Wahr und Falsch

Das Wahre und das Falsche

Ayatollah Morteza Motahhari

 

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Inhaltsverzeichnis

Wahres und Falsches im Heiligen Quran

An diesem Punkt ist es nun nötig, daß wir unsere Aufmerksamkeit auf einige Verse des Heiligen Quran richten, die vom Wahren und vom Falschen handeln. Zu Beginn dieser Abhandlung haben wir über die Wendung "Im Namen des barmherzigen, gnädigen Gottes" gesprochen. Die Gnade Gottes ist also wahr. Es ist allmächtig. Auch Zorn, und Rache zählen zu den Attributen Gottes. Dabei handelt es sich bei diesen Attributen um Sekundärerscheinungen, die Seiner Güte entspringen. Es gibt dieser edlen Auffassung zufolge nur einen gnädigen und barmherzigen Gott. Alles, was existiert, sind nur Güte, Vervollkommnung und Sein. Dabei sind Böswilligkeit, Zerstörung und Auflösung sowie Nichtsein nur relative Erscheinungen, Reflexe und Folgen der Welt der Finsternis. In der Daseinsordnung siegt die Güte, die Wahrheit ist etwas Authentisches, die Falschheit ist, sobald sie auftritt, nur etwas Nicht-Authentisches, verdammt zum Nichtsein. Die Falschheit ist vergänglich. Das, was bestehen bleibt, ist die Wahrheit.

"Alles ist vergänglich außer der göttlichen Erhabenheit, die immer majestätisch und großmütig bestehen bleibt."[1]

Diese Auffassung postuliert in unserer Menschheitsgeschichte den Sieg des Wahren und den Triumph der Pflege des Wahren über die des Falschen. "Gott schickte seine Gesandten, daß sie die Menschen zum Pfad der Wahrheit führten, auf daß das Wahre siege, auch wenn das den Ungläubigen mißfällt." (Im Heiligen Qur’an in der 2. Sure: Die Kuh). Schon zu Beginn dieses Kapitels aus dem Heiligen Quran werden uns drei Gruppen vorgestellt:

1.   Gläubige

2.   Ungläubige

3.   Heuchler

Die Gläubigen glauben an Gott, beten aufrichtig und legen den Armen einen Anteil der Güter, die ihnen gegeben worden sind, in den Schoß. Sie glauben an ihre Doktrin, jene, die von Gott stammt, und sind fest dem Glauben an das Jenseits verhaftet. Der Herr wird sie führen, und ihnen wird die Glückseligkeit zuteil.

Der Heilige Quran beschreibt die Ungläubigen wie Schüler, die immer in blinder Unwissenheit verharren. Der Lehrer hat alles unternommen, aber kein Ratschlag und keine Strafe hat die Schüler leiten und instruieren können. Kommen dann schließlich die Väter und wenden sich um Hilfen an den Lehrer, so sagt letzterer zu ihnen: "Lassen Sie ihn, es nützt nichts mehr, das ist ein verlorenes Wesen." Der Unglaube folgt genau jener Darstellung durch den Heilige Qur’an. Jeder Rat ist nutzlos für diejenigen, die das Buch erhalten haben und sich weigern, ihm Glauben zu schenken. "Gott hat ihren Herzen und Ohren sein Siegel aufgedrückt, und ihre Augen sind mit einem Schleier verhängt; ihnen ist die Auslieferung an die unerbittlichen Bestrafungen bestimmt."

Was aber die letztgenannte Gruppe angeht, so gibt es im Heiligen Quran zahllose Verse, die den Heuchlern gewidmet sind. Die Heuchler bedienen sich der Religion als Mittel gegen die Religion. Sie sagen: "Wir glauben an Gott und an das Jüngste Gericht"; aber sie besitzen nicht die Spur von einem Glauben. Sie wollen damit Gott und den Gläubigen imponieren; aber sie betrügen in Wirklichkeit allein sich selbst, und das begreifen sie nicht. Sie haben ein korruptes Herz. Gott hat ihren Schmerz noch vergrößert; eine zerfleischende Qual wird der Preis für ihre Lügen sein. Der Heilige Qur’an bezieht sich auf List und Betrug, wenn er sagt: Gegen die Verteidiger der Wahrheit Betrug und List walten lassen, bedeutet folgendes:

-     Der Mystiker spannte seine Falle und begann mir seiner Runde des Becherspiels.

-     Er begann gegen das Himmelsgewölbe hin zu zaubern.

-     Die Spiele mit dem Schicksal haben ihn völlig verkommen lassen.

-     Denn er hatte damit begonnen, eine Runde die "Grossen Einweihungen ins Mysterium" zu spielen.

-     Sie halten sich für Taschenspieler.

"Wenn sie Gläubige treffen, sagen sie: Wir haben dieselbe Religion wie ihr. Mit ihren lügenhaften Ketzereien halten sie sich dabei an einen anderen Sprachgebrauch; sie erklären sich als zu ihrer Partei gehörig und spielen dabei nur die Gläubigen." Genauso sagt der Heilige Qur’an: "Gott wird sich über sie lustig machen, er wird sie in tiefere Irrtümer stürzen, und in dieser Irreführung werden sie bleiben." Dann fügt der Heilige Qur’an hinzu: "Sie gleichen jenen, die ein Feuer entfachen, um ihre Umgebung zu erhellen. Gott löscht ihr Feuer aus, macht sie damit Blinden gleich und hält sie in der Finsternis, damit sie nichts sehen."

Die Heuchler haben Irrtum gegen die Wahrheit eingehandelt. Sie bedienen sich ihrer Intelligenz nur, um ihre Sinnlichkeit und ihre Boshaftigkeit zu befriedigen. Die Vernunft ist wie eine Leuchte und ein Führer für den Menschen; genauso wie der Instinkt. Aber diejenigen, die ihre Vernunft und Intelligenz in einem der Religion entgegengesetzten Sinn benutzen, gleichen denen, die das Feuer entfacht haben. Wenn Gott die Flamme zu Erlöschen bringt, welche die Gegenstände rundum erhellt, bleiben sie im Finstern, und sie können nichts sehen. Nicht nur, daß Gott für sie in der Dunkelheit untertaucht, sie werden zu Stummen, Tauben und Blinden. "Stumm, taub und blind werden sie nie mehr zurückfinden." Denn wenn sie Augen hätten, die klar blicken könnten, könnten sie in der Ferne ein Licht entdecken und sich dorthin wenden. Wenn sie Ohren hätten, die hörten, könnten sie in der Dunkelheit die Halsglöckchen eines Dromedars hören oder das Hupen eines Autos, und so wäre es ihnen möglich, den Weg der Wirklichkeit wiederzufinden. Und schließlich, könnten sie sich ausdrücken, so könnten sie jemanden zu Hilfe rufen, daß er sie führe. Aber sie können nichts tun. Der Heilige Qur’an sagt: "Sie gleichen denen, die sich, wenn ein Sturm vom Himmel losbricht mit Finsternis, Blitz und Donner, in Furcht vor dem Bild des Todes mit den Fingern die Ohren verstopfen, um den Lärm des Donnerschlags nicht zu hören; aber der Allmächtige kreist die Ungläubigen ein." So werden sie also nie den Weg der Wirklichkeit finden.

Der Heilige Qur’an gesteht Lug und Trug nicht einen einzigen Sieg zu. Er sagt nicht, daß es List und Betrug seien, die die Welt regierten. Er schenkt der Argumentation, der Lauf der Geschichte sei immer durch Gewalt bestimmt, durch List vorwärtsgetrieben und durch Bestimmungslosigkeit geführt worden, keinen Glauben. Generell ist es mit der qur’anischen Vernunft nicht vereinbar, daß Unterdrückung, Korruption und Niedertracht in der Gesellschaft den Sieg davontrügen und jene dabei nicht untergingen. Wenn der Prophet (s.a.s.) sagt: „Ein Land kann trotz des Unglaubens, der in ihm verbreitet ist, bestehen, aber die Ungerechtigkeit wird es in den Untergang treiben,“ so will das sagen: In der Geschichte treffen wir manchmal auf Unterdrückerregierungen, z. B. Nader, den persischen König von 1688 bis 1747, der die Unterdrückung in Person war, aber dieser präsentierte ja nicht die gesamte Gesellschaft. Eine Gesellschaftsstatistik, in jener Epoche aufgestellt, wo Nader ein Minarett aus Menschenköpfen erbaute, würde uns die Feststellung erlauben, daß im Herzen des Volkes Aufrichtigkeit, Ehrenhaftigkeit und Tugend die List, Verräterei und moralische Verkommenheit übertrafen. Man muß die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit erfassen, vor allem in ihrer Originalstruktur.

[1] Heiliger Qur’an, Sure 55:26-27

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