Was tun
in der freien Zeit?
Der Titel
dieses Abschnittes mag in dem einen oder anderen den Eindruck
erwecken, wir wollten damit andeuten, dass das Kind immer
entweder lernen oder arbeiten müsse. Auch in seiner freien
Zeit, auch in den Ferien.
Das aber
beabsichtigen wir keinesfalls! Das Kind muss in seinen Ferien
aufatmen und ausspannen können..., ohne Lerndruck und
schulische Pflichten sein. Nicht aber untätig, denn
„arbeitslos“ und träge dazusitzen ist weder seiner
körperlichen noch geistigen Entwicklung dienlich. Es sollte
sich daher sinnvoll beschäftigen und zwar mit Dingen, für die
es sich interessiert. Mit der Lektüre guter Bücher zum
Beispiel, Sport, Schwimmen, Basteln, schöpferischen
Tätigkeiten..., je nach Möglichkeit und Interesse. Es gibt ja
so vieles, was ihm Freude machen kann.
Dass
Arbeitslosigkeit, Verdrießlichkeit, Trägheit und Stumpfsinn im
Gefolge haben, wissen wir alle. Und das gleiche gilt für
Untätigkeit unserer Kinder in den Ferien. Träges Herumlungern
zu Hause oder aber auf der Strasse macht sie mürrisch und
quengelig, wirkt sich auf ihre leibliche als auch seelische
Gesundheit höchst negativ aus. Der junge Mensch verliert an
Frische und Vitalität. Und da er nicht weiß, was er mit sich
und der Welt anfangen soll, kommt er auf „dumme Gedanken“ und
schließt sich nicht selten „schlechten“ Freunden an. Und ist
er einmal in deren Schlepptau geraten, kommt er so leicht
nicht wieder heraus. Mit anderen Worten, die „Weichen“ seines
Weges sind schlecht gestellt.
Das es so
kommen kann, ist nicht verwunderlich. Schließlich ist er
voller Energie und Kraft, die er Einsetzten möchte. Und wird
ihm keine Hilfestellung gegeben, sucht er sich selbst etwas,
womit er sich beschäftigen und seinen „Tatendrang“ befriedigen
kann.
Das Problem
ist jedoch, dass er noch nicht „gereift“ ist und somit nicht
in der Lage, allein auf sich gestellt zu sein und immer
richtig differenzieren zu können. Werden ihm keine sinnvolle
Betätigungsmöglichkeiten angeboten, lässt er sich in seiner
Ahnungslosigkeit zu „Freizeitbeschäftigungen“ und Interessen
verleiten, die höchst fragwürdig und seinem Wohle keinesfalls
dienlich sind. Zigaretten, Alkohol und Drogen sind nur einige
der vielen Gefahren, die „Arbeitslosigkeit“ im Gefolge hat.
Viele andere und nicht bessere „Bedrohungen“ wären in diesem
Zusammenhang noch zu nennen, doch da sie ohnehin allen bekannt
sein dürften, wollen wir im Rahmen dieses Buches darauf
verzichten, sie alle aufzuführen. Statistiken und Berichte der
Jugendämter, Rauschgift- und Kriminaldezernate geben zudem
ausführlich Auskunft über die bedauerlichen Resultate jedweder
Arbeitslosigkeit.
Ganz
abgesehen davon schafft Untätigkeit Verdruss und Langeweile.
Ob klein oder groß..., wer sich langweilt, ist verdrießlich,
fühlt sich nicht wohl in seiner Haut und ist deshalb ständig
gereizt und mürrisch. Entweder „brütet“ er dumpf in einer Ecke
vor sich hin oder aber reagiert auf alles und jeden aggressiv.
Anderen fällt er mit seinem Verhalten zur Last, fällt ihnen
regelrecht „auf die Nerven“.
Kluge
Eltern aber beugen dem vor und schaffen Ausgleich. Sie wissen,
dass es der Natur des Kindes- des Menschen allgemein-
entspricht, sich zu betätigen. Und sie wissen auch, dass das
sinnvoll beschäftigte Kind in der Regel- es sei denn,
besondere Probleme belasteten es- zufrieden und ausgeglichen
ist. Lustlosigkeit und Apathie sind bei ihm nicht oder nur
selten- wenn es beispielsweise krank ist- zu beobachten. Es
macht ihm Freude, etwas zu tun und empfindet es als Qual,
untätig herumzusitzen. Und wenn es einmal „arbeitslos“
geworden sein sollte, so sucht es sich eine Beschäftigung...
und es findet immer etwas, das es zu tun gibt.
Das es sich
betätigt, ist nicht deswegen, um „gelobt“ zu werden, sondern
weil es ihm einfach Spaß macht, zu schaffen und aktiv zu sein.
Und wenn dann noch ein Lob dazukommt..., nun, so ist es ganz
besonders zufrieden und fühlt sich zudem bestätigt. Dieses
Sich- Bestätigt -Wissen aber ist ebenfalls ungemein wichtig
für seine „Persönlichkeitsbildung und Entfaltung“.
Diese
Kinder sind „arbeitspositiv“ eingestellt. Ob ihr Tätig- Sein
in Zusammenhang mit Lesen, Handarbeiten, mit „schönen
Künsten“, Weiterbilden und lernen, Photographieren, Sport,
Wandern, Gartenbaulichen oder Land- bzw.
Forstwirtschaftlichen, experimentellen oder gar sozialen
Beschäftigungen steht
ist nicht
ausschlaggebend. Wichtig und wesendlich ist ihr Wunsch nach
eigener, kreativer Initiative, dem sie durch ihr
arbeitsaktives Verhalten entsprechen.
Tolstoy
schrieb: In fortgeschrittenem Alter stellte ich fest, dass
mein Leben nicht ausgefüllt war. Ich hatte angenommen, dass
Sinn und Geheimnis des Lebens darin lägen, zu Amt und Würden,
Reichtum und Popularität zu kommen. Als ich dieses alles
erreicht hatte, merkte ich, dass dieses auch nicht das
Geheimnis eines erfüllten Lebens sein konnte. Die Frage nach
dem Lebenssinn blieb für mich ungelöst, bis das ich eines
Tages Brennholz, das wir für unseren Zimmerofen benötigten,
zerkleinerte.
Als diese
Arbeit getan war, spürte ich mit einem Male, dass ich das,
wonach ich gesucht hatte, gefunden hatte.
Jawohl!
Nachdem ich fleißig gearbeitet und geschafft hatte, fühlte ich
mit einem Male ungekannte Lebensfreude in mir.
Der Koran
wies schon vor nahezu 1400 Jahren auf dieses Geheimnis des
Lebens, das heißt auf dessen beglückende und Zufriedenheit
schenkende Dimension hin.
Gott
spricht:
„Wohl und Frieden
liegen in Mühe und Fleiß verborgen“.
Der
arabische Begriff “Usr“, der in diesem Koranvers gebraucht
wird, bedeutet seiner Wortwurzel nach soviel wie „Schweres,
Schwieriges“. Es ist jedoch offensichtlich, dass gerade
Schwieriges und Schweres die im Menschen verborgenen Kräfte
wecken und seinen Fleiß und sein Engagement aktivieren.
Der Islam
ist die Religion der „Dynamik“, Vitalität des konstruktiven
Fortschreitens. Er lehnt Stagnatismus und Trägheit konsequent
ab.
In diesem
Zusammenhang spricht Gott:
„Ein jeder, der
Wohlergehen auch im Jenseits möchte, muss sich anstrengen und
fleißig arbeiten, um es zu erreichen.“
Mit anderen
Worten: Gott mag Faulpelze und Tagediebe nicht. Genau das
sagte Imam Mussa Kazim (a.s.)
„Gott mag nicht den,
der untätig ist“.
Und Imam
Ali (a.s) sprach:
„Halte dich von
Trägheit und Müßiggang fern, denn der, der träge und müßig
ist, kommt seiner Verpflichtung als Gottesgeschöpf nicht
nach“.
Eine der
segensreichen Auswirkungen der Islamischen Revolution in Iran
ist die erstaunliche und positive Veränderung, die in der
Bevölkerung, insbesondere der Jugend des Landes stattgefunden
hat. Im Gegensatz zu früher, als ihre Kräfte vergeudet wurden
bzw. brach lagen, werden sie heute aktiviert und im Sinne des
Allgemeinwohles als auch dem ihrer selbst genutzt und
eingesetzt. Die Leistungen der Einrichtung „Gihad-Sazandegi“
(Bewegung zum Aufbau des Landes) als auch der „Bacig-
Organisation“ (Bewegung zum konstruktiven Einsatz und
Engagement der Bevölkerung) sind beste Beispiele dafür.