Vorgeschichte
I . Der Tod des Husein ben 'Ali.
L . Im Namen Gottes des barmherzigen, des erbarmenden! Ihn
bitten wir um Hilfe in allen Dingen.
Ali ben Mûsâ ben Ga'far ben Muhammed ben Tâwûs el-Hasani,
der Sammler dieses Buches, erzählt nach Abu Michnaf Lût ben
Jahja in dessen Schrift über den Tod Huseins: Als der Fürst
der Gläubigen 'Ali ben Abu Talib durch Ihn Mul'gam in der
Moschee zu Kufa ermordet war, trat sein Sohn el-Hasan das
Chalifat an; sein Vorname war Abu Muhammed, sein Beiname
el-Zaki, der Fromme, seine Mutter Fâtima die Tochter des
Gottgesandten. Gleich nachdem ihm gehuldigt war, brach er nach
Medina auf, Keis ben Sa'id war Anführer seiner Truppen; allein
die Aufständigen zogen gegen ihn aus, Keis wurde getötet und
Hasan kehrte nach Kufa zurück. Er traf mit einem der
Aufständigen vom Stamme Asad zusammen, welcher vertraulich
gegen ihn that, ihn sorglos machte und dann mit einem Messer
nach ihm stiess, jedoch ihn nur in den Schenkel traf, worauf
er die Flucht griff. Hasan sagte dazu nur: Gestern habt ihr
meinen Vater getötet und heute wollt ihr mich töten? Er zog
hierauf in Kufa ein und legte das Kalifat freiwillig nieder;
er schrieb an Mu'âwija und setzte ihn in Kenntnis, dass er
freiwillig ihm die Regierung wie eine Halterschaft gegen eine
bestimmte Summe überlasse, deren Höhe er auf 2000 Dinare für
die Huldigung festsetzte. Nun trafen Hasan und Husein Anstalt,
sich nach dem Grabe ihres Großvaters in Medina zu begeben, da
traten die Ältesten von 'Irak bei ihnen ein, um ihnen
Vorstellungen dagegen zu machen, dass sie 'Irak verlassen
wollten. Hasan ermahnte sie in einer längeren Rede, worin er
sagte: Sorget nun selbst für eure Angelegenheiten, für Gut und
Blut habt ihr jetzt Sicherheit und Frieden für eure Geschäfte,
seid zufrieden mit der Entscheidung Gottes und seinem
Rathschluss, überlasst ihm eure Sache und haltet euch ruhig in
euren Häusern und wisset, dass ich meinen Vater den Fürsten
der Gläubigen habe sagen hören: »der Gottgesandte hat gesagt,
wer ein Volk lieb hat, den sendet Gott mit ihm«; ihr gehört zu
uns in unserem Heere.
G. Im Namen Gottes des barmherzigen, des erbarmenden! О
Gott, segne Muhammed deinen Diener, deinen Propheten
und deinen Gesandten, den Propheten aus dem Volke!
Abul-Mundsir Hischâm ben Muhammed ben el-Sâïb el-Kalbi
erzählte uns nach der Überlieferung des Abu Michnaf Lut ben
Jahja el-Azdi [B von Jahja ben Sa'îd] von Abd el-rahman ben
Gundab ben Abdallah el-Azdi von seinem Vater, welcher sagte:
Wir, ich und Suleiman ben Çurad el-Chuzâ'i, el-Musajjib ben
Kathir el-Fazâri und Sa'îd ben Obeidallah el-Hanefi, traten
bei Hasan ben 'Ali ben Abu Talib ein, zur Zeit als er mit
Mu'âwîja ben Abu Sufjân Frieden schlossen hatte, er war damals
in Kufa, wir grüssten ihn, er erwiderte den Gruß und
Suleiman ben Çurad el-Chuzâ'i trat vor und redete ihn an; О
Sohn der Tochter des Gottgesandten, wir wundern uns, dass du
dem Muâwlja gehuldigt hast, während du noch 40 000 Streiter
von deiner Partei bei dir hast außer deinen Anhängern unter
den Bewohnern von Kufa, welche alle ihren Sold bekommen,
ebenso deren Söhne, und außer deinen Anhängern unter den
Bewohnern von Baçra und Hi'gâz; du hast für dich seihst gar
keine Sicherheit genommen, dass er sein Versprechen halten
wird, und du hast nichts schriftlich erhalten über die
Abfindungssumme; wenn du nur, als du zum Entschluss kämest, an
ihn geschrieben und von ihm ein eidliches sprechen gefordert
hättest, damit man im Osten und Westen wüsste, dass die
Regierung nach seinem Tode an dich übergehen werde, so würden
wir die Sache leichter ertragen; du hast dich aber mit dem,
was er mündlich versprochen hat, zufrieden gegeben. — Hasan
erwiderte: Ich schließe keinen Vertrag, um ihn zu brechen
und gebe kein Versprechen um davon zurückzutreten; da Gott
unsere Worte sammelt und uns unseren Wunsch erfüllt hat, so
werden wir nichts brechen; ihr seid unsere Anhänger, Helfer
und Freunde, wir haben euch kennen gelernt durch die uns
geleistete Hilfe, durch das Wohlwollen gegen uns, durch
Standhaftigkeit und guten Rath; wenn ich nach irdischen Gütern
trachten und um die Herrschaft einen Wettkampf führen wollte,
so würde Mu'âwîja nicht stärker und standhafter sein als ich;
aber ich bedenke, was ihr nicht bedenkt, und sehe, was ihr
nicht sehet. Ich schwöre bei Gott, dass ich hierbei nichts
anderes beabsichtige, als euer Blut zu schonen und eurem Leben
den Frieden zu bringen; seid frieden mit der Entscheidung
Gottes, unterwerft euch vertrauensvoll seinem Befehle und
haltet euch ruhig in euren Wohnungen.
(Suleiman fährt fort:) Wir verließen nun Hasan und begaben
uns zu Husein; er befahl eben seinen Dienern, das Gepäck
herbeizutragen und trieb sie an, um nach Medina aufzubrechen;
wir traten ein und begrüßten ihn, [B er erwiderte den Gruß
und sagte: setzt euch, bis ich zu euch komme; und er ließ
auch nicht lange auf sich warten.] Wir setzten uns [B an die
Seite, dann kam er, wir wollten ihn anreden,] er sah uns den
Kummer und die Trauer an^), da kam er uns zuvor und sprach:
Gelobt sei Gott ! der Rathschluss Gottes war beschlossen und
ist nun entschieden, und wenn sich die Menschen und Dämonen
einigten , damit er nicht ausgeführt werde, sie würden dazu
nicht im Stande sein. [В Ich kenne keinen Menschen, für
welchen dieser Friede drückender wäre als für mich,] ich habe
zugestimmt bis in den Tod, als mein Bruder in mich drang und
mich beschwor, den Vertrag nicht zu brechen und nichts gegen
die Ruhe zu unternehmen, ich gehorchte ihm selbst gegen meinen
Willen, und als ich ihm den Handschlag gab, war es mir, als
wollte mir die Brust zerspringen und als würde mir die Nase
mit Messern abgeschnitten. Gott spricht (Sure 2, 213): »Es
kann sein, dass ihr etwas verabscheuet, was für euch gut ist,
und es kann sein, dass ihr etwas gern habt, was für euch
nachtheilig ist, Gott weiß es und ihr wisst es nicht«. Jetzt
ist Friede geschlossen und eine Huldigung gemacht, die mir
zuwider ist, da hilft kein Überlegen, so lange dieser Mann (Mu'âwîja)
am Leben bleibt; wenn er stirbt, so werden wir sehen und ihr
werdet sehen, was geschieht. — Wir erwiderten ihm: о Abu
Abdallah, wir sind nicht unsertwegen traurig, sondern
euretwegen, dass ihr um eure Macht betrogen werdet und euch
euer gutes Recht geschmälert wird; wir bleiben eure Helfer,
Anhänger und Freunde, wenn ihr uns ruft, folgen wir euch, wenn
ihr uns befehlt, horchen wir euch. — [L. Er antwortete : Gott
lohne euch eure guten Gesinnungen und Worte und möge sie euch
anrechnen.]
Hierauf zogen Hasan und Husein fort und wir begleiteten sie
zum Abschied; als wir an dem Kloster der Hind vorüberkamen,
wandte sich Husein nach Kufa um, [G tat einen tiefen Seufzer
wie ein von Trauer erfüllter,] und Wandte diese Verse eines
älteren Dichters auf sich an:
Nicht aus Hass verlasse ich das Haus meiner Angehörigen,
sie halten mich ab von meinen Verbündeten und meiner Familie.
Allein der Rathschluss Gottes, der bestimmt ist, steht
fest, und diese Welt ist nicht die bleibende Wohnung.