Schatten
des Lebens
Der Mensch
ist von klein auf, durch alle Lebensphasen hindurch bis ins
hohe Alter hinein, nie frei von Angst. Etwas ist immer, vor
dem er sich fürchtet..., nur mit dem Unterschied, dass die
Ängste verschiedener Art sind.
Einmal ist
es die Dunkelheit, die ihm – meistens im Kleinkindalter –
unheimlich ist und in ihm Furcht auslöst, ein anderes Mal eine
gefährliche Krankheit. Dann wieder ist es die Angst vor Armut,
Krieg, Atombomben. Erdbeben und sonstigen Naturkatastrophen
und schließlich die Angst vor dem Alter, Alleinsein und dem
Tod. Wohl niemand ist anzutreffen, der in seinem Leben das
Gefühl der Angst nicht kennengelernt hätte.
Der
Höhlenmensch. Dem Möglichkeiten und Mittel so gut wie nicht
gegeben waren, fürchtete sich vor vielem. Und auch der Mensch
des goldenen Zeitalters der Technologie ist von Ängsten nicht
verschont.
Jedoch im
ganzen Verlauf der Geschichte war bzw. ist dieses beobachtet:
Ist jemand
gläubig, das heißt von tiefem, echten Gottesglauben
durchdrungen, so fechten ihn viele Ängste, die die Menschen
seiner Zeit beunruhigen, nicht an. Wohl aber eine andere Art
von Angst und zwar die Furcht, zu sündigen und dadurch Gottes
Zorn zu erregen und mit unangenehmen Ergebnissen im Jenseits
konfrontiert zu werden.
In dieser
Zusammenfassung sei daran erinnert, dass im Heiligen Koran –
dort, wo die Guten beschrieben werden- unter anderem auf diese
ihre Besonderheit hingewiesen wird, nämlich:
„Sie
fürchten sich nicht, haben keine Angst“
Mit anderen
Worten: Nur wirklich gute und hervorragende Menschen sind es,
denen Angst und Furcht vor irdischen Unbilden nichts anhaben!
Angst
und Selbsterhaltung
Jene Angst,
die dem Selbsterhaltungstrieb entspringt, dient dem Schutz des
Lebens. Wenn diese Form der Angst nicht wäre, würden sich die
Menschen beispielsweise nicht vor wilden Tieren und
Naturkatastrophen in Sicherheit bringen.
Ganz
abgesehen davon sind es noch lange nicht alle, die sich
bereitwillig und gern an die in ihrer Gesellschaft herrschende
Gesetzesordnung halten, sondern mehr oder weniger
Notgedrungenerweise, da sie wissen, das sie bei
Zuwiderhandlung vor den Kadi zitiert werden. Wie dem auch sei,
auch diese Angst oder Besorgnis dient dem Wohle des einzelnen
als auch der Gesellschaft.
Das heißt
also: Ängste dieser Art sind dem Menschen und seiner
Sicherheit durchaus von Nutzen.
Naturbedingt oder erworben?
Das Thema,
ob „Angst“ naturbedingt ist oder erworben, wird immer wieder
aufgeworfen. Mit Recht, da dieser Frage in der Kindererziehung
eine relativ wichtige Rolle zukommt, denn es gilt zu wissen
bzw. zu ergründen, ob die Furchtsamkeit eines Kindes zu
verhindern oder als „natürlicher Selbstschutz“ zu betrachten
ist. Allerdings, wesentlich sollte uns in erster Linie sein,
das unser Kind nicht von Ängsten geplagt ist und unbeschwert
und glücklich heranwachsen kann. Zu einem zuversichtlichen,
lebensfrohen und couragierten Erwachsenen.
Dazu aber
gehört, dass wir darüber Kenntnis haben, das viele Ängste –
wie zum Beispiel die „Furcht vor Dunkelheit“ – „erworben“
sind. Dieses wird seitens der modernen Psychologie bestätigt,
ebenso wie die Tatsache, das sich das Kind in bestimmten
Fällen und Situationen naturgemäß fürchtet, besser gesagt:
erschrickt. Beispielsweise bei Schmerzen, bei einem
plötzlichen lauten Geräusch oder wenn es seinen Halt verliert
und abzustürzen droht.
Das Kind
mit irgendwelchen Dingen zu ängstigen, - z.B. mit
„gespenstern“ oder mit der Dunkelheit (in der es alleine
zurückgelassen wird, um es zu verwarnen), mit finsteren
Abgründen, Höhlen, Gruben, Kerkern und derlei Unfug – spricht
von hochgradiger Dummheit. Leider gibt es auch heute, in
unserer aufgeklärten Zeit, immer noch jene, die sich solcher
Methoden bedienen und damit der Psyche des Kindes großen,
oftmals nicht wieder gut zu machenden Schaden zufügen.
Glaube
und Furcht
Eingehende
Studien lassen erkennen, dass die Ursache für so manches Übel
wie Betrug, Brutalität, Vergewaltigung, Raub, Mord und
Tyrannei in Glaubendlosigkeit zu suchen ist.
Ein
gläubiger Mensch, der sich an Gottes Wort gebunden fühlt, wird
sich von derlei Hässlichkeiten fernhalten. Und es dürfte wohl
kein Zweifel darüber bestehen, dass echtem Gottglaube und die
Ehrfurcht vor Gott jene Stärke und Entschlossenheit,
Versuchungen erfolgreich standhalten zu können, schenken.
Abgesehen
davon hilft der Glaube auch gegen Ängste verschiedener Art.
Der Glaubende wird sich niemals vor Geistern, Gespenster und
ähnlichem fürchten. Ebenso wird er der Angst vor Armut,
Krankheit und Tod den Zugang zu sich verwehren. Daseinängste
kennt er nicht und „Roboterhorror“ ist ihm fremd. Die
erstaunliche und bisweilen geradezu „schwindelerregende“
Technologie des Weltraumzeitalters jagt ihm kein Grauen ein,
sondern lässt ihn vielmehr hellhörig und wachsam werden, um
bei Gegebenheit vor Missbrauch zu warnen oder – nach
Möglichkeit – dagegen etwas zu unternehmen. Denn: Fortschritt
und Technologie sind gut! Vorrausgesetzt, dass der Mensch
(bzw. die Menschheit) dadurch keinen Schaden nimmt. Das heißt
also: das Grauen und Ängste bezüglich einer im Dienste des
Lebens stehenden Wissenschaft und Technik fehl am Platze sind,
- etwas, dessen sich der Glaubende bewusst ist.
Darum ist
angezeigt, das Vater und Mutter ihrem Kind von klein auf
Gottvertrauen und jenen Trost und Jene Kraft, die im Glauben
ruhen, vermitteln. Mit dem Resultat, dass es sich – gestützt
auf seinen Glauben und sein Gottvertrauen- nicht nur von
Hässlichkeiten distanziert, sondern zu einem zuversichtlichen,
frohen und freiheitlichen Menschen heranwächst.
Ein Blick
in die gesamte islamische Geschichte gibt Aufschluss darüber,
dass sich jene, die von echtem Glauben an Gott und Seine
Allmacht und Güte durchdrungen sind, in der Praxis weitaus
kühner und gewappneter erweisen als Glaubenslose und –
schwache. Bestes Beispiel hierfür sind Tapferkeit, Kraft und
Entschlossenheit der Muslime, wenn sie sich ihre Feinde zu
erwehren haben.
Wie ist
Angst zu heilen?
Einige sind
der Meinung, dass der Ängstliche mit dem, vor dem er sich
fürchtet- Auge in Auge – konfrontiert werden müsse, damit er
seine Furcht verliere.
Wenn sich
ein Kind beispielsweise vor dem Wasser fürchte, sei es
mehrmals hineinzuwerfen, bis ihm die Angst verginge.
Selbstredend ist diese Methode keine erfolgreiche und niemals
zu empfehlende. Darum, weil das Kind dadurch ungeheurem
psychischen Stress ausgesetzt wird, der seine Angst nicht nur
nicht heilt, sondern sie aller Wahrscheinlichkeit nach
intensiviert.
Heute
werden die Ängste des Kindes unter Anwendung psychologischer
Ereignisse und Praktiken behandelt und nach und nach
beseitigt, ohne dass das Kind in Stresssituationen kommt.
Ein
Beispiel hierzu: Der Psychologe Dr. Eysenck heilte ein Kind
von seiner Phobie vor Katzen in folgender Weise:
Er nahm
Gegenstände, die mit einer Katze in etwa Ähnlichkeiten hatten
und stellte sie in einer Entfernung von dem Kind auf. Zunächst
die, die weniger katzengleich waren. Mit aller Geduld und
Freundlichkeit animierte er nun das Kind, sich ihnen zu
nähern, dann, sie zu berühren. Nach dieser Methode ging er –
Schritt für Schritt – vor, bis das er dem Kind aus einiger
Entfernung eine lebendige Katze zeigte und es in der Lage war,
diese ohne jegliche Angst zu streicheln.
Abschließend noch dieses: Um unsere Kinder gut zu erziehen,
ist es wichtig, alles, das in ihnen Angst auslösen könnte, zu
vermeiden.
Folgende
Punkte sollten also unbedingt beherzigt werden:
-
Das Kind von klein auf im Geiste des Glaubens zu
erziehen und ihm Kraft und Zuversicht, die der Glaube an Gott
schenkt, Nahezubringen.
-
Im Kind die Freude an sinnvoller Tätigkeit und Arbeit
zu wecken.
-
Es niemals Angst und Schrecken zu versetzen!
-
Es keinesfalls, bevor es nicht die Bereitschaft dazu
erreicht hat, zu einer Aufgabe oder Arbeit zu nötigen, damit
es nicht in Furcht und Panik gerät.
-
Unter keinen Umständen ein ängstliches Kind seiner
Furchtsamkeit wegen zu hänseln oder zu rügen.
-
Es ist ihm in jeden Fall die Gelegenheit zu geben, mit
dem, vor dem es sich fürchtet, Schritt für Schritt und ohne
Zwang und Gewalt vertraut zu werden.