Kreatives Denken
Zu den
Privilegien des Menschen gegenüber dem Tier gehört, - wie
gesagt – sein Denkvermögen. Was seine
Verteidigungsmöglichkeiten betrifft, ist er nicht wie das Tier
ausgerüstet, das beispielsweise bei drohender Gefahr seine
Farbe wechseln kann wie das Chamäleon, beim Davonlaufen
blitzschnelle „Haken schlägt“ wie der Hase, durch einen Panzer
geschützt ist, mit vielen Stacheln bedeckt ist, Gift
verspritzt, enorme körperliche Kraft besitzt u.s.w..
Nein,
derartiges ist dem Menschen nicht gegeben. Wohl aber Verstand
und Denkfähigkeit. Damit verfügt er über eine wirksame Waffe,
mittels derer er sich gegen Gefahren und Bedrohungen schützen
kann.
Durch
geistiges Erarbeiten und Schlussfolgern werden Ideen
geboren..., kreative Gedanken, die – werden sie angewandt – zu
erstaunlichen Ergebnissen führen können. Dieses „kreative“
Denken macht die Lösung kompliziertester Probleme möglich.
In der
Schule wird diese Art Gedankenarbeit, dieses „Problem – Lösen“
im Mathematik-, Algebra-, Geometrie-, Chemie – und
Physikunterricht „geprobt“. Ein versierter Lehrer wird aber
auch in anderen Fächern wie Geographie, Geschichte und
etlichen anderen diese Methode nutzen und seine Schüler vor
Aufgaben stellen, die sie zu lösen haben. Auf diese Weise
intensiviert und fördert er ihre Gedankenkraft und trainiert
sie, logisch und kreativ zugleich zu schlussfolgern und
vorzugehen. Wichtig ist allerdings dabei – und dieses ist ein
weiterer Anreiz zu diesem logischen Verfahren und Vordringen
in die Materie – dass das jeweilige gestellte „Problem“ Lebens
– und praxisnah ist und die Schüler interessiert.
Mittels der
schöpferischen Gedankenkraft ist es möglich, den engen
Lebensraum zu verändern und ihn so zu gestalten, dass das
Dasein leichter und dem Menschen dienlicher wird.
Der
Wissenschaftler Robinson erklärte: „Kreatives Denken vermag
die Welt zu verändern!“
Medizinische und technische Errungenschaften beispielsweise
sind durch diese in die Praxis umgesetzten schöpferischen
Gedanken und Ideen zustandegekommen.
Ein jeder
versucht – so sollte es wenigstens sein – auf seine Weise sein
Schäflein zu Wohlergehen und Fortschritt der Gesellschaft
beizutragen .Der größte Dienst aber wird ihr erwiesen, wenn
Maßnahmen zur geistigen und gedanklichen Förderung des
einzelnen wie der Allgemeinheit ergriffen werden. Denn:
Wirkliches
Wohlergehen und tatsächlicher Fortschritt sind nur im Rahmen
eines gesunden, aktiven und kreativen Geistes möglich. Von
dieser Warte aus betrachtet haben Elternhaus und Schule
ernsthaft und engagiert dafür zu sorgen, die junge Generation
mit richtigen, logischem Denken vertraut zu machen und ihr
dieses zur Gewohnheit werden zu lassen.
Welch einen
Sinn hätte es, den jungen Menschenkindern eine Menge trockenes
Wissen einzutrichtern, mit dem sie nichts anzufangen wissen.
Vermitteln wir ihnen darum wertvolle und verwertbare
Kenntnisse und regen sie an, diese in reger, schöpferischer
Gedankenarbeit zu nutzen und zu guten, menschheitsfreundlichen
Resultaten und Errungenschaften zu kommen.
Das
Anliegen der Schulen hat jedenfalls zu sein, die geistigen
Kräfte der Jugend anzuregen und zu aktivieren, damit in ihr
jener Geist, der sie motiviert, Probleme zu überwinden bzw. zu
lösen, geweckt und intensiviert wird.
Eltern und
Lehrer haben bei der Erziehung des Kindes von Anfang an dessen
„Morgen“ zu denken und dementsprechend vorzugehen..., geplant
und gezielt! Das Leben ist voller Schwierigkeiten, die es zu
meistern gilt. Und das Kind ist rechtzeitig auf sie
vorzubereiten und so zu erziehen, dass es in der Lage ist, sie
zu überwinden.
Einem
Schüler, der seinen Verstand nicht richtig zu gebrauchen weiß
und Denken und Schlussfolgern nicht gelernt hat, bleibt die
Lebenswirklichkeit fremd. Er weiß weder die Möglichkeiten des
Daseins zu nutzen, noch kann er der Gesellschaft effektiv
dienlich sein.
Damit
Denken und Überlegen reifen können, sei- so sagen die
Psychologen – zunächst einmal ein Ziel notwendig, dass der
Mensch anzustreben und auf dem Wege dorthin Barrieren zu
überwinden habe. Schwierige Situationen zwingen ihn, seinen
Verstand zu nutzen, um herauszufinden, wie dem Problem
beizukommen ist. Je größer die Schwierigkeiten sind, die sich
dem Menschen auf dem Wege zu seinem Ziel entgegenstellen, umso
konzentrierter wird er nachdenken und nach einem Ausweg
suchen.
Das ist
einleuchtend und Väter und Mütter sollten folglich bedenken,
dass sie ihren Kindern keinen Gefallen erweisen, wenn sie
ihnen jede Schwierigkeit aus dem Wege räumen. Indem sie ihnen
alles so leicht wie nur irgendwie möglich machen, behindern
sie ungewollt ihre geistige Entwicklung. Deswegen, weil sie
ihnen nicht die Gelegenheit geben, sich selbst Gedanken zu
machen, wie sie das jeweilige Problem angehen und meistern
können.
Viele
unserer geistlichen Gelehrten haben in ihren Abhandlungen über
„Erziehung und Bildung“ auf diesen Punkt hingewiesen und
geraten, das Kind mit „Komplikationen“ zu konfrontieren, um
sein Denken anzuregen.
Der
weltbekannte iranische Dichter und Gelehrte Hageh Nasir Tussi
empfiehlt folgendes:
„Das Kind
ist mit den Schwierigkeiten des Daseins vertraut zu machen und
nicht an ein leichtes, angenehmes Leben zu gewöhnen. Die
Probleme des Daseins sind es, die das Denken aktivieren und
stärken. Darüber hinaus ist das größte Vergnügen wohl jenes,
dass der Mensch empfindet, wenn er eine Schwierigkeit
gemeistert hat“.
Am Rande
erwähnt sei dieses: Schwierigkeiten zu beseitigen und ein
gestecktes Ziel oder Anliegen zu erreichen, ist kein Monopol
des Menschen. Jedes Lebewesen strengt sich auf seine Weise an,
an sein „Ziel“ zu gelangen und Behinderungen auf dem Wege
dorthin zu überwinden. Der einzige Unterschied zwischen Mensch
und Tier ist dabei nur der, das letzteres dazu sehr oft enorme
körperliche Anstrengungen unternehmen bzw. recht lange
„ausprobieren“ und „in Erfahrung“ bringen muss, um das
Angestrebte zu erreichen.
Der Mensch
dagegen braucht dazu normalerweise nicht ungeheuere
körperliche Kraft aufzuwenden und diese und jene Wege
einzuschlagen, um schließlich und endlich auf den richtigen zu
stoßen. Er nutzt seine Vernunft, überlegt, schlussfolgert und
geht so vor, wie sein Verstand es ihm rät. Das heißt, auf
rationale Weise löst er sein Problem.
Experimentieren, Erfahren, Denken, Erkennen...
Er erreicht seine Erkenntnisse durch Beobachten, Erfahren,
Nachdenken, Schlussfolgern, das heißt durch seine Intelligenz
und Auffassungsgabe, durch gedankliches Erfassen, - Etwas, auf
das der Koran schon vor rund 1400 Jahren hinweist.
John Dewey,
der westliche Psychologe und Pädagoge, sagt:
„Das
Denken, das stets von einem problematischen Sachverhalt
ausgeht, ist jenes Mittel, das dem Menschen durch erlangtes
Wissen größere Sicherheit verleiht. Das geschulte Denken ist
der Weg der Bewältigung der Lebensfragen“.
„Erziehung
ist Denkschulung, nicht im Sinne einer Eingebung vorgegebener
logischer Formen, sondern der Entwicklung solcher Formen durch
„denkende Bewältigung“ der nach Auflösung drängenden konkreten
Schwierigkeiten“.
Deweys
Pädagogik kommt der „Erlebnispädagogik“ sehr nahe. Erziehung
in diesem Sinne ist stets auch die Anpassung des Menschen ins
Gemeinschaftsleben, ist „Sozialerziehung“, ist Erziehung in
Richtung der Verantwortlichkeit jedes einzelnen.
Eines der
Probleme, mit denen unsere Kinder und Jugendlichen
konfrontiert sind, besteht darin, dass das Schulmilieu noch
nicht so Lebens – und praxisnah ist, wie es sein müsste.
Dieses führt dazu, dass der junge Mensch bei Verlassen der
Schule mit den Grundregeln des Lebens nicht zur Genüge
vertraut ist. Wissen und Praxis aber sollten nicht voneinander
getrennt werden, da Wissen, das lebens- und praxisfremd ist
oder aber „mechanisierte Praxis“ keine Gelegenheit zu
wirklicher gedanklicher Entfaltung geben.