Hassan ibn Mahbub überlieferte: ´Abd
ar-Rahman ibn al-Hadschadsch berichtete mir: Ich hörte Ibn Abi
Laila sagen: Der Fürst der Gläubigen (a.) fällte ein Urteil in
einem Fall, wie er sich noch nie vorher ereignet hatte: Zwei
Männer waren auf eine Reise gegangen, und sie setzten sich zum
Essen nieder. Einer von ihnen holte fünf Laib Brot hervor, der
andere drei. Ein Mann ging an ihnen vorbei, er grüßte sie, und
sie luden ihn zum Essen ein. Er setzte sich zu den beiden und
aß, und als er mit seiner Mahlzeit fertig war, legte er ihnen
acht Dirham hin und sagte: „Das ist der Gegenwert für das,
was ich gegessen habe“, und die beiden (anderen) begannen
darüber zu streiten. Der mit den drei Laib Brot sagte: „Das
sind zwei Hälften zwischen uns (für jeden eine Hälfte)“,
und der mit den fünf Laib Brot sagte: „Nein, mir stehen
fünf (Dirham) zu, und dir drei“. Sie gingen zu dem Fürsten
der Gläubigen (a.) und schilderten ihm die Geschichte, und er
sagte zu den beiden: „Das ist eine Sache, in der
Niedrigkeit und Rivalität nicht schön sind, und Versöhnung ist
besser“, und da sagte der mit den drei Laib Brot: „Ich
werde nur mit dem Urteil zufrieden sein“, und der Fürst
der Gläubigen (a.) antwortete: „Wenn du nur durch (mein)
Urteil zufrieden bist, dann stehen dir ein Achtel zu, und
deinem Kameraden sieben“. „Subhanallah!“, rief der,
„wie kommt es dazu?“ „Ich werde es dir sagen“, sagte er
(Imam ´Ali, a.), „hattest du nicht drei Laib Brot?“
„Doch“, erwiderte er (der Mann). „Und dein Gefährte
hatte fünf Laib Brot.“ „Ja“, antwortete er. „Das sind
vierundzwanzig Drittel, und du hast acht gegessen, und dein
Gefährte (hat) acht (gegessen) und der Gast acht. Daher gab er
euch acht Dirham. Sieben davon stehen deinem Gefährten zu (da
er dem Gast sieben Achtel des Essens zur Verfügung stellte),
und einer (steht) dir (zu), (da du ein Achtel des Essens des
Gastes zur Verfügung gestellt hast).“ Die beiden Männer
gingen fort (und dachten nach über) die Scharfsichtigkeit des
Urteils ihres Falles.
Die Gelehrten für Lebenslauf (sira) (der
Ahl-al-Bait, a.) überlieferten: Vier Personen tranken etwas
Berauschendes (muskir) während der Zeit (der Regierung) des
Fürsten der Gläubigen (a.). Sie wurden betrunken und stachen
mit Messern aufeinander ein, und ihr Fall drang zum Fürsten
der Gläubigen (a.). Er ließ sie verhaften, bis sie nüchtern
waren. Zwei von ihnen starben im Gefängnis, und zwei von ihnen
überlebten. Die Familien der beiden (toten) Männer kamen zum
Fürsten der Gläubigen (a.) und sagten: „Gib uns das Recht,
gegen diese beiden Vergeltung zu üben, denn diese haben unsere
beiden Kameraden getötet“, und er (der Imam, a.) fragte:
„Und welches Wissen habt ihr darüber? Vielleicht haben
jeder der beiden einander getötet.“ „Das wissen wir nicht“,
sagten sie, „so richte über sie gemäß dem, was Allah dich
gelehrt hat.“ „Die Entschädigungszahlung der beiden Getöteten
obliegt den Stämmen der vier Männer nach der Aufrechnung der
Entschädigungszahlung der beiden Lebenden für ihre
Verletzungen.“
Das war ein Urteil (für einen Fall,) bei dem es keinen anderen
Weg zur Wahrheit gab als diesen. Ist es nicht erkennbar, dass
es keinen Beweis gab, den Mörder vom Ermordeten zu
unterscheiden und keinen Beweis für eine Tötungsabsicht? Daher
lautete die Entscheidung darin gemäß eines irrtümlichen
Totschlags und auf der Basis der Unklarheit des Mörders und
des Ermordeten.
Es wurde überliefert, dass sechs Personen
zum Euphrat hinabgingen, und sie versanken im Spiel. Einer von
ihnen ertrank, und zwei von ihnen zeugten gegen drei von
ihnen, dass sie ihn ertränkt hätten, während die drei gegen
die beiden zeugten, dass sie ihn ertränkt hätten. Er (Imam
´Ali, a.) entschied, dass die Entschädigungszahlung in
Fünfteln auf die Fünf aufgeteilt werden sollte: Die beiden
mussten drei Fünftel gemäß dem Zeugnis gegen sie zahlen, und
die Drei mussten zwei Fünftel zahlen gemäß den Zeugnis gegen
sie. Kein Urteil hätte gerechter und richtiger sein können als
das Urteil, das er sprach.
Es wurde überliefert, dass ein Mann im
Sterben lag und einen Teil seines Vermögens vermachte, ohne
ihn näher zu bezeichnen, und die Erben gerieten hernach in
Streit darüber. Sie gingen zum Fürsten der Gläubigen (a.), und
dieser fällte das Urteil, dass ein Siebtel von seinem Vermögen
abgezogen werden sollte und verlas folgenden Qur´an-Vers:
Sieben Tore hat sie, und jedem Tor ist ihrer ein Teil
zugewiesen.
Er urteilte (in einem Fall, in dem) ein
Mann, der bei seinem Tod eine testamentarische Verfügung über
einen Anteil seines Vermögens machte, ohne ihn (näher) zu
bestimmen. Als er starb, wurden seine Erben über seine
Bedeutung uneins, und sein Urteil bestand darin, dass er ein
Achtel seines (des Verstorbenen) Vermögens abzog, und er
zitierte die Worte Des Erhabenen: Die Almosen sind nur für
die Armen und Bedürftigen und für die mit ihrer Verwaltung
Beauftragten...
Es gab acht Kategorien (für Almosen), und
(er gab) für jede Kategorie von ihnen ein Anteil der Almosen.
Er (a.) sprach ein Urteil darüber, dass
ein Mann ein Vermächtnis machte und sagte: „Befreit
jeden meiner Sklaven, die lange in meinem Besitz waren. Als er
starb, wusste der Testamentsvollstrecker nicht, was er tun
sollte. Er fragte danach, und er (Imam ´Ali, a.) sagte, dass
jeder seiner Sklaven befreit werden sollte, der sich sechs
Monate in seinem Besitz befunden hatten. Dann rezitierte er
Seine Worte, Erhaben ist Sein Name: Und für den Mond haben
Wir Lichtgestalten bestimmt, bis er wie ein alter Palmzweig
wiederkehrt.
Es wurde festgestellt, dass der Zweig einer Palme nur dann
der Neumondsichel ähnelt, wenn sechs Monate vergangen sind,
nachdem die Frucht davon weggenommen wurde.
Er gab sein Urteil über einen Mann, der
gelobt hatte, eine Zeit zu fasten, ohne eine definierte Zeit
zu erwähnen. (Er sagte ihm, dass) er sechs Monate fasten
sollte, und er verlas die Worte Allahs Des Erhabenen: Er
bringt seine Frucht hervor zu jeder Zeit nach seines Herrn
Gebot...
. Das waren alle sechs
Monate (und so interpretierte er es gleich sechs Monaten).
Ein Mann kam zu ihm und sagte: „Fürst
der Gläubigen, ich hatte einige Datteln. Meine Frau rannte
herbei und nahm eine davon und steckte sie in ihren Mund. Ich
schwor, dass sie sie weder essen noch ausspucken sollte.“
Er (a.) sagte: „Sie soll die Hälfte davon essen und die
andere Hälfte ausspucken, dann bist du frei von deinem
Schwur.“
Er
urteilte über einen Mann, der eine (schwangere) Frau
geschlagen hatte, und sie verlor den Embryo. (Er befahl ihm)
die Entschädigungszahlung (diyya) von 40 Dinar zu bezahlen,
und er rezitierte die Worte Des Erhabenen:
Wahrlich, Wir erschufen den Menschen
aus reinstem Ton. Dann setzten Wir ihn als Samentropfen an
eine sichere Ruhestätte, dann bildeten Wir den Tropfen zu
geronnenem Blut; dann bildeten Wir das geronnene Blut zu einem
Fleischklumpen; dann bildeten Wir aus dem Fleischklumpen
Knochen; dann bekleideten Wir die Knochen mit Fleisch; dann
entwickelten Wir es zu einer anderen Schöpfung. So sei denn
Allah gepriesen, der beste Schöpfer.
Dann
sagte er, dass (die Entschädigungszahlung für) den
Samentropfen zwanzig Dinar betrage, für den Embryo (geronnenes
Blut) vierzig Dinar, für den Fleischklumpen (mudgha) sechzig
Dinar, für den Knochen, bevor er zu einem Geschöpf geformt
wurde, achtzig Dinar, für die Gestalt, bevor der Geist (ruh)
darin eingekehrt ist, hundert Dinar, und wenn der Geist
(bereits) darin (eingekehrt) ist, tausend Dinar.
Dies ist eine Auswahl von seinen (Imam
´Alis, a.) Urteilen und ungewöhnlichen Entscheidungen, die vor
ihm noch niemand (in solchen schwierigen Fällen) getroffen
hatte, noch hatten weder die Ahl-as-Sunna (´amma) noch die
Schi´iten (chassa) irgendein Wissen darüber außer ihm. Seine
(noble) Abstammung (´itrah) entsprach (seiner Fähigkeit), so
zu handeln. Wenn irgendjemand anderes mit (der Aufgabe solch)
eines (Richt-)Spruchs geprüft worden wäre, dann hätte er seine
Unfähigkeit gezeigt, die Wahrheit darin (zu erkennen), wie es
(Imam ´Ali, a.) klargemacht hatte.
Was wir von seinen Urteilen kurz
zusammengefasst vorangestellt haben, reicht für unsere Zwecke
aus, so Allah will.