Leben des Fürsten der Gläubigen ‘Ali ibn Abi Talib
Urteile des Fürsten der Gläubigen während des
Regierungszeit Abu Bakrs
Dies ist eine kurze Zusammenfassung
seiner (Imam Alis, a.) Rechtsurteile während der
Regierungszeit von Abu Bakr ibn Quhafa, und darunter sind
Berichte, die sowohl von den sunnitischen (´amma) als auch von
den Schiiten (chassa) überliefert wurden: Ein Mann, der Wein
getrunken hatte, wurde vor Abu Bakr gebracht. Dieser wollte
die dafür vorgeschriebenen Strafe (hadd) anwenden. Er (der
Angeklagte) sagte: „Ich trank das, ohne dass ich wusste,
dass es verboten war, denn ich bin unter Leuten aufgewachsen,
die es als erlaubt betrachteten. Ich wusste bis jetzt nicht,
dass es verboten war.“ Da wusste Abu Bakr nicht, wie er
über diese Sache urteilen sollte, und er kannte die Art und
Weise nicht, darüber zu urteilen. Einige der Anwesenden rieten
ihm, den Fürsten der Gläubigen (a.) um Rat zu fragen, was das
Urteil dazu wäre. Er schickte jemanden zu ihm, um ihn danach
zu fragen. Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Zwei
Vertrauenswürdige von den Muslimen sollen die Versammlungen
der Ansar und der Muhadschirun nacheinander besuchen, um sie
zu fragen, ob irgendjemand von ihnen (dem Mann) den Vers des
Verbots (des Weintrinkens), oder ob er dieses (Verbot) ihm von
dem Gesandten Allahs (s.) berichtet hat. Und wenn zwei Männer
von ihnen das bezeugen, dann soll er die vorgeschriebene
Strafe (Hadd) anwenden, und wenn niemand das bezeugen kann,
dann soll er ihn zur Reue mahnen und ihn seines Weges ziehen
lassen.“ Abu Bakr verfuhr so, und niemand von den
Muhadschirun und den Ansar konnte bezeugen, dass er ihm den
Vers des (Wein-)Verbots verlesen oder ihm von dem Gesandten
Allahs (darüber) berichtet hatte. So mahnte ihn Abu Bakr zur
Reue und ließ ihn gehen. Er unterwarf sich ´Ali (a.) in dem
Urteil.
Es wurde berichtet, dass Abu Bakr nach
der Aussage Allahs gefragt wurde: „Fakihatan wa abban“,
und er kannte nicht die Bedeutung des Wortes „Al-Abb“ im
Qur´an, und er sagte: „Jeder Himmel, der mich überdacht und
jedes Land, das mich trägt .... was soll ich machen, wenn ich
etwas über das Buch Allahs sage, was ich nicht weiß. Was „Al-Fakiha“
(Frucht) betrifft, so kennen wir seine Bedeutung, aber was „Al-Abb“
bedeutet, so weiß es Allah besser.“ Der Fürst der
Gläubigen (s.) wurde über seine Aussage darüber informiert,
und er sagte: „Subhanallah (Allah sei Gelobt), wusste er
nicht, dass „Al-Abb“ frisches Gras (kala´) und Weide (mar´a)
(bedeutet), und dass Seine Worte „wa fakihatan wa abban“ eine
Aufzählung von Allahs Gnaden sind, die Er Seinen Geschöpfen
zur Speise gegeben und für sie und ihr Vieh geschaffen hat,
(das sind einige) der Dinge, mit denen ihre Seelen am Leben
gehalten und ihre Körper aufrecht erhalten werden.“
Abu Bakr wurde nach (der Bedeutung des
Wortes) „Al-Kalala“ gefragt, und er antwortete: „Ich werde
meine Meinung darüber abgeben. Wenn ich Recht habe, dann ist
es für Allah, und wenn ich falsch liege, dann ist es von mir
und von Schaitan.“ Dies kam dem Fürsten der Gläubigen (a.)
zu Ohren, und er sagte: „Was nützt ihm die Meinung an
dieser Stelle! Wusste er denn nicht, dass „Al-Kalala“ Brüder
und Schwestern vom (selben) Vater und Mutter sind, sowie vom
Vater allein, und auch von der Mutter gleichermaßen. Allah,
Der Allmächtige, sagte: „Sie fragen sich um Belehrung. Sprich:
„Allah belehrt euch über Kalala: Wenn ein Mann stirbt und kein
Kind hinterlässt, aber eine Schwester hat, dann soll sie die
Hälfte von seiner Erbschaft haben,; und er soll sie beerben,
wenn sie kein Kind hat.“
Und Er sagte, Erhaben und Groß ist Er: „...und
wenn es sich um eine Person handelt - männlich oder weiblich -
deren Erbschaft geteilt werden soll, und sie hat weder Eltern
noch Kinder, hat aber einen Bruder oder eine Schwester, dann
haben diese je ein Sechstel. Sind aber mehr (Geschwister)
vorhanden, dann sollen sie sich ein Drittel teilen zu
(gleichen) Teilen...“
Es wurde überliefert, dass ein jüdischer
Rabbiner zu Abu Bakr kam und sagte: „Bist du der Kalif
dieser Ummah?“, und er antwortete: „Ja“, und er
(der Rabbiner) sagte: „Wir finden in der Thora, dass die
Nachfolger der Propheten die Wissendsten ihrer Gemeinschaften
sind, so berichte mir über Allah, Den Erhabenen, wo Er ist, im
Himmel oder auf der Erde?“ „Er ist im Himmel auf dem
Thron“, antwortete Abu Bakr, und der Jude sagte:
„Daraus verstehe ich, dass die Erde ohne Ihn ist, und ich
schließe aus (deiner) Aussage, dass Er an einem (einzigen)
Platz ist, ohne an einen anderen (sein zu können).“ „Das sind
die Worte der Atheisten (zanadiqa)“ sagte Abu Bakr,
„geh fort von mir, oder ich werde dich töten.“ Der
Rabbiner wandte sich ab in Verwunderung und Spott über den
Islam. Der Fürst der Gläubigen (a.) traf auf ihn. „Du Jude,
ich weiß, was du ihn gefragt hast und dir nicht beantwortet
wurde“, sagte er, „und wir sagen: Allah, Der Erhabene,
ist (Selbst) das Wo, es gibt kein „Wo“ für ihn. Er ist darüber
erhaben, dass irgendein Ort Ihn enthält. Er ist an jedem Ort,
ohne Kontakt mit irgendetwas oder mit etwas benachbart zu
sein. Er umfasst Wissen über das, was dort existiert, und
nichts davon befindet sich außerhalb Seiner Anordnung. Ich
sage dir das, was in einem eurer Bücher steht, welches das
bestätigt, was ich dir gesagt habe. Wenn du es verstanden
hast, glaubst du daran?“ „Ja“, erwiderte der Jude.
„Habt ihr nicht in euren Büchern gefunden“, sagte er
(Imam Ali, a.), „das Musa ibn Imran (a.) eines Tages dasaß,
als ein Engel zu ihm von Osten kam, und Musa (a.) ihn fragte:
‚Woher bist du gekommen‘, und der Engel antwortete: ‚Von
Allah, Dem Erhabenen‘. Dann kam ein anderer Engel von Westen
zu ihm, und er (Musa, a.) fragte (auch) ihn: ‚ Woher bist du
gekommen?‘, und er sagte: ‚ Von Allah‘, und ein weiterer Engel
kam zu ihm, und er sagte: ‚ Ich bin vom Siebten Himmel von
Allah zu dir gekommen‘, und ein anderer Engel kam zu ihm und
sagte: ‘Ich bin zu dir von der Siebten tiefsten Erde gekommen
von Allah, Erhaben ist Sein Name‘, da sagte Musa (a.): ‚Preis
sei Allah, kein Ort ist frei von ihm, und Er ist nicht näher
zu einem Ort als zu einem anderen.‘“ Der Jude antwortete:
„Ich bezeuge, dass es die Wahrheit ist, dass es keinen Gott
außer Ihm gibt, und dass du berechtigter bist, den Platz
deines Propheten einzunehmen als der, der ihn innehat.“ Es
gibt viele Berichte ähnlich diesem.