Warum?
Vorbedingung zum Erfolg sind ganz allgemein und in erster
Linie genügend Kenntnisse und das richtige Verständnis zur
Sache. Um etwas zu erreichen, ist es daher – ganz abgesehen
von den Anstrengungen, die dazu unternommen werden – wichtig,
über die Wege, die zu diesem Ziel führen, Bescheid zu wissen.
Jemand, der zum Beispiel den Gipfel eines Berges erklimmen
will, hat nicht nur gesund, kräftig, trainiert und ausgerüstet
zu sein, sondern muss selbstverständlich auch ausreichend über
Technik und Kniffe des Bergsteigens im Bilde sein. Oder ein
Arzt..., er wird zunächst einmal die Anamnese der Krankheit
seines Patienten in Erfahrung bringen, die erforderlichen
Ergebnisse und Hinweise, das vorliegende Leiden feststellen
und nun mit der Therapie beginnen.
Voraussetzung also : Gewusst wie...
Einige
verstehen unter Erziehung, dass bestimmte Entwicklungen bzw.
Veränderungen in Geist, Gesinnung oder Verhalten des Menschen
hervorgerufen werden. Andere meinen, Erziehung sei mehr oder
weniger ein allmählicher, natürlicher und sich von selbst
vollziehender Reifeprozess sämtlicher menschlicher Kräfte und
Begabungen. Doch wie auch immer:
Vorrausetzung zu einer erfolgreichen Erziehung ist, das
entsprechende Fähigkeiten und Kenntnisse vorhanden sind.
Zudem :
Eltern, Lehrer, Pädagogen.., kurz, alle, die „erziehen „ bzw.
„bilden“ wollen, müssen über entsprechende pädagogische
Eignung hinaus auch Wissen über die physische und physische
Verfassung dessen, der „ erzogen „ oder „ gebildet „ werden
soll, besitzen. Eignung und Kenntnis sind immer – in welchem
Metier und zu welcher Tätigkeit auch immer – vonnöten.
Insbesondere dann, wenn es die Erziehung des Menschen ist.
Dieses komplizierte Wesen betrifft, das „ einmalig“ ist. Nicht
einmal zwei Menschen auf der großen weiten Welt sind zu
finden, die in ihrem Wesen völlig gleich wären.
Somit also:
Ebenso wie jeder eine eigene Persönlichkeit ist mit
spezifischen physischen und physische- geistigen
Besonderheiten, ist auch zu seiner Erziehung ein individueller
Weg einzuschlagen.
Wissensniveau
Es gibt verschiedene Wissensgrade . Das heißt, die Kenntnis
über etwas ist entweder oberflächlicher Art oder aber
gründlich, „ tiefgehend“. Wenn zum Beispiel ein Lehrer, ohne
über die Hintergründe Bescheid zu wissen scheint, lediglich
feststellt, das sein Schüler „ lernfaul „ oder aber ständig in
Raufereien verwickelt ist, so ist seine Kenntnis
„oberflächlich „. Er sieht nur die „ Unzulänglichkeit „ des
Kindes, nicht aber den Grund dafür...
Von
„tiefgehender„ Kenntnis sprechen wir dann, wenn der Grund für
etwas, zum Beispiel für die „Lernträgheit„ eines Kindes,
erkannt wird. Ist es tatsächlich lernschwach oder aber mit
Problemen belastet, die es an konzentriertem Lernen hindern?
Und falls es sich ständig mit anderen rauft und prügelt…, sind
dafür ein ungeeignetes Milieu im Elternhaus verantwortlich zu
machen oder sonstige Umweltfaktoren?
Reagiert es
möglicherweise bittere Erfahrungen und dadurch
heraufbeschworene Komplexe durch rüdes, rohes Verhalten ab?
Jedenfalls:
Kenntnistiefe ist bei der Erziehung des uns anvertrauten
Kindes unbedingt erforderlich. Der Lehrer muss wissen, warum
sein Schüler Klassenkameraden den Bleistift wegnimmt und in
seiner eigenen Mappe verschwinden lässt. Er hat sich darüber
zu informieren, warum dieses oder jenes Kind in Lügen Zuflucht
sucht. Hat es vielleicht zu Hause gelernt, die Unwahrheit zu
sagen? Oder aber ist es seine Angst vor harten Strafen des
Lehrers, die es dazu veranlasst?
Stellt der
Lehrer fest, das sein eigenes barsches bzw. intolerantes
Vorgehen das Kind in Lügen treibt, so wird er tunlichst seine
Methode ändern und sich nachsichtiger und verständnisvoller
verhalten. Mit dem Resultat, das sich seine Schüler in Zukunft
nicht mehr hinter Unwahrheiten verstecken, sondern den Mut
haben, die Wahrheit rundheraus zu sagen, ohne sich zu
fürchten. Ist es aber so, dass die Atmosphäre im Elternhaus
das Kind zur Lüge nötigt, so kann er es nur dann zu
Wahrheitsliebe erziehen, wenn auch die Eltern dabei
mithelfen...
Es versteht
sich somit von selbst, das zu einer erfolgreichen Erziehung
sowohl Kenntnis über die verschiedenen pädagogischen
Möglichkeiten als auch über das Kind selbst, dessen Charakter
und Umwelt erforderlich sind. Wollte ein Lehrer seine Schüler
alle nach ein und dem gleichen Schema – das heißt über einen
Kamm geschoren – erziehen, so käme das gleiche dabei heraus,
als würde ein Arzt seine Patienten nur mit ein und dem
gleichen Medikament heilen. Etwas, das ganz sicher ein Unding
wäre!
Erziehung früher......
Früher glaubte man, es genüge, sein Kind zur Schule zu
schicken, um es dort mit vielen anderen Schülern, im Rahmen
einer „Einheitsmethode„, erziehen und unterrichten zu lassen.
Man nahm an, dass ein Kind, das zur Welt kommt, mit Begabung
zu allen Dingen und Tätigkeiten ausgerüstet sei.
Fiel dem
armen Kind aber das Lernen schwer, blieb es gar sitzen unter
anderem, so wurde der Grund für sein Versagen in der Regel
allein bei ihm gesucht.
Heute ist
das anders. Aufgrund wissenschaftlicher Fortschritte auf dem
Gebiet der Psychologie und Pädagogik hat man erkannt, dass
sich die Menschen hinsichtlich ihrer geistigen und psychischen
Qualitäten, Begabungen und Fähigkeiten unterscheiden. Weder
Kinder noch Erwachsene sind über einen Kamm zu scheren und
dieses trifft somit ebenfalls für die Erziehung zu. Wir können
mit Kindern nicht „o815- mäßig„ umgehen. Die einen sind
besonnen und ruhig, die anderen sind lebhaft. Die einen lernen
leicht, die anderen tun sich schwer dabei. Die einen sind
langsam und träge. Die anderen fleißig und fix. Die Begabung
des einen liegt mehr im praktischen, technischen Bereich, die
der anderen im geistigen, wissenschaftlichen.
Mit anderen
Worten: Fähigkeiten und Begabungen der Kinder sind sehr
unterschiedlich. Wichtig ist, dass sie erkannt und gefördert
werden...
Es gilt
also, bei der Erziehung die geistige-, seelische als auch
körperliche Konstition des Kindes zu erkennen und zu
berücksichtigen und zwar von Anfang an. Kenntnisse über seine
Persönlichkeit, Situation, Begabungen und Neigungen sind
verlässlich. Ein Kind, das Freude an Mathematik hat, sollte
entsprechend gefördert werden. Ebenso wie jenes, das sich für
Naturwissenschaften und Sprachen interessiert. Kurz: Das Kind
sollte so gelenkt und erzogen werden, dass es sich auf den ihm
liegenden Gebieten entfalten, seine Begabungen entwickeln und
gezielt einsetzen kann.
Wichtig ist
also, das Kind zu „kennen„, seine Fähigkeiten und Interessen
festzustellen und zu fördern als auch seine Bedürfnisse,
Umwelt und familiären Verhältnisse Bescheid zu wissen. Zum
Beispiel, ob der Kontakt zwischen dem Kind und dessen Eltern,
Geschwistern, Freunden etc. und sein Sozialverhalten intakt
sind oder nicht. Auf diesen Informationen erst kann eine
individuelle, kindgerechte Erziehung aufgebaut werden.
Eltern und
Lehrer tun somit gut daran: zunächst einmal zu ergründen, wie
das Kind „beschaffen„ ist und welche Neigungen, Begabungen und
Wünsche es hat. Dieses alles ist ebenso wichtig zu nehmen wie
sein körperliches Wohlbefinden.
Und
stellten sie fest, das es z.B. „griesgrämig“, störrisch,
quengelig, streitsüchtig, ungeduldig oder nervös ist, haben
sie nach Gründen zu forschen. Liegt es ständig mit seinen
Geschwistern in Fehde, ist unbedingt nach der Ursache zu
fragen. Mit Geduld und Langmut werden sie die Gründe
herausfinden und..., die Mühe lohnt sich.
Bedauerlicherweise gibt es viele Väter und Mütter, die bei
Erziehungsproblemen gar nicht erst nach den Ursachen dafür
suchen. Mit Vorwürfen, nicht selten auch Drohungen und Strafen
wollen sie das Fehlverhalten ihrer Kinder beseitigen. Mit dem
Resultat, dass sie das „Übel nicht bei seiner Wurzel zu packen
kriegen„ sondern vielmehr, aufgrund ihrer Unkenntnis über
dessen Hintergründe, vertiefen. Würden sie sich jedoch die
Mühe machen und nach der Ursache für die, sagen wir einmal
„Rauflust“ ihres Sohnes forschen und diese erkennen, so
könnten sie bei der Erziehung, die sie ihrem Sprössling
angedeihen lassen, richtig „einsetzen“.
Hierzu ein
Beispiel: Ein Junge benimmt sich zu Hause steht’s rüpelhaft
und renitent. Echt bei Kleinen als auch bei Großen an. Hat
unentwegt „Krach“, einmal mit diesem, das andere Mal mit
jenem. Und bei dem kleinsten Verweis schon beginnt er zu
schmollen oder zu brüllen. Eine gründliche Einsicht in der
Psyche dieses Kindes zeigt, das „Fünfte Rad am Wagen„ zu sein,
leidet.
Ist hier
wohl durch Tadel, Ermahnungen und eventuell gar Drohungen und
Strafen etwas Positives zu erreichen?
Auch
folgender Punkt sollte bei der Erziehung des Kindes nicht
außer Acht gelassen werden. Es genügt nicht, sich allein über
seine Psyche und Neigungen ein Bild zu verschaffen. Auch die
zeitlichen und gesellschaftlichen Bedingungen sind
miteinzubeziehen. So mancher Vater glaubt, - ohne die
Besonderheiten der Zeit und Gesellschaft miteinzubeziehen zu
brauchen – seinem Sprössling eine optimale Erziehung
angedeihen lassen zu können. Meint, die Methode, die damals,
in seiner eigenen Kindheit und Jugend, Anwendungen gefunden
habe, müsse auch heute geeignet sein. Etwas, das
selbstverständlich nicht zutreffend ist, da sich die
Gegebenheiten, Erwartungen und Erfordernisse weitgehend
gewandelt haben und demzufolge die gegenwärtige
Umweltsituation miteinkalkuliert werden muss.