Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib
Der Feldzug gegen ´Amr bin Ma´dikarib
Als der Gesandte Allahs (s.) von Tabuk
nach Medina zurückkehrte, kam ´Amr bin Ma´dikarib zu ihm. Der
Prophet (s.) sagte zu ihm: „Ergib dich dem Islam, ´Amr,
dann wird Allah dich vor dem größten Schrecken bewahren.“
„Muhammad“, antwortete er, „und was ist der größte
Schrecken? Denn ich habe keine Angst.“ „´Amr,“
sagte er, „es ist nicht so, wie du vermutest und denkst.
Unter den Menschen wird es einen großen Schrei geben, keinen
Toten geben, der nicht versammelt wird, und keinen Lebenden,
der nicht sterben wird, außer, dass Allah es will. Dann wird
es einen anderen Schrei unter ihnen geben, und alle, die tot
sind, werden sich in Reihen versammeln. Die Himmel werden sich
spalten, und die Erde wird erschüttert werden, die Berge
werden niederstürzen, das Feuer wird seufzen und Funken
sprühen wie die Berge. Niemand, der eine Seele hat, wird
verbleiben, dessen Herz nicht bloßgelegt wird, während er
seiner Sünden gedenkt und mit sich selbst beschäftigt sein
wird, außer dem, den Allah will. Und wo wirst du dann
währenddessen sein, ´Amr?!“ „In der Tat höre ich (von dir)
eine schlimme Sache“, antwortete er. Dann glaubte er an
Allah und an Seinen Gesandten. (Einige) Leute von seinem Stamm
glaubten ebenfalls mit ihm (an den Islam), und kehrten zu
ihrem Stamm zurück.
Dann schaute ´Amr ibn Ma´dikarib zu Ubayy
ibn ´Ath´ath al-Chath´ami und packte ihn am Nacken, dann
brachte er ihn zum Propheten (s.) und sagte: „Gib mir
diesen Sünder zurück, der meinen Vater getötet hat!“ „Der
Islam lässt das unbeachtet, was in der Zeit der Unwissenheit
stattfand“,
antwortete der Prophet (s.). ´Amr ging fort als jemand, der
den Islam (daraufhin wieder) verlassen hatte (murtadd). Er
überfiel die Leute der Banu al-Harith ibn Ka´b und ging zu
seinem Stamm. Der Gesandte Allahs (s.) rief ´Ali ibn Abi Talib
(a.) und gab ihm den Befehl über die Muhadschirun und schickte
ihn zu den Bani Zubaid, und er sandte Chalid ibn al-Walid mit
einer Gruppe von Beduinen nach (den Stamm) Dschu´fa, da traf
er auf den Fürsten der Gläubigen ´Ali ibn Abi Talib (a.). Der
Fürst der Gläubigen (a.) zog aus, schickte Chalid ibn Sa´id
ibn al-Aas als seine Vorhut voraus, und Chalid ibn al-Walid
schickte Abu Musa al-Asch´ari als Vorhut.
Als die Dschu´fa von den Soldaten
erfuhren, teilten sie sich in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe
ging nach Jemen, und die anderen schlossen sich den Bani
Zubaid an. Dies erfuhr der Fürst der Gläubigen (a.), und er
schrieb an Chalid ibn al-Walid: „Verweile dort, wo mein
Botschafter dich erreicht.“ Doch er (Chalid) verweilte
nicht, und so schrieb er (´Ali, a.) zu Chalid ibn Sa´id ibn
al-Aas: „Gehe dazwischen, so dass du ihn aufhältst“,
und Chalid (ibn Sa´id ibn) holte ihn (Chalid ibn al-Walid )
ein und hielt ihn auf. Der Fürst der Gläubigen (a.) holte ihn
(Chalid ibn al-Walid) ein und tadelte ihn streng wegen seines
Zuwiderhandelns (gegen ´Alis (a.) Befehl). Dann zog er weiter,
bis er in einem Tal namens Kuschr
auf die Bani Zubaid traf. Als die Bani Zubaid ihn sahen,
sagten sie zu ´Amr (ibn Ma´dikarib): „Wie geht es dir, Abu
Thawr?
Wenn dieser junge Mann von den Quraisch auf dich trifft, wird
er Tribut von dir verlangen!“ “Er wird wissen, dass er auf
mich getroffen ist“, sagte er. ´Amr trat vor und sagte:
„Ist jemand da, der gegen mich kämpft?“, und der Fürst der
Gläubigen (a.) erhob sich, doch (auch) Chalid ibn Sa´id stand
auf und sagte: „Lass mich, Abu al-Hassan,
bei meinem Vater und meiner Mutter, ich trete gegen ihn an.“
„Wenn du einverstanden bist“, sagte der Fürst der
Gläubigen (a.), „dann bleib an deinem Platz.“ Er blieb
(an seinem Platz), während der Fürst der Gläubigen (a.)
vortrat. Er stieß einen Schrei gegen ihn aus, und ´Amr wurde
in die Flucht geschlagen, sein Bruder und sein Cousin wurden
getötet. Seine Frau Rukana bint Salama wurde gefangen
genommen, und die anderen weiblichen Stammesmitglieder wurden
(ebenfalls) gefangen genommen.
Der Fürst der Gläubigen (a.) ging fort
und ließ Chalid ibn Sa´id bei den Abu Zubaid zurück und
beauftragte ihn, ihre Almosen einzusammeln und denen
Sicherheit zu gewähren, die von ihrer Flucht als Muslime
zurückkehrten. ´Amr ibn Ma´dikarib kam zurück und fragte
Chalid ibn Sa´id um Erlaubnis (ihn besuchen zu dürfen), und
letzterer gab ihm diese (Erlaubnis), und so kehrte er (´Amr
ibn Ma´dikarib) zum Islam zurück. Er sprach mit ihm über seine
Frau und seine Kinder, und er gab sie ihm (zurück).
Als ´Amr an der Tür Chalid ibn Sa´ids
stand, fand er dort ein geschlachtetes Tier, dem die Kehle
durchgeschnitten worden war, und er sammelte seine Knochen und
zerschnitt sie mit seinem Schwert allesamt, und sein Schwert
trug den Namen „Samsama“. Als Chalid ibn Sa´id an ´Amr dessen
Frau (von der Gefangenschaft zurück) gab, schenkte ´Amr ihm
(das Schwert) Samsama.
Der Fürst der Gläubigen (a.) hatte eine
Sklavin von den Gefangenen ausgewählt,
und Chalid ibn al-Walid schickte Buraida al-Aslami zum
Propheten (s.) und sagte: „Komm der Armee zuvor und gehe zu
ihm (dem Propheten, s.) und informiere ihn darüber, was ´Ali
getan hat, indem er eine Sklavin für sich selber von der Chums
(Fünftel der Kriegsbeute) aussuchte, und entehre ihn bei ihm.“
Und Buraida ging und kam zu der Tür des Gesandten Allahs (s.).
Und er fand ´Umar ibn al-Chattab bei ihm. Letzterer fragte ihn
nach dem Stand ihrer Schlacht und nach dem Grund, warum er
gekommen war. Er sagte ihm, dass er nur deshalb gekommen war,
um ´Ali (a.) zu entehren, und er erwähnte, dass ´Ali (a.) für
sich eine Sklavin unter dem Fünftel der Kriegsbeute ausgewählt
habe. „Führe aus, wozu du gekommen bist“, entgegnete
´Umar, „denn er (der Prophet, s.) wird wegen seiner Tochter
(Fatima, a.) darüber ärgerlich sein, was Ali gemacht hat.“
So ging Buraida zum Propheten (s.) und er hatte einen Brief
von Chalid bei sich, mit dem Buraida geschickt worden war. Er
(der Prophet, s.) begann, ihn (den Brief) zu lesen, und der
Gesicht(sausdruck) des Gesandten Allahs (s.) änderte sich.
„Gesandter Allahs“, sagte Buraida, „wenn du den Leuten
Ausnahmegenehmigungen wie diese gestattest, dann geht ihr
Anteil an der Kriegsbeute dahin!“ „Wehe dir, Buraida“,
sagte der Gesandte Allahs (s.), „du hast eine heuchlerische
Tat begangen! ´Ali ist das erlaubt von der Kriegsbeute, was
auch mir erlaubt ist. ´Ali ibn Abi Talib (a.) ist der Beste
für dich und dein Volk, und der Beste von denen, die ich nach
mir zurücklasse, für meine gesamte Ummah. Buraida, hüte dich
davor, ´Ali zu hassen, denn dann wird Allah dich hassen.“
Buraida berichtete: Ich wollte, dass sich die Erde für mich
spaltete, so dass ich darin verschluckt werden konnte. So
sagte ich: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Zorne
Allahs und vor dem Zorn Seines Gesandten. Gesandter Allahs,
vergib mir, ich werde niemals ´Ali hassen, und ich werde nur
Gutes über ihn sprechen.“ So vergab ihm der Prophet (s.).
Bei diesem Feldzug (bewies) der Fürst der
Gläubigen (a.) hervorragende Eigenschaften, die jenseits des
Vergleichs mit den Qualitäten jedes anderen außer ihm waren,
und der Sieg darin war besonders durch seine Hand errungen
worden. Er bewies auch seine großen Verdienste und seine
Teilhaberschaft beim Propheten (s.) darin, dass ihm der
gleiche Anteil an der Kriegsbeute gebührte, den Allah, Der
Erhabene, auch dem Propheten (s.) erlaubt hatte. Dadurch
zeigte sich seine besondere Stellung, die keiner von den
Leuten außer ihm innehatte, und durch die Liebe des Gesandten
Allahs (s.) und die Vorzugstellung bei ihm zeigte sich, was
denen verborgen war, die kein Wissen darüber hatten. Darin ist
auch seine (des Propheten, s.) Warnung an Buraida und an
andere davor, ihn (Imam ´Ali, a.) zu hassen und ihm feindlich
gesonnen zu sein. Er forderte ihn dazu auf, ihn (´Ali, a.) zu
lieben und seine Führerschaft (wilaya) anzuerkennen, wie auch
dazu, den Komplott seiner Feinde abzuwehren ihn zu
verunglimpfen. Das zeigte, dass er der Beste der Geschöpfe bei
Allah, Dem Erhabenen, sowie bei ihm (dem Propheten, s.) war,
(wie auch,) dass er seine Position nach ihm zu Recht genoss.
Er selbst hatte die hervorragendste und einflussreichste
Stellung bei ihm (dem Propheten, s.) inne.