Divan der persischen Poesie
Rumi
Aus dem Divan - Gottes Mann
Gottes Mann ist stets berauscht, auch ohne
Wein,
Gottes Mann wird ohne Braten satt auch sein.
Gottes Mann ist stets verwundert und verzückt,
Gottes Mann wird ohne Schlaf und Kost erquickt.
Gottes Mann ist nicht geformt aus Staub und Flut,
Gottes Mann ist nicht geformt aus Luft und Glut.
Gottes Mann wird auch im Mönchskleid König sein,
Gottes Mann gleicht einem Schatz in Wüstenei'n.
Gottes Mann ist eine Qiblah Richtung, in welcher der Tempel
von Mekka steht, und nach welcher sich der Mohammedaner im
Gebete wendet. weit im Land,
Gottes Mann ist stets des Rechtes Unterpfand.
Gottes Mann, ihm liegt sein Glaube beim Idol,
Gottes Mann, was nennt er Recht, was Unrecht wohl?
Gottes Mann erkennt der Wahrheit hohen Wert,
Gottes Mann ist nicht in Schrift und Buch gelehrt.
Gottes Mann gleicht eines Meeres weitem Schoß,
Gottes Mann träuft helle Perlen, wolkenlos.
Gottes Mann lebt stets verborgen. O mein Sohn!
Gottes Mann, ihn such' und finde, dir zum Lohn!
Vinzenz Rosenzweig von Schwannau