Harmonie
im Elternhaus....
Die
wesentlichste und natürlichste „soziale Institution“ ist die
Familie, die zudem- in der Regel- das grundlegendste Zentrum
zur Erziehung des Kindes darstellt. Mit anderen Worten: Das
Elternhaus. Dieses, das Elternhaus, kann- wir sagten es
bereits- sowohl positiven als auch negativen Einfluss auf die
kindliche Entwicklung haben.
Wir wollen
uns nun hier der Frage zuwenden, ob sich die eigentliche
Aufgabe der Eltern und Familie schlechthin auf das leibliche
Wohl des Kindes beschränkt oder aber ob sie tiefgehender ist
und sogar noch bedeutendere Dimensionen betrifft.
Wenngleich
der Islam auch zu Themen wie Ernährung, Wohnen, Familiengröße
und ähnliche materielle Belange wertvolle Empfehlungen gibt
und derlei Angelegenheiten als ebenfalls notwendig betrachtet,
so weiß er dennoch den wesendlichen und ausschlaggebenden
Faktor für das Wohlergehen der Familie in der harmonischen
Beziehung zwischen Mann und Frau als auch Eltern und Kindern.
Eingehende
wissenschaftliche Studien über den Einfluss zerrütteter
Familienverhältnisse auf die Entwicklung des Kindes geben
Aufschluss darüber, dass die psychische, geistige und soziale
Entfaltung unter derlei Bedingungen stark beeinträchtigt wird.
Noch ein
Hinweis: Kinder deren Eltern geschieden sind oder getrennt
leben, leiden mehr darunter, als wenn Vater und Mutter
gestorben wären!
Gestörte
Familienverhältnisse, gestörte Psyche...
Psychiatrische Untersuchungen ergaben, dass der häufigste und
wesendlichste Grund für psychische Störungen bei Kindern in
zerrütteten Familienverhältnissen zu suchen ist. Getrennt
lebende Eltern oder Konflikte und Kontroversen zwischen Vater
und Mutter verursachen ernste Schäden in der kindlichen
Gemütswelt.
Dort
jedoch, wo das Familienleben intakt ist und die Eltern
miteinander harmonieren, kann sich das Kind gut entwickeln...,
körperlich gesehen wie auch geistig-seelisch. Seine
Persönlichkeit entfaltet sich und erblüht immer mehr. Sein
Vertrauen zu seinen Eltern, seiner Umwelt und zu sich selbst
hilft ihm, Probleme gegenüber nicht zu verzagen. Es ist trotz
seines jungen Alters in sich relativ gefestigt, aufgrund
seines „gefestigten“ Elternhauses.
Dieses
bewirkt zudem, das es in der Lage ist, sein eigenes etwaiges
Fehlverhalten frei und offen zuzugeben und zu berichtigen.
Ohne Angst und Erregung, in aller Ruhe und Sachlichkeit.
Ebenso wie
das Kind einer vollwertigen, ausreichenden leiblichen und
geistigen Kost bedarf, um gesund aufwachsen zu können,
benötigt es noch einer weiteren „Nahrung“, der „Nestwärme“.
Das heißt, es muss sich sicher und geborgen fühlen.
Mit anderen
Worten: Das Kind muss sicher sein, das Vater und Mutter
einander gern haben, „ein Herz und eine Seele“ sind. Dieses
Wissen und natürlich die Gewissheit. Und dieses Gefühl, dieses
Geborgen- Wissen, ist die optimalste Nahrung für seine
psychische Entwicklung.
In diesem
Bewusstsein finden seine geistigen Kräfte als auch seine
ethischen Empfindungen, Interessen und Neigungen zu
Entfaltung. Im Gegensatz zu jenem Kind, das dieses
Geborgenheits- Gefühl nicht hat, dass die Harmonie seiner
Eltern entbehrt und sich somit „seines Lebens“ nicht sicher
ist. Ständig lebt es in Angst und Sorge, verzerrt sich
innerlich in seiner Unruhe und Unsicherheit.
Ein großer
Irrtum so mancher Eltern besteht darin, zu glauben, dass ihr
Kind von ihren ehelichen Kontroversen, auch wenn sie diese
noch so sehr vor ihm verbergen suchen, nichts wüsste. Dieweil
es recht gut an dem Verhalten von Vater und Mutter, deren
Blicken und überhaupt der gesamten „gespannten“ häuslichen
Atmosphäre erkennt, dass der „Haussegen schief hängt“. Es ist
nämlich weitaus empfindsamer und „wacher“, als sie in ihrer
Ahnungslosigkeit vermuten.
Wahl des
Ehepartners
Der Islam
hat eine Reihe interessanter Empfehlungen zur Ehepartner- Wahl
gegeben. Darum, damit die Familienatmosphäre eine heitere,
herzliche und konstruktive sei. Damit sie nicht zur Hölle
werde, deren Opfer die Kinder sein würden.
Das
bedeutet, das bei der Wahl des Ehepartners überlegt und
umsichtig zu Werke zu gehen ist. Leichtfertig sollten keine
Ehen geschlossen werden, da dieses zu einem bitteren Aufwachen
führen kann und in jedem Fall die Kinder es sind, die am
härtesten unter ungesunden Ehe- und Familienverhältnissen oder
gar Scheidung zu leiden haben.
Geistige,
genauer gesagt: weltanschauliche und glaubensmüßige
Übereinstimmung zwischen „ihr“ und „ihm“ sind Voraussetzung zu
einer guten Ehe. Diesem Punkt ist unbedingt Beachtung zu
schenken, bevor man sich zur Heirat mit „ihr“ oder „ihm“
entschließt. Ehen, die nur aufgrund eines blinden Verliebseins
zustande kommen, gehen sehr leicht in die Brüche, da sie
„unüberlegt“ geschlossen und die erforderlichen
Voraussetzungen nicht bedacht wurden. Dieses aber ist
unverantwortlich den zu erwartenden Kindern gegenüber, denen
damit die Möglichkeit, in der Nestwärme eines intakten
Elternhauses aufwachsen und sich entwickeln zu können,
genommen wird.
Aus diesem
Grunde betont der Islam, dass sich Mann und Frau zunächst
vergewissern müssen, ob diese eben angesprochene Harmonie
zwischen ihnen vorhanden ist, bevor sie sich ihr Ja-Wort zu
einem gemeinsamen Leben geben.
Anhand
folgenden Vergleichs wird uns die Relevanz dieser
Voraussetzung deutlich:
Nehmen wir
eine chemische Zusammensetzung zwischen zwei Elementen. Je
mehr diese beiden Elemente miteinander „verbunden“ sind, umso
fester ist ihr Gefüge. So ist es auch mit Ehepartnern. Je
einiger sie sich sind, umso haltbarer und unanfechtbar ist
ihre Gemeinschaft.
In einem
Zitat Imam Ga´far Sadiqs (a.s.) heißt es, dass die Liebe und
Freundschaft der Frau für ihren Mann (selbstverständlich auch
des Mannes für die Frau) ungeheuer wichtig ist.
Das heißt,
„er“ oder „sie“ haben einander „Freunde fürs Leben“ zu sein.
Diese Einigkeit und Harmonie zwischen Mann und Frau ist in
allen Bereichen ihres gemeinsamen Lebens erforderlich.
Mit anderen
Worten: Ein idealer Lebenspartner ist nicht der, der lediglich
seinen häuslichen oder außerhäuslichen Pflichten nachkommt,
sondern jener, der dem anderen- „ihm“ oder „ihr“ - in Liebe
und Freundschaft zur Seite steht, der wirklich ein
Lebenskamerad bzw. – eine kameradin ist.
Einem Kind,
das in der Obhut von Eltern aufwächst, die einander „Freunde
fürs Leben“ sind, sind die besten Vorrausetzungen zu einer
guten Entwicklung gegeben.
Zu erwähnen
ist in diesem Zusammenhang noch, dass der Islam zum Wohle
einer guten Ehe und Partnerschaft- ganz abgesehen von Liebe,
Freundschaft und Fürsorge füreinander- zu Nachsicht und Geduld
untereinander mahnt.
Er fordert
„sie“ und „ihn“ auf, einander zu ehren und zu schätzen,
niemals aber zu beschimpfen, zu kränken und Rohheiten,
Grobheiten und Rücksichtslosigkeiten unbedingt zu meiden.
Höflichkeit, Füreinander- Dasein, ein liebevoller, ehrender
Umgang mit Langmut sind es, die der Ehe zu Glück und Bestand
verhelfen. Gewalt, Unrecht, Ungerechtigkeit, Betrug und
Untreue dagegen sind Dinge, die dem gemeinsamen Leben ungemein
schaden. Nicht „er“ und nicht „sie“ dürfen sich derlei
„Mittel“ bedienen.
Und da
beide - Mann und Frau - in ihrem Ehe- und Familienleben
Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft aufzubringen haben,
richtet Prophet Muhammad (s.a.s) dieses Wort an sie:
Wenn „er“ angesichts
„ihrer“ Unfreundlichkeit langmütig zu bleiben versucht und
sich darum ernsthaft bemüht, wird Gott ihn mit der Geduld „hiobs“
stärken und belohnen.
Und wenn „sie“
„seine“ Unfreundlichkeit erträgt, wird Gott sie mit Rang und
Wohl der Assia, der Frau des Pharao belohnen.
Aus der
Überlieferung (Riwayat, Hadit) erfahren wir folgendes Wort
Imam Sadiqs (a.s):
Erträgt eine Frau das
unschöne Verhalten ihres Gatten, so wird dieses als „Gihad“
verstanden.