Rechtschaffene

Auszüge aus

Geschichten der Rechtschaffenen

für Jung und Alt

Ayatollah Morteza Motahhari

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Der Unbekannte

Sie keuchte unter der Last des Wasserschlauchs, den sie auf ihrer Schulter trug. Sie war auf dem Wege nach Hause. Ein Unbekannter kam auf sie zu, nahm den Wasserschlauch und hob ihn auf seine Schulter. Die kleinen Kinder der Frau starrten erwartungsvoll auf die Haustür und warteten auf ihre Mutter. Die Tür öffnete sich, und die Kinder sahen ihre Mutter in Begleitung eines Unbekannten, der anstelle ihrer Mutter den Wasserschlauch auf die Erde stellte und fragte: “Wie ich sehe, trägst du das Wasser selbst, weil du keinen Mann hast. Wie kommt es, daß du allein stehst?“

Sie antwortete: “Mein Mann war Soldat. Ali Ibn Abutalib hat ihn zu einer der Grenzen geschickt. Er wurde dort getötet. Nun stehe ich allein mit meinen kleinen Kindern.“ Der Unbekannte schwieg dazu, senkte den Kopf, verabschiedete sich und ging; doch an diesem Tag mußte er unentwegt an die Frau und ihre Kinder denken. In der Nacht konnte er nicht ruhig schlafen. Am anderen Morgen nahm er einen Korb, füllte ihn mit Fleisch, Mehl und Datteln, ging wieder zu dem Haus und klopfte an.

“Wer ist da?“, kam die Frage vom Haus. Er antwortete: “Ich bin der Mann, der gestern den Wasserschlauch trug. Nun habe ich etwas Essen für die Kinder mitgebracht.“ Die Frau des Hauses sagte: “Gott möge mit dir zufrieden sein und zwischen Ali und uns selbst urteilen.“ Die Tür öffnete sich, und der Unbekannte trat ein.

“Ich möchte etwas Gutes tun. Wenn du mir erlaubst, übernehme ich das Brotbacken oder die Beaufsichtigung der Kinder“, sagte er. “Sehr gut“, freute sie sich, “ich kann aber besser Brot backen als Du. Paß auf die Kinder auf, bis ich mit dem Backen fertig bin.“ Die Frau machte sich an die Arbeit. Der Unbekannte nahm derweil etwas von dem mitgebrachten Fleisch, briet es, tat Datteln dazu und fütterte die Kinder. Mit jedem Bissen, den er den Kindern in den Mund legte, sagte er: “Mein Kind, vergib Ali Ibn Abutalib, wenn er euch vernachlässigt hat.“ Als der Teig zubereitet war, rief die Frau dem Unbekannten zu: “Mach das Feuer in der Backgrube an.“ Der Unbekannte machte das Feuer an. Als die Flammen hochschlugen, näherte er sein Gesicht den Flammen und sagte flüsternd: “Spüre nun das Feuer. Wer die Sache der Waisen und Witwen vernachlässigt, hat diese Strafe verdient.“ Währenddessen kam eine Nachbarin herein und erkannte den Mann. “Wehe dir. Kennst du den Mann nicht, den du zu Hilfe geholt hast? Er ist der Fürst der Gläubigen, Ali Ibn Abutalib“, sagte die Nachbarin. Die Frau kam auf Imam Ali (a.s.) zu und sagte: “Welch eine Schande für mich. Ich bitte Dich um Entschuldigung.“

“Nein, ich muß dich um Vergebung bitten, weil ich deine Sache vernachlässigt habe“, sagte Imam Ali (a.s.).23

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