Persönlichkeit des Menschen
Einem jeden
von uns stehen zwei Arten von „Kapital“ zur Verfügung. Einmal
das, was uns als „Erbe“ mit in der Wiege gelegt wurde und das
wir anzunehmen haben, ob es uns gefällt oder nicht. Und zum
anderen das, was wir uns durch Arbeit, Fleiß und durch Nutzung
bzw. „Kultivierung“ unseres Erbgutes erwerben. Mit diesen
beiden Faktoren, das heißt mit unserem „Erbe“ und dem von uns
„Erworbenen“ stehen unser Charakter und unsere Persönlichkeit
in engem Bezug.
Die
Psychologie sagt, dass das was dem Kind als Erbeigenschaften –
körperlichen wie auch geistig Seelischen – mit auf seinen
Lebensweg gegeben wird, nichts weiter ist als eine
„angeborene“ bzw. „ererbte Veranlagung“, - eine vorerst nur
„Potentielle Basis“ ohne Festigkeit und Durchbruch.
Ist zum
Beispiel ein Vater (oder eine Mutter) von Natur her fettleibig
und zudem von herrischer, erregter Wesensart, so können beide
Besonderheiten – sowohl die physische als auch
verhaltensmäßige – als Erbfaktoren, als noch ungefestigte
Primäre- Veranlagung auf das Kind übergehen.
Kein
Zweifel. Wächst das Kind in einem Milieu auf, in dem diese
Veranlagung geweckt und gefördert wird, so wird es nach
einiger Zeit Ähnlichkeit mit seinem Vater aufweisen. Sind aber
Erziehung und Umwelt dergestalt, dass die in ihm ruhenden
Erbfaktoren nicht aktiviert und unterstützt werden, so kommen
sie auch nicht zum Durchbruch, da sie nicht stimuliert werden
und sich somit nicht entwickeln können.
Dieses
macht deutlich, von welch gravierender Bedeutung Erziehung und
Umwelt für die kindliche Entwicklung sind..., welch
entscheidenden Einfluss Elternhaus, Schule und Umgebung auf
das Kind nehmen.
Erste
Schule
Die erste
„Schule“, in der das Kind lernt und gebildet wird, ist das
Elternhaus. Jenes Zuhause, in das es hineingeboren wird, in
dem es in der Liebe und Fürsorge seiner Eltern heranwächst und
die ersten Lernversuche macht.
Um die
Bedeutung des Elternhauses zu erfassen, genügt es zu wissen,
dass der Grundstein zu „Lernen und Begreifen“ des Menschen
hier, in diesem seinem Zuhause gesetzt wird. Und was er in
seinem Elternhaus lernt und erfährt, ist die Grundlage zu
seiner späteren „Persönlichkeit“. Mit anderen Worten:
Seine
ersten „Bildner“ oder „Formergeber“ sind seine Eltern. Das
Kind, das diesen von Gott anvertraut wurde – rein, gut und
unschuldig – und aufgrund seiner Natur und Wesensart bereit zu
Entwicklung und Vollkommung ist, befindet sich also zunächst
in der Obhut von Vater und Mutter, die seine Erziehung und
„Persönlichkeitsbildung“ einleiten.
Wenn wir
vermeiden wollen, dass unser Kind seine ursprüngliche Reinheit
und Unverdorbenheit verliert, haben wir von Anbeginn bis zu
jenem Zeitpunkt, da es zu einem reifen, gefestigten Menschen
herangewachsen ist, auf es zu achten.
Beide,
Vater und Muter, sind seine ersten und gleichwohl idealsten
Lehrer. Vorausgesetzt, dass sie dieser ihrer gottgegebener
Verantwortung in der rechten Weise nachkommen.
Es ist zu
empfehlen, dass sie bei der Erziehung ihres Kindes Hand in
Hand und nach einem vereinbarten, gemeinsamen Programm
vorgehen. Unterschiedliche Erziehungsmethoden als auch
Nachlässigkeit bei der Wahrnehmung ihres „Lehramtes“ führen zu
unliebsamen Ergebnissen.
Die Eltern
haben also nicht nur ihr Kind zu hüten und für sein leibliches
Wohlergehen zu sorgen, sondern ebenfalls über die Grundlagen
einer optimalen Erziehung Bescheid zu wissen und entsprechend
zu handeln. Nur so können sie ihrer großen Verpflichtung
gerecht werden und ihre Töchter und Söhne den Weg zu Glück und
Erfolg ebnen.
Noch
einmal:
Liebe,
Fürsorge und Hingabe für das Kind sind wichtig und
unerlässlich, doch im Gleichschritt mit „Erziehung und
Bildung“.
Hohes
Maß an Aufnahme- und Imitationsbereitschaft
Kinder sind
erstaunlich empfang- und aufnahmebereit. Dieses ist von hoher
Bedeutung für ihre Erziehung und Entwicklung. Das heißt, von
klein auf sind seine „Antennen“ auf „Empfang“ eingestellt. Wie
ein Videogerät nimmt es auf, was sich seinen Augen und Ohren
bietet und registriert sämtliche Eindrücke und Empfindungen.
Was Eltern,
Geschwister und Freunde tun und sagen, Schönes und
Unschönes.., mannigfaltige Bilder, Begebenheiten und
Erlebnisse.
Mit anderen
Worten: Das „A“ und „O“ einer erfolgreichen Kindererziehung
ist, dass die Erziehenden selbst „erzogen“ sind. Bedienen
diese sich eines rohen
und
rücksichtslosen Vorgehens, oder hässlicher Worte und Gesten,
so brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn ihre Kinder ebenso
sprechen und handeln.
Vergessen
wir darum nie! Das Kind nimmt Verhalten- und Redensweisen
seiner Eltern und Bezugspersonen in sich auf und ahmt sie-
unbewusst – nach. Das praktische, gute Vorbild seiner Eltern
ist ein wichtiges, überzeugendes und durch nichts zu
ersetzendes „Erziehungsmittel“.
Das
Elternhaus..., schlechtes Vorbild?
Das Kind
ist den Eltern „anvertraut“ worden. Von Gott. Eine göttliche
Treuhandgabe an Vater und Mutter also. Und: Es kommt rein und
gut zur Welt!
Wenn im
Laufe der Zeit Verhaltensstörungen sichtbar werden, so haben
die Eltern ihr eigenes Verhalten und das Familienmilieu einer
eingehenden Prüfung zu unterziehen. Darum, weil die Ursache
für das gestörte Verhalten des Kindes in erster Linie darin zu
suchen sind. Ganz wichtig!
Ohne sich
dessen bewusst zu sein, gehen Vater, Mutter oder sonstige
Bezugspersonen in einer Weise vor bzw. sorgen für eine
Atmosphäre, die dem kindlichen Gemüt „zusetzen“. Vater und
Mutter sind daher verpflichtet, im Interesse einer guten
Entwicklung ihres Kindes alles zu tun, um beeinträchtigende
Faktoren und Einflüsse zu beseitigen, besser noch, sie von
vornherein zu vermeiden.
Kinderängste
Psychologische Studien haben ergeben, dass sich jene unter
wissenschaftlicher Beobachtung gestandener Kinder, die das
erste Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, zunächst vor der
Dunkelheit nicht fürchten. Erst später begannen sie, in ihr
Beängstigendes zu empfinden. Darum, weil ihnen die Ängste
„eingeflößt“ worden waren!
Die
Verhaltensforschung teilt uns mit: Ein Kind fürchtet sich
nicht aus sich selbst heraus vor Dunkelheit. Seine Umwelt
„vermittelt“ ihm diese Angst.
Wie wir
bereits zuvor schon sagten, sind Maßnahmen, die das Kind in
Angst und Schrecken versetzen, um es z.B. zu verwarnen oder zu
strafen – einige sperren ihre Kinder beispielsweise in einem
dunklen Zimmer ein oder ängstigen es mit Geistern, Gespenstern
, tiefen Gruben und grauenvollen Höhlen etc. – völlig
undisqualifiziert und sprechen von einem enormen Unverständnis
der betreffenden Erziehenden. Mit ihrem Vorgehen führen sie
der kindlichen Psyche einen schwer oder gar nicht mehr wieder
gut zu machenden Schaden zu.
Nur einmal
das Kind in Angst und Panik zu versetzen, genügt, dass es für
lange Zeit, bisweilen sein ganzes Leben lang, von dieser Angst
nicht wieder loskommt.
Die Eltern
haben das Kind zu ermutigen, zu beruhigen, bei der Hand zu
nehmen und es mit Dingen, die in ihm Furcht auslösen, vertraut
zu machen bzw. sie ihnen zu erklären, - wohlgemerkt: Behutsam,
vorsichtig, an der Hand haltend oder ihren Arm geborgen.
Niemals aber gewaltsam und rigoros!
Darum,
damit es erkennt, das in diesem oder jenem Winkel oder Loch
nichts Erschreckendes und keine Gefahr lauern, dass das
Märchen vom „bösen , schwarzen Mann“ Unfug ist....
Auf diese
Weise helfen sie ihm, seine Ängste zu überwinden und zu einem
frohen, unbeschwerten und furchtlosen Menschen heranzuwachsen.
Noch ein
Wort zur „Lüge“
Wir
erwähnten es bereits: Wenn ein Kind lügt, so ist dieses
meistenteils auf Irrtümer seitens der Erziehendem
zurückzuführen. Diesweil diese seine guten Eigenschaften
fördern müssten, veranlassen sie es durch ihr falsches
Vorgehen zu Unaufrichtigkeit. Ein Vater, der sein Kind bei
etwas, das es nicht tun durfte, ertappt und genau weiß, das es
sich vor seiner „strafenden Hand“ fürchtet, treibt es durch
sein diesbezügliches bohrendes Forschen und Fragen in Lügen
hinein. Viele Kinder lügen deshalb, weil sie bittere
Erfahrungen gemacht haben und den harten Strafen ihrer Eltern
aus dem Wege gehen wollen.
Bisweilen
ist es auch so, dass es Unaufrichtigkeit in seiner Umwelt
gesehen und miterlebt hat und nun ebenso verfährt. Das heißt:
Ein geringfügiger Verstoß gegen die Rechte eines anderen, den
es miterlebte, eine Ausrede, „Notlüge“ und dergleichen reichen
aus, um das Kind zu derlei „Praktiken“ anzuregen. Es gilt
also, im Elternhaus für eine gute, gesunde
Erziehungsgehstützende Atmosphäre zu sorgen. Das heißt, auf
Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit aller ist größter Wert zu
legen, damit das Kind Unwahrheit, Heuchelei und Betrug gar
nicht erst kennenlernt.
Ein
Erziehungswissenschaftler mahnte: „Lehrer, Eltern! Hört auf,
euch zu verstellen! Seid in Wort und Tat unbedingt aufrichtig
und edel. Darum, damit euer gutes Vorbild auf die euch
anvertrauten Kinder Einfluss nehmen kann. Anstelle sie ständig
zu ermahnen, ziehe ich es vor, mich in ihrer Gegenwart ganz
besonders gut zu verhalten.“
Vater und
Mutter sollten statt ewiger Verweise, Empfehlungen und
„Predigten“ darauf achten, ihr Kind durch ihr eigenes gutes
Vorbild indirekt zu gutem Verhalten zu animieren. Das, was
falsch, unrecht, verlogen und hässlich ist, haben sie
unbedingt zu meiden. Darin beruht die elemtarste Vorrausetzung
zu einer erfolgreichen Erziehung.
Eine
Voraussetzung, die jedoch erfordert, dass die Eltern und alle
mit der Erziehung Beauftragten selbst „erzogen“ sein und sich
im Griff haben müssen, denn, wie ein altes orientalisches
Sprichwort sagt:
Wie kann
man etwas geben, was man selber nicht hat?
Tatsächlich, wie sollten Eltern, denen ethische,
menschenwürdige Grundsätze fremd zu sein scheinen (bzw. gar
sind!), ihre Kinder von diesen überzeugen können?!