Divan der persischen Poesie
Hafis
Ghasele - Buchstabe Schin 7.
Wie schön bist du, Schiras, mit deinen Auen!
Mög' immer segnend dir der Himmel blauen!
Nach Dschafarábad und Mosella bringen
Die Winde Ambraduft auf weichen Schwingen.
Heil sei dem Roknabad, deß klare Welle
Ward Chisers ew'ger Jugend Lebensquelle.
Komm nach Schiras! Des heil'gen Geistes Gaben
Sind bei den Söhnen dieser Stadt zu haben.
Hier lockt dich aller Zauber ird'schen Lebens,
Und ihm zu widerstehn suchst du vergebens.
Sprich, Zephyr, mir von jenem süßen Munde,
Der mich bethört, schickt er mir gute Kunde?
Will sich, mein Lieb, von meinem Blute nähren,
Wie Muttermilch werd ich es ihm gewähren.
O weck' mich nicht vom Schlummer, zu zerstören,
Mein schönes Traumbild, mag's mich auch bethören!
Warum, o Hafis, wenn dich Trennung peinigt,
Verstummest du, als Liebe euch vereinigt?
Bodenstedt.