Sportlehrer (Erinnerungen von Märtyrer Reza Huriar)
Es war Ordibehescht (zweiter Monat des iranischen
Sonnenjahres) 1359 (1980). Ich war Sportlehrer in der Schohada
Schule. Das Gymnasium Abu Reyhan befand sich genau daneben.
Ibrahim arbeitete dort als Sportlehrer. Einmal traf ich mich
mit ihm und wir sprachen lange miteinander. Ich war von seinem
moralischem Verhalten begeistert. Es war schon spät als er
sagte, bist du mit einem Volleyballspiel zwischen uns
einverstanden? Ich musste lachen, da ich mit der
Nationalmannschaft an Weltmeisterschaften teilgenommen hatte
und der Ansicht war, ich besäße einen eigenen sehr guten Stil.
Und jetzt will dieser Herr hier mit mir ...! Doch ich stimmte
zu, sagte mir aber, ich werde ein schwaches Spiel spielen,
damit er sich nicht gedemütigt fühlt! Ibrahim begann das Spiel
mit einem Aufschlag. Er schlug so hart, dass ich den Ball
nicht fangen konnte! Das gleiche wiederholte sich zwei, drei
Mal. Ich wurde blass. Ich fühlte mich Ibrahim so unterlegen
und das vor all den Schülern.
Er hatte so starke Hände, so dass man seinen Aufschlägen
wirklich nicht entgegenkommen konnte. Er schaute mich kurz an
und schlug dieses Mal weicher auf, so dass ich meinen ersten
Punkt erwerben konnte und dann den nächsten und den
nächsten... Er wollte mich nicht mit seinem Überlegensein
erniedrigen und verschenkte mir deshalb absichtlich Punkte!
Ich konnte Ibrahims Stand erreichen und meine Würde war
bewahrt. Ich gab ihm den Ball zum nächsten Aufschlag. Doch
gerade als er aufschlagen wollte war der Gebetsruf zu hören,
Allah u Akbar... Es war die Zeit des Mittagsgebets. Er ließ
den Ball fallen, drehte sich in Richtung Mekka und rief laut
den Gebetsruf aus. Seine Stimme hallte durch die ganze Schule.
Von den Kindern gingen manche nach Hause und manche begannen
mit der rituelle Waschung für das Gebet.
Er betete gleich auf dem Schulhof. Die Kinder reihten sich
hinter ihm auf. Es wurde eine große Gebetsgemeinschaft. Nach
dem Gebet wandte er sich mir zu, gab mir die Hand und sagte,
Herr Reza, Konkurrenz ist dann schön, wenn sie mit
Freundschaft gepaart ist!