Wahres und Falsches im Heiligen Quran
An diesem Punkt ist es nun nötig, daß wir
unsere Aufmerksamkeit auf einige Verse des Heiligen Quran
richten, die vom Wahren und vom Falschen handeln. Zu Beginn
dieser Abhandlung haben wir über die Wendung "Im Namen des
barmherzigen, gnädigen Gottes" gesprochen. Die Gnade
Gottes ist also wahr. Es ist allmächtig. Auch Zorn, und Rache
zählen zu den Attributen Gottes. Dabei handelt es sich bei
diesen Attributen um Sekundärerscheinungen, die Seiner Güte
entspringen. Es gibt dieser edlen Auffassung zufolge nur einen
gnädigen und barmherzigen Gott. Alles, was existiert, sind nur
Güte, Vervollkommnung und Sein. Dabei sind Böswilligkeit,
Zerstörung und Auflösung sowie Nichtsein nur relative
Erscheinungen, Reflexe und Folgen der Welt der Finsternis. In
der Daseinsordnung siegt die Güte, die Wahrheit ist etwas
Authentisches, die Falschheit ist, sobald sie auftritt, nur
etwas Nicht-Authentisches, verdammt zum Nichtsein. Die
Falschheit ist vergänglich. Das, was bestehen bleibt, ist die
Wahrheit.
"Alles ist vergänglich außer der
göttlichen Erhabenheit, die immer majestätisch und großmütig
bestehen bleibt."[1]
Diese Auffassung postuliert in unserer
Menschheitsgeschichte den Sieg des Wahren und den Triumph der
Pflege des Wahren über die des Falschen. "Gott schickte
seine Gesandten, daß sie die Menschen zum Pfad der Wahrheit
führten, auf daß das Wahre siege, auch wenn das den
Ungläubigen mißfällt." (Im Heiligen Qur’an in der 2. Sure:
Die Kuh). Schon zu Beginn dieses Kapitels aus dem Heiligen
Quran werden uns drei Gruppen vorgestellt:
1.
Gläubige
2.
Ungläubige
3.
Heuchler
Die Gläubigen glauben an Gott, beten
aufrichtig und legen den Armen einen Anteil der Güter, die
ihnen gegeben worden sind, in den Schoß. Sie glauben an ihre
Doktrin, jene, die von Gott stammt, und sind fest dem Glauben
an das Jenseits verhaftet. Der Herr wird sie führen, und ihnen
wird die Glückseligkeit zuteil.
Der Heilige Quran beschreibt die
Ungläubigen wie Schüler, die immer in blinder Unwissenheit
verharren. Der Lehrer hat alles unternommen, aber kein
Ratschlag und keine Strafe hat die Schüler leiten und
instruieren können. Kommen dann schließlich die Väter und
wenden sich um Hilfen an den Lehrer, so sagt letzterer zu
ihnen: "Lassen Sie ihn, es nützt nichts mehr, das ist ein
verlorenes Wesen." Der Unglaube folgt genau jener Darstellung
durch den Heilige Qur’an. Jeder Rat ist nutzlos für
diejenigen, die das Buch erhalten haben und sich weigern, ihm
Glauben zu schenken. "Gott hat ihren Herzen und Ohren sein
Siegel aufgedrückt, und ihre Augen sind mit einem Schleier
verhängt; ihnen ist die Auslieferung an die unerbittlichen
Bestrafungen bestimmt."
Was aber die letztgenannte Gruppe angeht,
so gibt es im Heiligen Quran zahllose Verse, die den Heuchlern
gewidmet sind. Die Heuchler bedienen sich der Religion als
Mittel gegen die Religion. Sie sagen: "Wir glauben an Gott
und an das Jüngste Gericht"; aber sie besitzen nicht die
Spur von einem Glauben. Sie wollen damit Gott und den
Gläubigen imponieren; aber sie betrügen in Wirklichkeit allein
sich selbst, und das begreifen sie nicht. Sie haben ein
korruptes Herz. Gott hat ihren Schmerz noch vergrößert; eine
zerfleischende Qual wird der Preis für ihre Lügen sein. Der
Heilige Qur’an bezieht sich auf List und Betrug, wenn er sagt:
Gegen die Verteidiger der Wahrheit Betrug und List walten
lassen, bedeutet folgendes:
-
Der Mystiker spannte seine Falle und begann mir
seiner Runde des Becherspiels.
-
Er begann gegen das Himmelsgewölbe hin zu
zaubern.
-
Die Spiele mit dem Schicksal haben ihn völlig
verkommen lassen.
-
Denn er hatte damit begonnen, eine Runde die
"Grossen Einweihungen ins Mysterium" zu spielen.
-
Sie halten sich für Taschenspieler.
"Wenn sie Gläubige treffen, sagen sie:
Wir haben dieselbe Religion wie ihr. Mit ihren lügenhaften
Ketzereien halten sie sich dabei an einen anderen
Sprachgebrauch; sie erklären sich als zu ihrer Partei gehörig
und spielen dabei nur die Gläubigen." Genauso sagt der
Heilige Qur’an: "Gott wird sich über sie lustig machen, er
wird sie in tiefere Irrtümer stürzen, und in dieser
Irreführung werden sie bleiben." Dann fügt der Heilige
Qur’an hinzu: "Sie gleichen jenen, die ein Feuer entfachen,
um ihre Umgebung zu erhellen. Gott löscht ihr Feuer aus, macht
sie damit Blinden gleich und hält sie in der Finsternis, damit
sie nichts sehen."
Die Heuchler haben Irrtum gegen die
Wahrheit eingehandelt. Sie bedienen sich ihrer Intelligenz
nur, um ihre Sinnlichkeit und ihre Boshaftigkeit zu
befriedigen. Die Vernunft ist wie eine Leuchte und ein Führer
für den Menschen; genauso wie der Instinkt. Aber diejenigen,
die ihre Vernunft und Intelligenz in einem der Religion
entgegengesetzten Sinn benutzen, gleichen denen, die das Feuer
entfacht haben. Wenn Gott die Flamme zu Erlöschen bringt,
welche die Gegenstände rundum erhellt, bleiben sie im
Finstern, und sie können nichts sehen. Nicht nur, daß Gott für
sie in der Dunkelheit untertaucht, sie werden zu Stummen,
Tauben und Blinden. "Stumm, taub und blind werden sie nie
mehr zurückfinden." Denn wenn sie Augen hätten, die klar
blicken könnten, könnten sie in der Ferne ein Licht entdecken
und sich dorthin wenden. Wenn sie Ohren hätten, die hörten,
könnten sie in der Dunkelheit die Halsglöckchen eines
Dromedars hören oder das Hupen eines Autos, und so wäre es
ihnen möglich, den Weg der Wirklichkeit wiederzufinden. Und
schließlich, könnten sie sich ausdrücken, so könnten sie
jemanden zu Hilfe rufen, daß er sie führe. Aber sie können
nichts tun. Der Heilige Qur’an sagt: "Sie gleichen denen,
die sich, wenn ein Sturm vom Himmel losbricht mit Finsternis,
Blitz und Donner, in Furcht vor dem Bild des Todes mit den
Fingern die Ohren verstopfen, um den Lärm des Donnerschlags
nicht zu hören; aber der Allmächtige kreist die Ungläubigen
ein." So werden sie also nie den Weg der Wirklichkeit
finden.
Der Heilige Qur’an gesteht Lug und Trug
nicht einen einzigen Sieg zu. Er sagt nicht, daß es List und
Betrug seien, die die Welt regierten. Er schenkt der
Argumentation, der Lauf der Geschichte sei immer durch Gewalt
bestimmt, durch List vorwärtsgetrieben und durch
Bestimmungslosigkeit geführt worden, keinen Glauben. Generell
ist es mit der qur’anischen Vernunft nicht vereinbar, daß
Unterdrückung, Korruption und Niedertracht in der Gesellschaft
den Sieg davontrügen und jene dabei nicht untergingen. Wenn
der Prophet (s.a.s.) sagt: „Ein Land kann trotz des
Unglaubens, der in ihm verbreitet ist, bestehen, aber die
Ungerechtigkeit wird es in den Untergang treiben,“ so will
das sagen: In der Geschichte treffen wir manchmal auf
Unterdrückerregierungen, z. B. Nader, den persischen König von
1688 bis 1747, der die Unterdrückung in Person war, aber
dieser präsentierte ja nicht die gesamte Gesellschaft. Eine
Gesellschaftsstatistik, in jener Epoche aufgestellt, wo Nader
ein Minarett aus Menschenköpfen erbaute, würde uns die
Feststellung erlauben, daß im Herzen des Volkes
Aufrichtigkeit, Ehrenhaftigkeit und Tugend die List,
Verräterei und moralische Verkommenheit übertrafen. Man muß
die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit erfassen, vor allem in
ihrer Originalstruktur.