Abu Huraira

Gewusst wie....

Richtiger Umgang mit Kindern aus islamischer Sicht

von Magid Raschidpur

Inhaltsverzeichnis

Kreativität des Menschen

Kreatives Denken

Zu den Privilegien des Menschen gegenüber dem Tier gehört, - wie gesagt – sein Denkvermögen. Was seine Verteidigungsmöglichkeiten betrifft, ist er nicht wie das Tier ausgerüstet, das beispielsweise bei drohender Gefahr seine Farbe wechseln kann wie das Chamäleon, beim Davonlaufen blitzschnelle „Haken schlägt“ wie der Hase, durch einen Panzer geschützt ist, mit vielen Stacheln bedeckt ist, Gift verspritzt, enorme körperliche Kraft besitzt u.s.w..

Nein, derartiges ist dem Menschen nicht gegeben. Wohl aber Verstand und Denkfähigkeit. Damit verfügt er über eine wirksame Waffe, mittels derer er sich gegen Gefahren und Bedrohungen schützen kann.

Durch geistiges Erarbeiten und Schlussfolgern werden Ideen geboren..., kreative Gedanken, die – werden sie angewandt – zu erstaunlichen Ergebnissen führen können. Dieses „kreative“ Denken macht die Lösung kompliziertester Probleme möglich.

In der Schule wird diese Art Gedankenarbeit, dieses „Problem – Lösen“ im Mathematik-, Algebra-, Geometrie-, Chemie – und Physikunterricht „geprobt“. Ein versierter Lehrer wird aber auch in anderen Fächern wie Geographie, Geschichte und etlichen anderen diese Methode nutzen und seine Schüler vor Aufgaben stellen, die sie zu lösen haben. Auf diese Weise intensiviert und fördert er ihre Gedankenkraft und trainiert sie, logisch und kreativ zugleich zu schlussfolgern und vorzugehen. Wichtig ist allerdings dabei – und dieses ist ein weiterer Anreiz zu diesem logischen Verfahren und Vordringen in die Materie – dass das jeweilige gestellte „Problem“ Lebens – und praxisnah ist und die Schüler interessiert.

Mittels der schöpferischen Gedankenkraft ist es möglich, den engen Lebensraum zu verändern und ihn so zu gestalten, dass das Dasein leichter und dem Menschen dienlicher wird.

Der Wissenschaftler Robinson erklärte: „Kreatives Denken vermag die Welt zu verändern!“

Medizinische und technische Errungenschaften beispielsweise sind durch diese in die Praxis umgesetzten schöpferischen Gedanken und Ideen zustandegekommen.

Ein jeder versucht – so sollte es wenigstens sein – auf seine Weise sein Schäflein zu Wohlergehen und Fortschritt der Gesellschaft beizutragen .Der größte Dienst aber wird ihr erwiesen, wenn Maßnahmen zur geistigen und gedanklichen Förderung des einzelnen wie der Allgemeinheit ergriffen werden. Denn:

Wirkliches Wohlergehen und tatsächlicher Fortschritt sind nur im Rahmen eines gesunden, aktiven und kreativen Geistes möglich. Von dieser Warte aus betrachtet haben Elternhaus und Schule ernsthaft und engagiert dafür zu sorgen, die junge Generation mit richtigen, logischem Denken vertraut zu machen und ihr dieses zur Gewohnheit werden zu lassen.

Welch einen Sinn hätte es, den jungen Menschenkindern eine Menge trockenes Wissen einzutrichtern, mit dem sie nichts anzufangen wissen. Vermitteln wir ihnen darum wertvolle und verwertbare Kenntnisse und regen sie an, diese in reger, schöpferischer Gedankenarbeit zu nutzen und zu guten, menschheitsfreundlichen Resultaten und Errungenschaften zu kommen.

Das Anliegen der Schulen hat jedenfalls zu sein, die geistigen Kräfte der Jugend anzuregen und zu aktivieren, damit in ihr jener Geist, der sie motiviert, Probleme zu überwinden bzw. zu lösen, geweckt und intensiviert wird.

Eltern und Lehrer haben bei der Erziehung des Kindes von Anfang an dessen „Morgen“ zu denken und dementsprechend vorzugehen..., geplant und gezielt! Das Leben ist voller Schwierigkeiten, die es zu meistern gilt. Und das Kind ist rechtzeitig auf sie vorzubereiten und so zu erziehen, dass es in der Lage ist, sie zu überwinden.

Einem Schüler, der seinen Verstand nicht richtig zu gebrauchen weiß und Denken und Schlussfolgern nicht gelernt hat, bleibt die Lebenswirklichkeit fremd. Er weiß weder die Möglichkeiten des Daseins zu nutzen, noch kann er der Gesellschaft effektiv dienlich sein.

Damit Denken und Überlegen reifen können, sei- so sagen die Psychologen – zunächst einmal ein Ziel notwendig, dass der Mensch anzustreben und auf dem Wege dorthin Barrieren zu überwinden habe. Schwierige Situationen zwingen ihn, seinen Verstand zu nutzen, um herauszufinden, wie dem Problem beizukommen ist. Je größer die Schwierigkeiten sind, die sich dem Menschen auf dem Wege zu seinem Ziel entgegenstellen, umso konzentrierter wird er nachdenken und nach einem Ausweg suchen.

Das ist einleuchtend und Väter und Mütter sollten folglich bedenken, dass sie ihren Kindern keinen Gefallen erweisen, wenn sie ihnen jede Schwierigkeit aus dem Wege räumen. Indem sie ihnen alles so leicht wie nur irgendwie möglich machen, behindern sie ungewollt ihre geistige Entwicklung. Deswegen, weil sie ihnen nicht die Gelegenheit geben, sich selbst Gedanken zu machen, wie sie das jeweilige Problem angehen und meistern können.

Viele unserer geistlichen Gelehrten haben in ihren Abhandlungen über „Erziehung und Bildung“ auf diesen Punkt hingewiesen und geraten, das Kind mit „Komplikationen“ zu konfrontieren, um sein Denken anzuregen.

Der weltbekannte iranische Dichter und Gelehrte Hageh Nasir Tussi empfiehlt folgendes:

„Das Kind ist mit den Schwierigkeiten des Daseins vertraut zu machen und nicht an ein leichtes, angenehmes Leben zu gewöhnen. Die Probleme des Daseins sind es, die das Denken aktivieren und stärken. Darüber hinaus ist das größte Vergnügen wohl jenes, dass der Mensch empfindet, wenn er eine Schwierigkeit gemeistert hat“.

Am Rande erwähnt sei dieses: Schwierigkeiten zu beseitigen und ein gestecktes Ziel oder Anliegen zu erreichen, ist kein Monopol des Menschen. Jedes Lebewesen strengt sich auf seine Weise an, an sein „Ziel“ zu gelangen und Behinderungen auf dem Wege dorthin zu überwinden. Der einzige Unterschied zwischen Mensch und Tier ist dabei nur der, das letzteres dazu sehr oft enorme körperliche Anstrengungen unternehmen bzw. recht lange „ausprobieren“ und „in Erfahrung“ bringen muss, um das Angestrebte zu erreichen.

Der Mensch dagegen braucht dazu normalerweise nicht ungeheuere körperliche Kraft aufzuwenden und diese und jene Wege einzuschlagen, um schließlich und endlich auf den richtigen zu stoßen. Er nutzt seine Vernunft, überlegt, schlussfolgert und geht so vor, wie sein Verstand es ihm rät. Das heißt, auf rationale Weise löst er sein Problem.

Experimentieren, Erfahren, Denken, Erkennen...

Er erreicht seine Erkenntnisse durch Beobachten, Erfahren, Nachdenken, Schlussfolgern, das heißt durch seine Intelligenz und Auffassungsgabe, durch gedankliches Erfassen, - Etwas, auf das der Koran schon vor rund 1400 Jahren hinweist.

John Dewey, der westliche Psychologe und Pädagoge, sagt:

„Das Denken, das stets von einem problematischen Sachverhalt ausgeht, ist jenes Mittel, das dem Menschen durch erlangtes Wissen größere Sicherheit verleiht. Das geschulte Denken ist der Weg der Bewältigung der Lebensfragen“.

„Erziehung ist Denkschulung, nicht im Sinne einer Eingebung vorgegebener logischer Formen, sondern der Entwicklung solcher Formen durch „denkende Bewältigung“ der nach Auflösung drängenden konkreten Schwierigkeiten“.

Deweys Pädagogik kommt der „Erlebnispädagogik“ sehr nahe. Erziehung in diesem Sinne ist stets auch die Anpassung des Menschen ins Gemeinschaftsleben, ist „Sozialerziehung“, ist Erziehung in Richtung der Verantwortlichkeit jedes einzelnen.

Eines der Probleme, mit denen unsere Kinder und Jugendlichen konfrontiert sind, besteht darin, dass das Schulmilieu noch nicht so Lebens – und praxisnah ist, wie es sein müsste. Dieses führt dazu, dass der junge Mensch bei Verlassen der Schule mit den Grundregeln des Lebens nicht zur Genüge vertraut ist. Wissen und Praxis aber sollten nicht voneinander getrennt werden, da Wissen, das lebens- und praxisfremd ist oder aber „mechanisierte Praxis“ keine Gelegenheit zu wirklicher gedanklicher Entfaltung geben.

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