Abbas holt Wasser
Ahl Michnaf sagt: Der Durst wurde für Husein, seine Frauen
und Begleiter sehr drückend, sie beklagten sich bei ihm
darüber und er liess desshalb seinen Bruder 'Abbas rufen und
sagte ihm: lieber Bruder, siehst du nicht, was wir und diese
Kinder vom Durst zu leiden haben? gehe hin und hole uns etwas
Wasser. Er antwortete: gewiss, Gott und dir gehorsam. Dann
beeilte sich 'Abbas und ging fort, indem er sprach:
Kämpfen will ich heute mit wohlgeleitetem Muthe,
vertheidigen den Enkel des Propheten Ahmed.
Ich werde euch treffen mit der Indischen Schneide,
bis ihr ablasst vom Kampfe gegen den Herrn.
Ich bin 'Abbas, der sich die Liebe erworben hat,
der Spross 'Ali's, des heiligen Beschützers.
Abu Michnaf sagt : 'Abbas zog mit seinen Begleitern fort,
bis sie an das hohe Ufer des Euphrat kamen; hier stürzten
Leute auf sie ein und fragten: wer seid ihr? Sie antworteten:
Freunde Huseins; der Durst quält uns so , dass wir kaum noch
athmen , aber noch grösser ist für uns die Sorge um unseren
Gebieter Husein und seine kleinen Kinder. Als sie diese Worte
hörten, konnten sie sich nicht beherrschen, sondern machten
auf sie einen gemeinschaftlichen Angriff, indess 'Abbas hielt
Stand mit den Seinen, sie bestanden einen schweren Kampf,
'Abbas tödtete mehrere von ihnen und streckte die tapfern
nieder, indem er sprach:
Ich fürchte den Tag nicht, wenn sich der Tod erhebt
um mich todt niederzustrecken beim Zusammenstoss.
Mein Leben für das Leben des heiligen, schuldlosen;
ich bin standhaft und übe auf dem Kampfplatz Vergeltung.
Ich fürchte den Gegner nicht, wenn er herannaht,
vielmehr werde ich die Schädel treffen und einzeln spalten.
Als er diese Verse beendet hatte, machte er einen Angriff
auf die Leute, vertrieb sie von der Tränke, stieg mit einem
Schlauche hinab und füllte ihn; er streckte die Hand aus um zu
trinken, erinnerte sich aber an Huseins Durst und sprach: bei
Gott ! ich werde kein Wasser kosten , so lange mein Herr
durstig ist ; er verliess die Tränke mit den Worten:
O Seele ! nach Huseins Tode ruhe,
denn nach ihm kannst du nicht mehr leben.
Dieser Husein durstet nach dem Tode,
und du wolltest aus dem kühlenden Quell trinken?
Das sei fern, das wäre nicht eine That der göttlichen Lehre
oder der rechten, wahren , sicheren Erkenntniss.
Er machte auf die Leute einen Angriff und bestand einen
schweren Kampf, sodass seine Haut von den Pfeilen der eines
Igel glich; da griff ihn el-Abrad ben Scheiban (L. ben Schatwa
el-Guhenl) an, er traf seine rechte Hand , sodass sie sammt
dem Schwerdte davon flog. Er fasste das Schwert mit der linken
Hand und erneuerte den Angriff, indem er sagte:
Bei Gott! wenn ihr mir die rechte Hand abhauet,
so werde ich doch kämpfend meinen Glauben vertheidigen
Und einen Imam, der zuverlässig ist in der Erkenntniss,
den frommen , glaubhaften Enkel des Propheten,
Eines Propheten der Wahrheit, der uns eine Religion gebracht
hat
im wahren Glauben an einen einzigen helfenden Gott.
Bei diesem Angriffe auf die Leute tödtete er von ihnen
mehrere Männer, bis ihm Abdallah ben Jazid el-Scheibani auch
die linke Hand abhieb; da nahm er das Schwerdt in den Mund und
sprach:
O meine Seele! fürchte dich nicht vor den Gottlosen.
und lass dir verkünden das Erbarmen des Auserwählten
Mit dem Propheten , dem Herrn der Gerechten.
Sie haben mir in ihrer Gewaltthätigkeit meine Linke abgehauen.
Schon stürzen herbei die Schaaren der Ungläubigen,
so führe sie, o Herr, in die Gluth der Hölle.
Er wiederholte den Angriff gegen sie , während seine Hände
von Blut trieften, wodurch er geschwächt wurde ; da stürzten
sie insgesammt auf ihn, ein Mann schlug ihn mit einer eisernen
Stange mitten über den Kopf, sodass er ihm den Schädel
spaltete, und er wurde zu Boden gestreckt, indem er ausrief: o
Abu Abdallah, sei von mir gegrüsst!
Als Husein sah, dass er niedergestreckt war, rief er aus :
o mein Bruder! O 'Abbas ! o mein Herzblut I Er machte mit
seinem Pferde einen Angriff gegen sie, trieb sie von ihm fort,
stieg ab und hob ihn auf den Rücken seines Pferdes; er kehrte
dann zu seinem Zelte zurück, legte ihn vor demselben nieder
und weinte, sodass er alle, die um ihn versammelt waren, zum
Weinen brachte, und er sprach: Gott lohne es dir, was du an
mir als Bruder gethan hast, du hast für Gott einen wahren
Kampf gekämpft. Dann wandte er sich an seine Begleiter und
sagte: liebe Leute wisset, dass jenes Volk es auf keinen
anderen abgesehen hat als auf mich ; sobald die Nacht euch
deckt, geht unter ihrer Dunkelheit wohin ihr wollt. Sie
erwiederten : o Sohn des Gottgesandten, mit was für einem
Gesichte sollten wir vor deinem Grossvater Muhammed und vor
deinem Vater 'Ali erscheinen? bei Gott! das wird niemals
geschehen, wir wünschen vor deinen Augen zu sterben. Gott
lohnte ihnen dies mit Wohlthaten und so verbrachte er die
Nacht.