Mensch
und Moral
Wir alle
haben wohl schon den scherzhaften Ausspruch gehört:
„Der Mensch
ist ein denkendes Tier.“
Eine
Auffassung, die seitens so mancher vertreten wird.
Wie dem
auch sei: Mit Hilfe seiner Vernunft erkennt der Mensch, wie er
seine Bedürfnisse befriedigt und Schwierigkeiten und Probleme
meistern kann.
Aufgrund
seines ihm von Gott gegebenen Unwesens- man könnte es als
„Urwissen„ oder „Unmoral„ bezeichnen – akzeptiert er in seinem
sozialen Leben Regeln und Grundsätze, die unter dem
Sammelbegriff „Moral„ einzuordnen sind .
Dazu
gehören: Respektierung der Rechte anderer, Zusammenarbeit,
Tyrannei, Lüge und dergleichen als „Schlecht„ abzulehnen etc..
Bei dem
Tier verhält es sich anders. Es gerät aufgrund eines
instinktives Gespürs in Erregung und Zorn, nicht infolge von
Überlegung oder moralischem Empfinden.
Zweifellos,
dieses ethische oder moralische Empfinden des Menschen gehört
zu seiner Natur, zu seiner Persönlichkeit. Der dem dies
abgeht, ist von seinem menschlichen Niveau hinabgesunken auf
ein tierisches.
Es gilt,
das moralisch Empfinden wach zu halten und zu aktivieren
Würde,
Noblesse und Wertigkeit des Menschen stehen in engem
Zusammenhang zu seinem Verhalten, seiner Gesinnung.
Wenn jemand
noch so hohe wissenschaftliche Leistungen erbringt, jedoch
seine Moral zu wünschen übrig lässt, so ist das ein Zeichen
dafür, das seine Persönlichkeit und sein „Mensch-Sein„ nicht
zur Entfaltung gekommen sind. Wissen und Können minus Ethik
verhelfen nicht zu „menschlicher Qualität“.
Ein
Wissenschaftler, der sich um ethische Werte und moralische
Grundsätze nicht einen Deut kümmert, wird für die Menschheit
kein Gewinn sein, sondern – im Gegenteil – recht schnell
Verrat an ihr begehen. Seine Intelligenz ist eher mit dem
Messer in der Hand eines Betrunkenen oder aber dem Licht, das
dem Banditen den Weg zu den Schätzen zeigt, zu vergleichen.
Denken wir doch nur an den Missbrauch, der mit
wissenschaftlichen Erkenntnissen getrieben wurde und wird.
Es dürfte
jedenfalls allen klar sein, das Wissen, Fähigkeiten und
Fortschritt dann dem Menschen bzw. der Gesellschaft zum Wohle
gereichen, wenn ethische Werte und menschliche Qualitäten
nicht eingeklammert werden.
Das, was
dem einzelnen, der Familie oder der Gesellschaft Wertigkeit
schenkt und das Leben lebenswert und erfreulich macht, ist das
gute, ethische Verhalten, dessen sich einzelnen befleißigen
oder befleißigen sollten.., sind die intakten, auf einer
menschenwürdigen Moral aufgebauten zwischenmenschlichen
Beziehungen.
Mit Geld
und Macht sind Freundschaft, Frieden und Frohsinn nicht
erhältlich. Mit derartigem sind die „Herzen nicht zu
erreichen“. Wohl aber mit „Menschlichkeit“, mit ethischen
Qualitäten. Diese sind es, die die Menschen einander
liebenswert machen, sie zu Wohlverhalten veranlassen und eine
Gesellschaft ermöglichen, die in sich gesund ist, - eine
Gesellschaft, die gegen soziale und moralische Krisen
weitgehend immun ist.
Prophet
Muhammad (s.a.s.) sprach:
„Mit Geld und Gold
könnt ihr die Herzen der Menschen nicht für euch gewinnen,
wohl aber mit gutem, ethischen Verhalten mögt ihr ihre
Sympathie auf euch lenken.„
Das Herz
des Menschen ist nicht so leicht zu erobern. Es ist fester und
uneinnehmbar als ein Felsen oder eine Burg. Nur durch eine
menschliche, gute Gesinnung wird der Zugang zu ihm möglich.
Erster
Unterricht in Sachen Moral
Das
Elternhaus ist jener Ort, an dem das Kind den ersten
Unterricht in Sachen „Moral„ erhält. Nach und nach wird das,
was es dort Tag für Tag sieht, hört und erlebt, zur Grundlage
seines eigenen Verhaltens, Sinnens und Trachtens werden. Im
häuslichen Milieu erfährt es, was es zu tun und zu lassen hat,
was gut ist und was böse, was positiv, was negativ. Und diese
ersten Erkenntnisse sind der Grundstein zu seiner ethischen
Entfaltung.
Ein Kind,
das in einem Elternhaus aufwächst, in dem Lüge und Betrug an
der Tagesordnung stehen, wird sich – in den meisten Fällen- zu
einem Lügner entwickeln.
Wir dürfen
nicht vergessen: Es ist wie ein junger Trieb…,
ein
Schössling noch. Das, was es erfährt und lernt, nimmt es auf
und so wird es „erzogen“. Wird es in einer lieblosen, brutalen
oder korrupten Atmosphäre groß, ist nicht zu erwarten, dass es
sich anders entfaltet. Bringen Vater und Mutter ihm keine
Liebe, Güte und Freundschaft entgegen, wird er kaum zu einem
liebe- und verständnisvollen Erwachsenen heranreifen.
Wohlwollen, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft werden für es –
so es mit derlei guten Eigenschaften nicht schon in seiner
Kindheit und früheren Jugend vertraut gemacht wird – mehr oder
weniger bedeutungslos sein.
Zusammengefasst: Das Elternhaus ist die „Grundschule„ zu
seiner ethischen Entfaltung. Das, was es dort lernt, ist
maßgebend für seine Entwicklung…, Seele und Gesinnung
betreffend. Für sein gutes bzw. weniger gutes Verhalten sind
Faktoren entscheidend, die dort, in seiner Familie und Umfeld,
gegeben und vorherrschend sind. Wenn sich seine Eltern – seine
wichtigsten Bezugspersonen und ersten Lehrer – die ja die
Stützfeiler seines Zuhauses sind und den „Ton im Haus
angeben„, gut verhalten und durch menschliche Qualitäten
auszeichnen, ist der erste Schritt zu einer positiven
Erziehung getan. Die Vorbedingung dazu, dass sich seine
Persönlichkeit gesund und gut entfalten kann, ist damit
gegeben.
Vorbilder
An dem
Verhalten von Vater und Mutter orientiert sich das Kind.
Dieses gilt insbesondere für die ersten Lebensjahre, in denen
seine Zukunft noch nicht soweit herangereift ist, gut und
schlecht bewusst unterscheiden zu können.
Abgesehen
davon hat es seine Eltern gern. Es bewundert sie und möchte –
dieses ist oft aus Kindermund zu hören – wenn es groß ist, so
sein wie sie. Darum nimmt es sie zum Vorbild und versucht, sie
nachzuahmen und sich so zu verhalten, wie sie es tun.
Das aber
besagt, dass die ethische Entwicklung des Kindes – praxisnah –
im Elternhaus beginnt. Vater und Mutter tun daher gut daran,
ihr eigenes Verhalten zu überprüfen und eventuell zu
korrigieren, auf das sie ihrem Kinde auch tatsächlich
„Vorbild“ sein können.
Allein mit
Empfehlungen und Mahnungen ist es nicht getan. Das praktische
Beispiel gehört unbedingt zu einer erfolgsversprechenden
Erziehung. Kurz: Dem Kind nur von gutem Verhalten und guten
Eigenschaften zu erzählen, reicht keinesfalls. Wir haben sie
ihm im täglichem Leben, im Umgang mit ihm und unseren
Mitmenschen „vorzuleben“. Andernfalls, das heißt wenn wir uns
selbst nicht an unsere Empfehlungen und Ermahnungen halten,
werden diese das Kind nicht überzeugen können.
Wie
beginnen wir?
Seiner
Natur und Veranlagung gemäß ist der Mensch ab seiner Geburt
bereit und in der Lage, erzogen und geformt werden zu können.
Und je eher mit seiner Erziehung begonnen wird, umso
erfreulicher ist das Resultat. Vorausgesetzt, das es in der
rechten Weise geschieht!
Gemüt und
Intellekt des Kleinkindes sind empfänglich für sämtliche
Eindrücke und Einflüsse. Sie nehmen alles auf. Die
Erkenntnisse und Erfahrungen, die ein Mensch in den ersten
Lebensjahren macht und Verhalten und Gesinnung, die er als
Kind erwirbt, sind nicht ohne Auswirkung auf sein späteres
Leben.
Eine Mutter
ging zu einem Weisen und sagte: „Mein Kind ist nun vier Jahre
alt. Ab welchem Alter muss ich mit seiner Erziehung beginnen?„
Der Weise
antwortete: „ Wenn du damit noch nicht begonnen hast, so hast
du sein bisheriges Leben vergeudet. Als du sein erstes Lächeln
sahst, hättest du mit seiner Erziehung beginnen müssen!“
Schritt
für Schritt
Verhalten
und Gesinnung des Kindes reifen – allmählich und nahezu
unmerklich – unter dem Einfluss seiner Umwelt heran. Das, was
es tagtäglich sagt, tut oder lässt, mag uns im Einzelnen
betrachtet unwichtig und geringfügig erscheinen. Gleich
einzelner Schneeflocken, die zur Erde fallen. Doch die vielen
einzelnen Schneeflocken verbinden sich miteinander, bilden
eine Schneedecke, die dichter und dichter wird. Je nach
Bedingungen und Gegebenheiten können sie mitunter zu
gewaltigen und gleichwohl bedrohlichen Lawinen werden.
Wir alle
kennen sie..., jene, die mit einer Zigarette begannen und im
Laufe der Zeit zu Kettenrauchern wurden. Zunächst rauchten sie
nur so zum Zeitvertreib, mehr oder weniger aus einer Laune
heraus. Doch nach und nach gewöhnten sie sich daran. Ihr
Zigarettenkonsum stieg an ins Unermessliche. Sie wurden zu
„Gewohnheitsrauchern“.
Die
ständige, tagtägliche Wiederholung ist es, die zu Gewohnheit
bzw. einem guten oder weniger guten Verhalten führt.
Was sagt
der Islam dazu?
Der Islam
weißt Vater und Mutter verantwortlich für die „Veredelung“ der
Gesinnung ihrer Kinder. Diese gut zu erziehen, gehört zu den
wesentlichen Pflichten und Aufgaben, die er den Eltern
auferlegt.
Väter und
Mütter, die diese ihre Verantwortung vernachlässigen und die
Erziehung ihres Nachwuchses auf die leichte Schulter nehmen,
machen sich aus islamischer Sicht schuldig. Schuldig ihren
Kindern gegenüber als auch der Gesellschaft. Deshalb, weil
ungeratene Söhne und Töchter nicht nur sich selbst und ihren
Familien nicht zum Wohle gereichen, sondern ebenfalls nicht
der Allgemeinheit.
Prophet
Muhammad (s.a.s.) sagte in diesem Zusammenhang:
„Sorgt euch um die
Erziehung eurer Kinder, da ihr diesbezüglich große
Verantwortung tragt!“
Und Imam
Ali (a.s) sagte:
„Achtet und schätzt
eure Kinder und erzieht sie gut!“
Der Islam
misst der Moral hohe Bedeutung zu. Dementsprechend empfiehlt
er einem jeden, sich um gutes Verhalten und eine gesunde
Gesinnung zu bemühen, als auch für ein intaktes, erfreuliches
Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, zwischen Lehrern und
Schülern und den Mitmenschen ganz allgemein zu sorgen. Klar
und unmissverständlich kommt dieses in folgenden Wort des
Gesandten Gottes zum Ausdruck:
„Ich bin berufen
worden, um Moral und Tugenden zur Entfaltung zu bringen!“
Der Islam
hat mit seinen Weisungen für die Förderung und Festigung des
ethischen Fundamentes der Muslime und damit für deren
Wohlergehen in dieser als auch jener Welt gesorgt, worin eines
der hohen Ziele und Anliegen des Propheten Muhammad (s.a.s.)
bestand.