Hoffnung
auf das Morgen
Mit der
Hoffnung auf das „morgen“ lebt der Mensch. Wenn diese Hoffnung
nicht wäre, wie könnte er sein Leben wirklich „leben“? Ohne
diese, die Zukunft betreffenden hoffnungsfrohen Perspektiven
würden der Lebenswille erlahmen und die Räder sich immer
schleppender und träger drehen, bis das sie schließlich stille
stünden.
Unsere
Bemühungen und Anstrengungen, die wir uns auferlegen und all
die Härten und Bitterkeiten, die wir durchstehen..., sie alle
sind um eines besseren Morgens willen.
Mütter, die
unter Opfern ihre Kinder großziehen..., Arbeiter und Bauern,
die bei Frost und Kälte, Hitze und Regenfällen dennoch ihre
Pflichten erfüllen und Schwierigkeiten ertragen..., sie alle
denken dabei an das, was sie dadurch gewinnen, an das
Kommende.
Die
Vergangenheit ist beendet. Ihr gilt die Daseinssorge nicht
mehr. Und auch die Gegenwart ist nur im Hinblick auf das, was
kommt, von Wert. Andersfalls würde der Mensch nur einfach in
den Tag hineinleben, genießen, was sich ihm bietet und an
Fortschritt und spätere Früchte keinen Gedanken verschwenden.
Was hätte es denn auch für einen Sinn, ohne erfreuliche
Perspektiven lohnte es sich nicht, sich um das Morgen zu
bemühen.
Das Kind
geht deswegen heute zur Schule, damit ihm morgen sein Wissen
zugute kommt.
Kurz: Der
eigentliche Bewegungsgrund der Mühen und Anstrengungen des
Menschen ist seine Hoffnung, seine Hoffnung auf ein besseres
Morgen.
In dem
Blinden an der Straßenecke, der – sein kleines Kind auf den
Armen haltend- Streichhölzer verkauft, erkennen wir, dass auch
er um der eigenen Zukunft und der dieses Winzlings an seiner
Brust willen das Dasein bejaht und alles in seinen Kräften
stehende tut.
Selbst in
den Gefängnissen lesen wir in den Gesichtern der Häftlinge die
Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit, auf jene Zeit, da sie
Frau und Kinder wiedersehen werden. Auch wenn sie noch viele
Jahre hinter Gittern zubringen müssen.
Die
Hoffnung ist es, die ihnen das Schwere und Bittere ihres
Daseins erträglicher macht und ihnen die Kraft gibt,
durchzuhalten. So Gott will! Wenn diese Hoffnung schwände,
wäre das Leben stumpf und träge...
Eines Tages
ging Jesus (a.s) an einem Feld vorbei. Er sah einen alten
Mann, der sich plagte, den schweren Boden umzugraben.
Jesus
sprach: „O Gott“ Nimm die Hoffnung aus seinem Herzen!“
Noch war
kein Augenblick vergangen, als der alte Mann seine Schaufel
fortlegte, sich niedersetzte und in tiefen Schlaf versank.
Jesus
sagte: „ O Gott! Gib ihm seine Hoffnung zurück!“
Der Alte
Mann wachte auf, erhob sich, nahm seine Schaufel wieder zur
Hand und begann erneut und unter großen Mühen, seinen Acker zu
bearbeiten.
Jesus
fragte ihn: „Warum hast du für kurze Zeit deine Arbeit
unterbrochen, geschlafen und mühst dich nun weiter?“
Der alte
Mann sagte: „Während ich arbeitete, sah ich mit einem Male den
Tod und das Nichts vor mir. Es war mir, als ob jemand zu mir
sagte: Für was arbeitest du eigentlich?
Ich fühlte
mich plötzlich unendlich müde und legte meine Schaufel aus der
Hand. Dann fielen mir meiner unversorgten Enkel ein..., ihre
Zukunft. Der Lebenswille begann sich erneut in mir zu regen.
Und so begann ich aufs Neue...“
Mit anderen
Worten: Zwischen Hoffnung, Aktivität und Mühen besteht ein
enger Bezug. Je größer die Hoffnung ist, umso intensiver sind
Arbeit und Fleiß.
Nebenbei,
je erhabener und wertvoller Streben und Wunsch sind, umso
mühevoller ist es zumeist, das Ziel, das sie meinen, zu
erlangen.
Auch das
soll nicht untersagt bleiben: Ganz allgemein wird dann das
Leben und dessen Bedeutung als wertvoll und beglückend
empfunden, wenn der Mensch unter Mühen und Fleiß das Ziel
seines Strebens erreicht.
Der,
welcher ohne Hoffnung ist und keine Zukunftsperspektiven hat,
wird seinem Leben nichts Positives abgewinnen. Er ist gleich
einem Toten, der inmitten der Lebendigen dahinvegetiert.
Es versteht
sich daher von selbst, das es den Eltern ein wichtiges
Anliegen sein sollte, ihre Kinder von klein auf so zu
erziehen, dass sie steht’s ein Ziel, welches sie
zuversichtlich anstreben, vor Augen haben. Selbst Spiel und
Freizeit sollten nicht ohne Ziel und Hoffnung sein. Kinder,
die so aufwachsen, werden von Anfang an vom Geist
vitalvisierender Kreativität durchdrungen sein, in allen
Lebensphasen widerstandsfest und hoffnungsfroh den Dingen ins
Auge schauen und das Angestrebte zu erreichen versuchen. Sie
verneinen das Dasein nicht, lassen sich von negativen,
lähmenden Gedanken nicht übermannen, geben sich Verzweiflung
und Mutlosigkeit nicht hin und meistern ihr Leben kraftvoll,
zukunftsorientiert und ideenreich.
Aus diesem
Grunde sind viele Psychologen der Meinung, dass es nicht
sinnvoll ist, alle Wünsche des Kindes zu erfüllen. Darum,
damit es lernt, sich selbst um die zu bemühen und erfährt,
dass das, was es begehrt und möchte, erarbeiten werden muss.
Zudem: Die
zeitweilige Konfrontation mit etwas, das ihm missfällt, gibt
ihm die Gelegenheit, sich damit gemacht werden, erweisen sich
in der Regel als lebensuntüchtige Erwachsene.
Im
Gegensatz zu diesem Verhätscheln und Verzärteln steht
-
wir sprachen bereits in einem anderen Zusammenhang
darüber
-
die gewaltsame und rohe, rücksichtslose Behandlung,
unter der bedauerlicherweise noch unendlich viele Kinder
dieser Erde zu leiden haben, Ansichten und Verhaltensweisen
werden ihnen aufgezwungen, Freiheiten und Rechte ihnen nicht
zugestanden und ihre Neigungen und Interessen wird keinerlei
Beachtung geschenkt.
Keine der
beiden genannten Verfahrensweisen gereichen dem Kind zum
Wohle. Beide zerstören seine ganz natürliche Kreativität und
Konstruktivität.
Richtig
ist, von Anfang an so mit ihm umzugehen, dass Hoffnung und
eine positive Lebenseinstellung in ihm wachsen und reifen
können. Sich zu beschäftigen und für etwas zu interessieren
ist etwas, das seiner Entwicklung dienlich ist. Schließlich
dürfte wohl allen klar sein, dass eine sinnvolle und gern
ausgeführte Betätigung von so manchem Unfug abzuhalten vermag.
Somit ist also auch dieser Punkt bei der Erziehung unbedingt
zu entsprechen, nämlich:
Dem Kinde
Freude an Arbeit und Betätigung zu vermitteln!
Bedauerlicherweise sind es aber- und zwar weltweit- nicht
wenige junge Menschen, die nicht wissen, was sie mit sich
anfangen sollen, da ihnen Möglichkeit, dieses zu lernen, nicht
gegeben wurde. Sie rennen diesem und jenem „Phantom“ nach, auf
der Suche nach dem für sie Richtigen. Oder aber vagabundieren
ziellos umher, um ihre innere Unruhe und Verwirrtheit zu
entkommen und auf irgendeine Weise ihre Bedürfnisse zu
befriedigen. Häufig landen sie letztlich- gestrauchelt und
zerstört- in der Gosse. Ohne Hoffnung auf einen Morgen, in
Drogen und Alkohol Zuflucht suchend...
Wer ist
dafür verantwortlich zu machen und wie derartigem vorzubeugen?
Auseinanderzusetzen und zu lernen, es zu verkraften. Dieses
stärkt es und macht es bereit, sich auch von größeren
Schwierigkeiten und Unerfreulichkeiten nicht unterkriegen zu
lassen, sondern davon, dass dieses auch seinem Wollen und
seiner Vernunft dienlich ist.
Es gilt zu
bedenken, dass mit dem Überwinden der Schwierigkeiten und
Unbilden des Lebens gleichzeitig Wachheit, Umsicht und Wille
wachsen und aktiviert werden, das heißt jene Faktoren, die zur
Bewältigung der Probleme notwendig sind.
„Hemmschuhe“
Ein folgenschwerer Erziehungsfehler ist das extreme Reagieren
so mancher Eltern. Einige Mütter und auch Väter „verhätscheln“
ihre Kinder so sehr, dass diese selbstzufrieden, anspruchsvoll
und unausgerüstet für das Leben heranwachsen. Wenn sie dann
später in die große Welt der Erwachsenen eintreten, geraten
sie schon gleich bei der ersten Schwierigkeit, die ihnen
begegnet, außer sich. Ganz abgesehen davon, dass sie sich im
Umgang mit ihren Mitmenschen recht unfähig erweisen, da sie
oft die elementarsten Grundregeln für ein soziales Leben, für
Zusammenarbeiten und- denken nicht gelernt haben. Sie fühlen
sich weder in der Schule noch am Arbeitsplatz wohl, weil sie
nicht in der Lage sind, sich in die Gemeinschaft „anzupassen“
und bei der geringsten Kleinigkeit, die ihnen gegen den Strich
geht, gleich meinen, ihnen würde Unrecht geschehen. Völlig
unselbstständig und verwirrt neigen sie dazu, allem zu
entfliehen oder aber mit Gezeter und bitteren, oftmals
ungerechten Vorwürfen zu reagieren, anstatt sich in Geduld zu
üben und selbst dazu beizutragen, die Verhältnisse positiv zu
verändern bzw. sich in ihre Umwelt einzupassen.
Kurz:
Kinder, die verhätschelt und verwöhnt aufwachsen und mit den
oft rauen Realitäten des Lebens nicht vertraut.
Gewiss ist,
dass der junge Mensch die wahre Bedeutung des Lebens kennen
lernen muss, um überhaupt die Chance zu haben, den richtigen
Weg wählen und dann gehen zu können! Den Erziehenden kommt
diesbezüglich eine große Verantwortung zu. Sie haben sich
daher stets dessen bewusst zu sein, dass der
Persönlichkeitsentfaltung des Kindes und Jugendlichen größter
Wert beizumessen ist. Von klein auf ist damit zu beginnen!
Nicht
vergessen!