Rechtschaffene

Auszüge aus

Geschichten der Rechtschaffenen

für Jung und Alt

Ayatollah Morteza Motahhari

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Beschwerde über den Ehemann

Die ihm vorgetragenen Beschwerden überprüfte Imam Ali (a.s.) persönlich und überließ es keinem anderen. An heißen Tagen, während sich die Leute gewöhnlich zur Mittagsruhe begaben, saß er im Schatten der Mauer außerhalb des Amtsgebäudes, so daß die Leute, die sich beschweren wollten, ihm ihre Beschwerde unmittelbar und ohne Hindernisse vortragen konnten. Bisweilen ging er auch durch die Gassen und Straßen, stellte Ermittlungen an und beobachtete die allgemeine Lage an Ort und Stelle. Eines heißen Tages kehrte er müde und verschwitzt zu seinem Amtssitz zurück und sah eine Frau vor der Tür stehen. Als die Frau ihn sah, trat sie vor und sagte: “Ich habe eine Beschwerde vorzubringen. Mein Mann hat mich ungerecht behandelt, mich aus dem Haus gejagt und gedroht, mich zu verprügeln, wenn ich nach Hause zurückkomme. Nun fordere ich mein Recht durch Dich.“

Imam Ali (a.s.) antwortete: “Es ist jetzt zu heiß. Gedulde dich, bis es sich am Nachmittag abkühlt. Dann werde ich, wenn Gott will, mit dir gehen und deine Angelegenheit regeln.“ Besorgt sagte die Frau: “Ich fürchte, wenn ich mich noch länger außerhalb des Hauses aufhalte, wird er sich auch darüber ärgern und mich um so mehr quälen.“ Einen Augenblick senkte Imam Ali (a.s.) den Kopf, und als er aufschaute, sagte er flüsternd vor sich hin: “Bei Gott, man soll die Überprüfung einer Beschwerde nicht aufschieben. Das Recht des Unterdrückten soll man unverzüglich beim Unterdrücker einklagen. Dem Unterdrückten soll man die Furcht davor nehmen, seinem Unterdrücker mutig und ohne Angst gegenüberzutreten und sein Recht zu fordern.“

Dann wandte er sich an die Frau: “Wo wohnst du?“ Sie beschrieb ihm den Weg. “Laß uns gehen“, sagte Imam Ali (a.s.) und machte sich in Begleitung der Frau auf den Weg zu ihrem Haus. Vor dem Haus angekommen, rief er: “Seid gegrüßt, Bewohner des Hauses.“ Ein junger Mann kam heraus. Er kannte Imam Ali (a.s.) nicht, sah einen älteren Mann von ungefähr 60 Jahren in Begleitung seiner Frau und wußte, daß sie ihn um Beistand gebeten hatte. Doch sagte er nichts dazu. Imam Ali (a.s.) wandte sich an ihn: “Diese Dame ist deine Frau und beschwert sich über dich. Sie sagt, daß du sie ungerecht behandelt und aus dem Haus gejagt hättest. Du hättest gedroht, sie zu verprügeln. Ich ermahne dich, gottesfürchtig zu sein und deine Frau gut und freundlich zu behandeln.“

Der Mann entgegnete: “Was geht es Dich an, wie ich meine Frau behandle? Ja, ich habe gedroht, sie zu verprügeln. Gerade weil sie Dich geholt hat, um an ihrer Stelle zu reden, werde ich sie bei lebendigem Leibe verbrennen.“ Imam Ali (a.s.) war über diese Dreistigkeit des jungen Mannes aufgebracht. Er griff nach seinem Schwert und sagte: “Du gibst mir solch eine Antwort auf meinen guten Rat und meinen Versuch, dich von einer verwerflichen Tat abzuhalten? Du sagst unumwunden, daß du diese Frau verbrennen wirst. Glaubst du, in dieser Welt wird keine Rechenschaft verlangt?“

Als Imam Ali (a.s.) seine Stimme erhob, sammelten sich die Passanten um sie. Jeder, der zu ihnen kam, machte eine Verbeugung vor Imam Ali (a.s.) und sagte: “Sei gegrüßt, Fürst der Gläubigen.“ Der stolze, junge Mann erkannte erst jetzt, mit wem er es zu hatte, bekam es mit der Angst zu tun und sagte flehentlich: “Vergib mir, Fürst der Gläubigen. Ich sehe meinen Fehler ein. Ich verspreche Dir, von nun an gütig zu meiner Frau zu sein und alle deine Anweisungen zu befolgen.“ Imam Ali (a.s.) wandte sich nun an die Frau: “Geh nach Hause, und sieh zu, daß du ihn zu solchen Taten nicht herausforderst.“ 22

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