Erfolg
im Gesellschaftlichen Leben
Global
gesehen gibt es zwei Erziehungsebenen. Die eine betrifft die
ethische Entwicklung des Menschen, das heißt das Aufwecken und
Intensivieren dessen guten Eigenschaften, so dass er zu einer
guten Gesinnung findet.
Die andere
ist auf das Sozialverhalten des einzelnen, mit anderen Worten,
auf seinen Bezug zur Umwelt abgezielt, auf die
zwischenmenschlichen Beziehungen.
Der
Erziehende versucht, im Kind das notwendige Verständnis für
seine Umwelt hervorzurufen, ihm die Grundlagen zu einem
gesunden Miteinanderleben in der Gemeinschaft Nahezubringen
und in ihm Verantwortungsgefühl für andere und anderes
zuwecken. Es muss lernen, Verantwortung zu übernehmen, um in
seinem späteren sozialen Leben erfolgreich sein zu können und
sich andererseits vor Verpflichtungen und Verantwortung nicht
zu fürchten.
Das Kind
ist „gehemmt“?
Jeder weiß:
Auch das Leben in der Gesellschaft erfordert – so es ein
erfolgreiches sein soll – gewisse Kenntnisse und genügend
Fingerspitzengefühl im Umgang mit anderen. Der, dem dieses
abgeht, tut sich im Miteinander mit den Mitmenschen – wo auch
immer! – schwer. Selbst „hochstudierte“ Leute, junge
Akademiker z.b. die gerade die Hochschule verlassen haben und
die ersten Schritte ins Arbeitsleben – inmitten der
Gesellschaft – setzen, sind mitunter zunächst einmal
frustriert, wenn sie erleben müssen, das ihnen ein rechter
Kontakt zu ihren Kollegen nicht gelingen will. Da nützt auch
nicht der höchste akademische Grad! Hier ist ein anderes
Wissen, eine andere „Reife“ vonnöten...
Der Grund
dafür, dass ihr Verhältnis, ihr Bezug zu den anderen gestört
ist, ist in ihrer unausreichenden, besser gesagt:
„einseitigen“ Erziehung zu suchen. Das, auf was in ihrer
Kindheit und Jugendzeit Wert gelegt wurde, war ihre
Intelligenz..., war, dass sie lernten, in der Schule Erfolg
hatten und gute Zeugnisse nach Hause brachten. Für ihre
„Sozialerziehung“ wurde nichts oder nur wenig getan. Sie blieb
auf der Strecke...
Kinder, die
so erzogen werden, finden später, wenn sie das recht begrenzte
Milieu von Elternhaus und Schule verlassen und in die
Gesellschaft eintreten, nicht zurecht. Darum, weil ihnen die
Grundlagen zu einem konstruktiven Miteinanderleben und
Miteinanderarbeiten in größerem Rahmen fehlen. Sie scheuen
sich, ihnen aufgetragene Arbeiten selbstständig auszuführen
und geraten geradezu in Panik, wenn man ihnen die
Verantwortung für irgendetwas überträgt. Sie möchten lieber im
„Schlepptau“ anderer leben, nicht aber aktiv, initiativ bzw.
kreativ mit ihnen.
Von daher
gesehen ist es wichtig, das: Vater und Mutter darauf achten,
das ihr Kind – mit Hilfe der wenn auch begrenzten
Möglichkeiten im Elternhaus – von früh auf mit den Grundregeln
zu einem intakten sozialen Leben vertraut gemacht wird, damit
es für sein späteres Leben in der Gesellschaft vorbereiten
kann.
Kind und
Verantwortung
Viele
Kinder, ob Mädchen oder Jungen, möchten zu Hause etwas tun,
irgendeine Arbeit erledigen. Kleine Mädchen haben eine
Vorliebe dafür, Wäsche zu waschen, Geschirr zu spülen oder gar
Essen zu kochen. Sie möchten mithelfen. Möchten beim Aufräumen
oder Saubermachen miteinbezogen werden, ganz besonders, wenn
es um das Ausschmücken der Wohnung geht....
Ebenso ist
es bei den Jungen. Sie freuen sich, wenn sie irgendwelche
handwerklichen Arbeiten in Haus und Hof selbstständig
verrichten dürfen.
Auch bei
den Schulkindern, in der Schule, ist diese Neigung
festzustellen. Die Bereitschaft, mitzuhelfen und sich nützlich
zu machen, ist unter Schülerinnen und Schülern groß.
Wenigstens bei recht vielen. Sie übernehmen gern Verantwortung
für dieses oder jenes und kommen dieser dann auch gewissenhaft
und voller Hingabe nach, - in der Bibliothek zum Beispiel, im
Labor, als Klassensprecher oder um leistungsschwachen
Mitschülern durchgenommenen Unterrichtsstoff begreiflich zu
machen.
Doch es
gibt auch jene Kinder, die sich vor jeder Aufgabe und
Verantwortung scheuen und bisweilen auch „drücken“ möchten.
Und wenn sie mit etwas beauftragt werden, so erledigen sie es
oftmals unzureichend und ziehen sich so schnell wie möglich
wieder zurück.
Sie gehören
zu jenen, in denen ein gesundes Verhältnis zur Umwelt nur
schwach ausgeprägt ist. Und forscht man nach, macht man häufig
die Feststellung, dass es mit ihrer Sozialerziehung im Argen
liegt und sich demzufolge ihr soziales Empfinden nicht zu
entfalten mochte. Diese Kinder werden, wenn sie herangewachsen
sind – trotz möglicherweise bester Schulabschlüsse und
dergleichen – nur wenig erfolgreich sein und somit ihr
wertvolles akademisches Wissen nicht optimal einsetzen.
Kurz: Es
liegt an uns, das in unserem Kind veranlagte natürliche
Sozialbewusstsein zu fördern, nicht aber „einzuschläfern“.
Ganz
sicherlich haben wir, so unsere Eltern – Kind – Beziehung eine
gute und gesunde ist, die Feststellung gemacht, das es oftmals
völlig freiwillig und gerne eine Arbeit, einen Auftrag
übernimmt. Darum, um uns, seinen Eltern – die wir ihm
(normalerweise) das Liebste und Wichtigste in seinem jungen
Leben sind – eine Freude zu machen, - zum anderen, um uns auf
sein Können und seine „Wertigkeit“ aufmerksam zu machen.
Bisweilen ist es sogar zu recht schweren und komplizierten
Aufgaben bereit und strengt sich nach Kräften an, sie so gut
wie möglich zu erledigen. Freuen wir uns darüber, erkennen wir
es an und sehen wir darin ein Zeichen seiner gesunden
Persönlichkeitsentwicklung.
Großer Irrtum
Anstatt
diesem völlig natürlichen Bedürfnis ihres Kindes Beachtung zu
schenken und es nun mit kleineren Aufgaben zu betrauen, um
dadurch sein Verantwortungsgefühl als auch sein gesundes
Selbstverstrauen zu fördern und in der rechten Weise zu
lenken, hindern so manche Eltern es daran, eine „Arbeit“ zu
übernehmen. Aus Angst davor, es könnte sie schlecht ausführen,
etwas dabei zerbrechen oder ähnliches...
Das aber
ist ein großer Irrtum, da sie dadurch die Bereitschaft des
Kindes, Positives zu tun, Verantwortung zu übernehmen und sich
zu aktivieren, von vornherein unterbinden und untergraben. Es
gilt daher, dem Kind immer wieder die Gelegenheit zu geben,
eine Aufgabe anzunehmen und zu versuchen, diese auch
auszuführen. Dieses ist der erste Schritt und die Prämisse
dazu, in ihm Verantwortungsbereitschaft zu wecken.
Ist
Verantwortungsbereitschaft erlernbar?
Hier stellt
sich die Frage, ob die Bereitschaft des Kindes mitzuhelfen und
Aufgabe und Verantwortung zu übernehmen, natürlich und in
allen Kindern „veranlagt“ ist oder nur in einigen?
Ohne
Zweifel, diese Bereitschaft und Neigung ist mehr oder weniger
allen Menschen gegeben. Wenn das Milieu, in dem das Kind
aufwächst und erzogen wird, geeignet ist, wird sich diese ganz
natürliche Veranlagung entwickeln und reifen können. Wird aber
in Elternhaus und Schule – also in seiner Umwelt – diese
Neigung nicht gefördert und gar blockiert, so wird sie nach
und nach erlöschen.
Mit anderen
Worten: Die Bereitschaft, Aufgaben und Verantwortung zu
übernehmen, ist in jedem Kind vorhanden. Ob sie jedoch geweckt
und unterstützt wird oder aber erlischt, liegt in der Hand
seiner Eltern und Lehrer, das heißt jener, die für seine
Erziehung zu sorgen haben.
Vater und
Mutter haben folglich darauf zu achten, das sie ihrem Kind
nicht verwehren, kindgerechte Aufgaben und Verantwortung für
etwas zu übernehmen, da dieses zu Schwierigkeiten in seinem
späteren Erwachsendasein, in seinem Leben in der Gesellschaft
führen würde.
Ebenso wie
die Kinder Laufen lernen und dabei hinfallen und Beulen und
Schrammen in Kauf nehmen müssen, ist es auch mit ihrem
Sozialverhalten. Auch dieses muss gefördert und „trainiert“
werden, was unter anderem erfordert, das wir dem Kind Arbeiten
und Aufgaben anvertrauen, um sein Pflichtgefühl und
Verantwortungsempfinden zu schulen und zu aktivieren. Auch
wenn es dabei Scherben gibt! Kein Meister fällt vom Himmel,
vergessen wir das nicht! Das Scherben-, Fehler-, und
Erfahrungsmachen gehört nun einmal zum Lernens-
Gespräch in
dieser oder ähnlichen Form erfolgen nahezu in allen Familien
und zwar recht häufig:
Lass mich
das machen!
Nein, das
kannst du noch nicht!
Doch, ich
kann!
Nein, du
bist noch zu klein“ Du hast das noch nie gemacht!
Es geht in
die Brüche! Wenn du größer bist dann...
Und so
fort....
Das sie auf
Dauer gesehen damit die Neigung ihres Kindes nach Initiative,
Kreativität, Selbstständigkeit, Verantwortung, Leistung-
Erbringen, Selbstbesttätigkeit und dergleichen abdrosseln, ist
den Eltern, die so reden, nicht bewusst.
Statt so zu
reagieren, wäre es gewiss sinnvoller, diese Bereitschaft des
Kindes pädagogisch zu nutzen und es – im Interesse der
Förderung seines Sozialverhaltens – mit Aufgaben, die es
erfüllen kann, zu betrauen. Auch wenn dabei möglicherweise
etwas zerbricht.
Wichtig ist
in diesem Zusammenhang zudem dieser Punkt:
Geht bei
dem Bemühen des Kindes, eine Arbeit auszuführen, etwas entzwei
oder gelingt es ihm nicht so, wie es möchte und es sein
sollte, wäre es grundverkehrt, es nun zu tadeln oder gar zu
schelten. Richtig ist in einem solchen Fall, ihm mit Geduld
und Freundlichkeit zu sagen und möglichst zu zeigen, „wie man
es macht“ sowie es durch Bestätigung seiner Persönlichkeit und
Fähigkeiten zu neuen „Versuchen“ anzuspornen.
Darum,
damit es sein Selbstvertrauen nicht verliert und sich in
Zukunft nicht scheut, eine Aufgabe zu übernehmen.
Kinder, die
nicht von Anbeginn auf das soziale Leben vorbereitet werden,
können ein positives, konstruktives Verhalten für ihr
Miteinander und Mitarbeiten in der großen Gesellschaft später
nur noch mühsam erlernen, da sie bereits „geformt“ sind. Sie
„umzuformen“ und ihnen nun erst das „How-Know“ für ihr Leben
in der Gesellschaft vermitteln zu wollen, ist ein schwieriges
Unterfangen und verbunden mit Enttäuschungen und Frust für den
jungen Menschen.
Noch
einmal: Zu den wesendlichen Pflichten der Eltern und Lehrer
des Kindes zählt, das sie sein „Sozialbewusstsein“ wecken und
unterstützen. Indem sie es mit kindgerechten Aufgaben betrauen
und dabei pädagogisch richtig vorgehen, stärken sie sein
Verantwortungsempfinden und Selbstvertrauen und fördern seine
Fähigkeit, später – als Erwachsener in der Erwachsenwelt –
größere Verantwortungen übernehmen und ihnen gerecht werden zu
können.