Unbedingt zu beachten:
Zweifellos!
Das Kind und seine Entwicklung sich selbst zu überlassen, ist
ein ungeheuerer Fehler. Ein Zeichen von Unverstand und
Verantwortungslosigkeit. Dieweil Tiere und Pflanzen gehegt,
versorgt und Wildsorten veredelt werden, so das erstaunliche
Zucht- und Kultivierungsergebnisse das Resultat sind, werden
mancherorts Kinder sich selbst überlassen. „Ungehegt“ wachsen
sie auf, voller „Wildtriebe“.
Wie kann,
wie darf das möglich sein?! Wie viel Unrecht wird den jungen
Menschen damit angetan! In welches Elend werden sie dadurch
gestoßen! Wie viel wertvolle potentielle Kräfte und Begabungen
werden auf diese Weise vergeudet!
Andererseits: Ungeduld und Voreiligkeit in Sachen „Erziehung“
bringen ebenfalls keine Früchte. Geduld und Zeit sind
vonnöten!
Gerade
diese „Geduld und Zeit“ aber sind in unserer hektischen Epoche
zur „Mangelware“ geworden. Der Mensch des Computer- Zeitalters
ist in Eile. In chronischer Eile, der er sich selbst schon gar
nicht mehr bewusst ist. Am liebsten möchte er alles
„maschinell“ erledigen. Damit es schneller und „rationeller“
geht und er sich anderem, „Wichtigerem“ – wie er meint!-
widmen kann.
Im Zuge
dieses Denken glauben einige, die Erziehung ihrer Kinder
ebenfalls anderen überlassen zu können, damit sie selbst für
diese und jene Angelegenheiten und Zielsetzungen „frei“
werden. Und in den Reihen jener, die die Erziehung ihres
Nachwuchses nicht aus der Hand geben wollen, sind es
inzwischen auch schon etliche, denen es darum geht, bei der
Wahrnehmung dieser so wesentlichen und komplizierten Aufgabe
möglichst „rationell“, „automatisch“ und „schematisch“
vorzugehen. Das heißt, ohne Zeit zu verlieren und ohne die
individuelle Besonderheiten ihres Kindes zu berücksichtigen,
soll es sich rasch und zügig entwickeln und „etwas werden“.
Dieweil
doch eine der pädagogischen Grundregeln lautet:
Geduld,
Geduld und nochmals Geduld!
Mit anderen
Worten: Dem Kind ist nicht das, was es wissen muss, auf die
Schnelle begreiflich zu machen. Um erkennen, verstehen und
lernen zu können, muss man ihm Zeit lassen!
Hin und
wieder hört man im Zusammenhang mit diesem oder jenem Kind,
dass es „schwierig“ sei, schwer erziehbar, nichts begreife und
nicht annehmen wolle, was man ihm sage...
Und
ähnliches mehr.
So zu reden
ist vorschnell und ungerecht. Immer und in jeder Situation ist
der Mensch – alle Menschen! – dabei, „aufzunehmen und zu
lernen“. (Es sei denn, er wäre bewusstlos)
Nur, und
das ist der springende Punkt, die „Lernmilieus“ und
„Lernbeispiele“ sind unterschiedlich.
Von Kindern
z.B. die jahrelang in einer Umgebung leben, in der Lüge und
Betrug an der Tagesordnung stehen und sich somit ebenfalls
daran gewöhnt haben, ist nicht zu erwarten, dass sie- auch
wenn sie in ein erziehungspositives Milieu umwechseln –
innerhalb kürzester Zeit zu aufrichtigen Menschen werden.
Ein
Erziehungswissenschaftler sagte völlig zutreffend:
„Die
gleiche Zeit, die jemand braucht, um sich etwas anzugewöhnen,
benötigt er, um es sich wieder abzugewöhnen.
Gutes und
Schlechtes ist erlernbar. Um beispielsweise von schlechten
Angewohnheiten abzukommen, sind Zeit und Geduld und gute
Lernbeispiele erforderlich. Von heute auf morgen und ohne
Vorbilder ist da wenig zu machen!
Angenommen,
ein Kind ist an Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in Wort und
Handeln gewöhnt. Wenn es jedoch bei irgendeiner Gelegenheit
von seinem Mitschüler hört, wie dieser seinen Lehrer
hintergehe und betrüge, um auf diese Weise schlechten Zensuren
oder Strafaufgaben aus dem Wege zu gehen und wie erfolgreich
er bisher mit diesem Vorgehen gewesen sei, so wird dieses dem
ehrlichen Kind zu denken geben. Die Möglichkeit, dass
derartiges „von Nutzen“ sein kann, ist ihm vor Augen geführt
worden. Es hat das, was ihm gesagt und als „nützlich“
beschrieben wurde, gehört und „aufgenommen“....
Da es aber
in seiner Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe immer wieder-
durch ein positives Lernmilieu und gute Lernbeispiele-
bestärkt und unterstützt wird, ist es nicht sehr
wahrscheinlich, dass es ebenfalls zu solch hässlichen und
unfairen Mitteln – die es ja als solche erkennt- greift.
Wird jedoch
das „Lernfeld: Lüge und Betrug“ aktiviert und zwar so, dass es
über das erstere, das heißt das „Lernfeld: Aufrichtigkeit und
Fairness“ dominiert, so wird dem Kind allmählich seine erste,
gute Gewohnheit erlöschen.
Kurz:
Lernen und Erzogen- Werden sind Angelegenheiten, die nach und
nach vonstatten gehen. Im Laufe der Zeit nur kann sich der
Mensch entfalten und vervollkommnen. Doch allzeit ist er im
Zustand des „Erfahrens, Lernens und Fortschreitens“. Die Frage
ist nur: In welcher Richtung...
Es ist wie
in der Schule. Die einen steigen im Hinblick auf Wissen und
Wertvolles Klasse um Klasse höher, die anderen erreichen auf
negativen, menschenunwürdigen Gebieten „Fortschritte“.
Jean Jaques
Rousseau, bekannter Schriftsteller des 18. Jahrhunderts,
vertrat folgende Ansicht:
Die
Erziehung des Kindes hat allmählich und behutsam vor sich zu
gehen. Es ist ein soziales Unrecht, bei der Erziehung-
entgegen der Natur- Hast und Eile walten zu lassen. Und
wenngleich das Kind zu Wahrheitsliebe angehalten wird, wird
ihm dennoch das Lügen beigebracht. Deswegen, weil eilig und
ungeduldig vorgegangen und dem Kind keine Zeit zu einem
gesunden Heranreifen gelassen wird...
Wenn der
Lehrer Geduld und Langmut walten lässt, wird er seinen Schüler
nicht überfordern und von ihm nichts verlangen, dem er noch
nicht gewachsen ist.
Es steht
außer Frage, das Hast und Übereile immer von Übel sind. Ganz
gewiss aber in Erziehungsangelegenheiten. Will man das junge
Menschenkind, dieses hochsensible und in vielerlei Hinsicht
noch unbekannte Geschöpf in Hast und Ungeduld erziehen, so ist
mit fatalen Folgen zu rechnen.
Zu den
Gründen für geistige und ethische Dekadenz, die eine
Erscheinung kranker Gesellschaften ist, gehört unter anderem
die unter Kindern und Jugendlichen verbreitete „Frühreife“.
Negative soziale Faktoren, Obszönitäten, die propagiert und
feilgehalten werden, als auch zügellose Freiheiten und
dergleichen – einhergehend mit einem akuten Mangel an
wirklichen Vorbildern und Idealen- tragen dazu bei, dass das
Kind vorzeitig in ein Stadium eintritt, welches seiner
natürlichen Reife, geistigen Entwicklung und Gefühlswelt noch
keinesfalls entspricht.
Machen sich
bei einem natürlich und normal heranwachsenden Mädchen oder
Jungen Anzeichen der Pubertät bemerkbar, wird gleichzeitig
auch eine entsprechende geistige- moralische Entfaltung
erkennbar. In dieser kritischen Pubertätsphase, in der sich
das junge Menschenkind nun befindet, sind es sein ebenfalls
herangereifter Geist und Verstand, der es um die Klippen
herumlotst und es vor einem Kentern bewahrt.
Heute aber
erwacht oftmals der Sexualtrieb des heranwachsenden Kindes
infolge provozierender Faktoren schon vorzeitig, dieweil sein
Verstand und Geist noch keinesfalls Schritt halten können. So
etwas muss ja zu Disharmonie und Verirrungen führen!
Die
Jugendzeit ist- Körper und Geist betreffend- eine sehr
wichtige Phase im menschlichen Entwicklungsprozess. Die
Jugendlichen haben ganz besonders in dieser schwierigen,
krisen- konfliktreichen Zeit ein Anrecht darauf, dass die
Erwachsenen ihnen geduldig und freundschaftlich zur Seite
stehen und ihnen Orientierungshilfe sind.
In diesem
Zusammenhang ist es angebracht, in Kürze auf folgendes
hinzuweisen. Etliche Erziehungswissenschaftler, die sich für
Reformen im internationalen Erziehung- und Bildungswesen
interessieren, sind der Meinung, das zunächst einmal das
Erziehungs-. und Bildungswesen der Länder in aller Welt zu
prüfen sei. Nachdem man die Situation der einzelnen Bildungs-
Systeme und auch deren Schwachpunkte festgestellt habe, könne
man mit entsprechenden Reformen beginnen. Einige plädieren
dafür, ungeeignete Erziehungs- und Bildungsmethoden durch gute
und bewährte zu ersetzen. Doch, so sagen sie, müsse dabei
vorsichtig und behutsam zu Werke gegangen werden. Darum, weil
auch Sitten, Gebräuche und Traditionen eines jeden Volkes, dem
diese „beste Methode“ zugedacht werden würde, ebenfalls zu
berücksichtigen seien. Nur in Miteinbeziehung dieser in das
neue Erziehungs- und Bildungsverfahren sei dieses einzuführen
und zwar ganz allmählich, um Konflikten und Misserfolgen
vorzubeugen.
Mit anderen
Worten: Ohne Berücksichtigung der individuellen kulturellen
Situationen einer Bevölkerung ist diese mit einer neuen
Erziehungs- und Bildungsordnung nicht zu konfrontieren. Darum,
weil möglicherweise Aspekte und Bestimmungen dieses neuen
Systems den jeweiligen Landessitten- und Überzeugungen
widersprechen könnten oder aber die betreffende Gesellschaft-
aus irgendwelchen Gründen – zu einer Übernahme nicht bereit
sei-
Bedauerlicherweise aber stehen Tore und Türen so mancher
Gebiete dieser Erde fremden Kulturen, Denkweisen und
Verhaltenssystemen weit offen bzw. werden- sozusagen- auf
„Schleichwegen anpirscht“ und aufgestoßen..., ungeachtet der
Tatsache, dass sie so gar nicht Tradition, Kultur und
ethische- religiösen Grundsätzen der jeweiligen Bevölkerung
entsprechen. Mit dem Ergebnis, dass viele der noch nicht
gefestigten und noch nicht herangereiften Jugendlichen- und
bisweilen auch Erwachsenen- mit geschlossenen Augen die
fragwürdigsten fremden kulturellen Elemente, die unaufhaltsam
ins Landesinnere eindringen und in krassem Widerspruch zu
Auffassung und Weltbild der eigenen Familie und Gesellschaft
stehen, übernehmen.
Bilanz:
Verwirrung, Verirrung, Sittenverfall, kulturelle Dekadenz,
Identitätsverlust und, und, und....