„..sie
wurden dennoch in ihrer Aufsässigkeit trotzend verharren.“
(Sure 23, aus Vers 75)
Eigensinnigkeit, Trotz….
Etwas, das
bei so manchem Kind recht ausgeprägt in Erscheinung tritt, ist
Eigensinnigkeit. Und diese, diese Eigensinnigkeit, kann
bisweilen das Familienleben arg belasten. Dass, was es will,
möchte es unter allen Umständen durchsetzen. Dabei ist das,
was es auf Biegen und Brechen zu erreichen sucht, im Grunde
zweitrangig. Wichtig ist ihm, das es sich behauptet, unter
allen Umständen! Und für Vater und Mutter sind seine
Hartnäckigkeit und Sturheit, mit der es sein Ziel verfolgt,
unendlich strapaziös und geradezu nerventötend. Wenngleich sie
und alle, die mit dem Kind zu tun haben, es von Herzen mögen,
so stört sein Verhalten doch recht empfindlich die Beziehung
zu ihm.
Um seinen
Kopf durchzusetzen, ist es nicht bereit, gutgemeinte
Erklärungen und Ansichten anderer auch nur anzuhören. Was
immer jemand ihm auch sagt, es fällt ihm ins Wort. Es geht ihm
nicht einmal darum, anderen verständlich zu machen, warum es
dieses oder jenes unbedingt möchte bzw. ablehnt. Es will! Und
das ist ihm Grund genug.
Wenn es
älter geworden ist, tritt diese Eigenschaft noch weitaus
unerfreulicher zu Tage. Oftmals gepaart mit starrer,
arroganter Rechthaberei bzw. Besserwisserei. Was immer man in
seiner Gegenwart sagt, es hat etwas dagegen einzuwenden.
Erhebt Einspruch, besser gesagt: Wiederspruch. Will zeigen,
dass es nicht einverstanden, das es „kontra“ ist. Es
kritisiert zumeist deplatziert und nicht selten in
degradierender, verletzender Weise.
Wie gesagt:
Seine Einwände sind überwiegend nicht fundiert, sondern
ungerecht und zeugen von seinem Unverstand. Unkontrolliert
sind seine Worte und ohne jegliche Rücksichtnahme und
Disziplin verstößt es gegen Würde und Meinungsfreiheit
anderer. Das, was für es Wert hat, ist einzig und allein sein
Wort! Alles andere zählt nicht.
Imam Ali (a.s) mahnte:
„Eigensinnigkeit
und Rechthaberei verderben das Denken!“
Ist es
angeboren, ererbt?
Zweifellos
sind Mentalität und Charakter der Eltern nicht ohne Einfluss
auf das Kind. Sie gehen als erste, wenn auch nur winzigkleine
Voraussetzung für die Wesensart des Kindes auf dieses über. Ob
diese „erste, winzigkleine Vorrausetzung“ jedoch zur
Entfaltung kommt und merklich in Erscheinung tritt, hängt
weitgehend von den Bedingungen des Milieus, in dem das Kind
aufwächst, ab.
Wenn es von
pädagogisch geschulten Eltern und Lehrern erzogen wird und
Umwelt und Bedingungen diese in ihm schlummernden
Voraussetzungen nicht aktivieren, werden sie sich auch nicht
nennenswert entwickeln.
Sind aber
Bedingungen und Milieu dergestalt, das besagte
„Voraussetzungen“ gefördert werden, so stehen ihnen zum
Durchbruch Tot und Tür offen.
Das hier
mit „Bedingungen und Milieu“ die verschiedensten Faktoren
gemeint sind – einschließlich gesundheitlicher, geistiger-
seelischer, gefühls-, erziehungs-, Umwelt – und selbst
ernährungsbedingter – dürfte wohl niemandem unbekannt sein. Es
gilt also, für geeignete, kind- und erziehungsgerechte
Bedingungen zu sorgen und zu wissen:
Das Kind
kommt nicht als widerspenstiges, störrisches Menschlein zur
Welt, sondern mit einem reinen, guten Urwesen. Einflüsse und
Bedingungen seines Lebensmilieus sind es, die es zu einem
„umweltfreundlichen“, klugen und konstruktiven Menschen werden
lassen, oder aber es so belasten, dass es als Querulant, als
eigensinniger, störrischer, rechthaberischer und egoistischer
Starrkopf in die Gesellschaft eintritt.
Zu den
Ursachen:
Eine
einzige Ursache allein ist es nicht, die die Widerspenstigkeit
des Kindes auslöst, sondern zahlreiche Gründe und Faktoren
sind dafür verantwortlich. Auf einige wollen wir – als
Beispiel – eingehen:
Extreme
Zuwendung
Dafür
können besondere Gründe vorliegen, wie: Einzelkind, lange,
schwere Krankheit oder sonstige Ausnahmesituationen, die die
Eltern und Angehörigen veranlassen, dem Kind übertriebene
Aufmerksamkeit zu schenken, es grenzenlos zu verwöhnen und ihm
jeden Wunsch – auch wenn dieser noch so unvernünftig sein mag
– zu erfüllen.
Mit dem
Resultat, dass das Kind maßlos in seinen Erwartungen und
Forderungen wird und mit Protest, Eigensinn und
Uneinsichtigkeit reagiert, wenn sie und seine „Anweisungen“
einmal nicht verwirklicht werden sollten.
Es versteht
sich von selbst, dass sich Kinder, die so „verhätschelt“ und
„verzogen“ werden, an diesen Zustand gewöhnen und erwarten –
und dieses nach und nach als ihr Recht betrachten! – das ihren
Forderungen Genüge getan wird.
Entbehrungen...
In allen
Altersstufen hat das Kind Bedürfnisse. Ebenso wie es stets
Nahrung und Kleidung benötigt, braucht es auch die Gelegenheit
und Möglichkeit zu Spiel und Erholung.
Einige
Eltern kommen infolge von Unwissenheit oder Gleichgültigkeit –
bisweilen auch in der Annahme, das Kind habe zu lernen, nicht
aber zu spielen – dieses seinem ganz natürlichen Bedürfnis
nicht nach. Spielen oder gar Spielzeug sind tabu!
Und es gibt
Familien, in denen dem Kind keinerlei Zuwendung und Liebe
entgegengebracht wird, dieses in ständiger Unruhe und Sorge
dahinlebt und das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit nicht
kennerlernt. Wie traurig ist es, zu hören, das dieses oder
jenes Kind sich als „unerwünscht“ und „überflüssig“ im eigenen
Elternhaus empfindet.
Das, was es
dort erfährt, sind Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit oder
aber Rohheit ihm gegenüber..., sind Streit, Zerwürfnis,
Schlägerei, Hohn und Schimpfworte.
Offensichtlich ist, dass es sich angesichts derartig
zerrütteter Familienverhältnisse und gravierender Entbehrungen
an Liebe und Geborgenheit nicht entfalten kann, dass in ihm
Komplexe und oftmals ein Höchstmaß an Widerspruch und Trotz
hervorgerufen werden.
Auch gibt
es Eltern, die ihren Kindern – entgegen aller Vernunft – nicht
ein Minimum an Freiheit gewähren und sie stattdessen so stark
einengen und unter Druck setzen, dass sie in ihrer
Hilflosigkeit und in dem völlig natürlichen Verlangen, sich zu
wehren, in Rebellion und Widersetzlichkeiten Zuflucht suchen.
Hin und wieder nimmt ihre „Aufsässigkeit“ gefährliche,
Kriminelle Ausmaße an.
Was sagt
der Islam dazu?
In
sämtlichen seiner Weisungen und Gebote wird dieses deutlich:
Der Islam weist alles, das zu Feindseligkeit, Unfrieden,
Lieblosigkeit, Zerwürfnis und Trennung führt, zurück und ruft
dazu auf, diesbezügliche Faktoren und Ursachen aus dem Weg zu
schaffen. Er empfiehlt zudem, selbst potentielle Gründe, die
möglicherweise Feindschaft verursachen können, zu vermeiden.
Von Imam
Baqir (a.s) ist dieses Wort:
„Meide Streit und
Fehde, auch wenn du im Recht bist!“
Wie sind
Eigensinnigkeit oder Widerspenstigkeit zu heilen?
Eigensinnigkeit oder Widerspenstigkeit jüngerer Kinder sind
nicht so ganz leicht zu „behandeln“. Auch hier gilt es, klug,
gründlich und mit Fingerspitzengefühl zu Werke zu gehen.
Anders, das heißt mit brutaler Gewalt vorgehen zu wollen, wäre
nicht nur völlig zwecklos, sondern würde das Kind noch tiefer
in Starrköpfigkeit und Trotz hineinmanövrieren.
Ebenfalls
ist es nicht angebracht, trotzige Kinder einfach gewähren zu
lassen und ihnen sämtliche Freiheiten einzuräumen.
Möglich,
dass wir auf diese Weise vor dem Gebrüll unserer Kinder
verschont bleiben und unsere Ruhe haben. Vorläufig wenigstens.
Doch auf die Dauer gesehen?
Beide
Methoden sind unqualifiziert und ohne pädagogisches
Gewährenlaßen.
Dadurch
würde der Trotz nicht „gebrochen „ oder beseitigt, sondern an
Intensivität zunehmen.
Ganz
abgesehen davon:
Körperlich
Züchtigung ist niemals ein Erziehungsmittel!
Es gilt
vielmehr, sämtliche Faktoren, die das Kind zu Trotz und
Widerspenstigkeit veranlassen, beiseite zu schaffen, damit es
zu Ausgeglichenheit und Ruhe kommen und seinen Eigensinn at
acta legen kann.
Der beste
Weg aber ist, seinen Starrsinn und Trotz – dem Schein nach –
nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wie gesagt: Dem Schein nach und
ohne, dass Vater und Mutter sich hilflos seinem Willen Fügen
oder aber von Gewalt und Strafen Gebrauch machen!
Mit Geduld,
freundlicher Festigkeit, Klugheit und Fingerspitzengefühl
werden sie es schaffen........