Alles
hat seinen Grund....
Der Welt,
in der wir leben, liegt die Ordnung „Ursache und Wirkung“
zugrunde. Das welke Blatt fällt nicht ohne Grund zur Erde.
Alle Ereignisse- große und kleine- haben eine Ursache. Nichts
geschieht, verändert oder entwickelt sich, ohne dass nicht
bestimmte Faktoren dafür sorgen.
Kurz:
Alles, was ist in diesem Universum, Aktion oder Reaktion,
unterliegt dem Gesetz „Ursache und Wirkung“.
Der eine
lacht, der andere weint. Einer ist froh, ein anderer ist
traurig. Dieser kommt zu Ehre und Erfolg, jener ist entwürdigt
und gedemütigt.
Mag sein,
dass manches davon „rein zufällig“ zu sein scheint.
Wissenschaftliche Studien jedoch geben Auskunft darüber, dass
jedes Hoch und Tief und Auf und Ab im menschlichen Leben und
Verhalten- so geringfügig auch immer- externen bzw. internen,
physische oder psychische Faktoren untergeordnet ist.
Ein
Schüler, der seinen Lehrer belügt, hat Angst, die Wahrheit zu
sagen. Diese Angst vor Blamage oder Bestrafung ist es, die
sein Verhalten negativ beeinflusst und ihn zur Lüge
veranlasst. Und bei dem Lehrer, der mit einem Male eines
geringfügigen Anlasses wegen sein „inneres Gleichgewicht“
verliert und ganz unerwartet aus der Haut fährt, haben gewiss
seelische oder auch körperliche Gründe- Unwohlsein z.B.- zu
seiner „Explosion“ geführt, denn der gleiche Lehrer hat in
weitaus schwierigeren Situation die „Szene beherrscht“ und
sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Das Kind,
das lernschwach ist, ist entweder aus irgendwelchen familiären
oder seelischen Gründen nicht konzentriert oder aber sein
Intelligenzquotient ist geringer als der seiner Mitschüler. Es
mag aber auch sein, dass ihm das Schulmilieu nicht behagt.
Vielleicht ist es auch lediglich zu „verspielt“, zu früh
eingeschult worden und besitzt noch nicht die erforderliche
Reife.
Mit anderen
Worten: Kein Schüler ist grundlos lernschwach oder
desinteressiert am Unterricht. Das heißt also, dass ihm zu
helfen ist, indem die Ursache herausgefunden und beseitigt
wird. Nicht aber, indem unter Schelten, Drohungen,
Demütigungen oder Schlagen Leistungen von ihm verlangt werden.
Ebenso ist
es mit Kindern, die ständig mit anderen in Streit geraten, in
Schlägereien verwickelt oder aber extrem liebebedürftig und
„anhänglich“ sind. Auch ihr Verhalten hat Gründe. Gründe, die
in der Regel mit den Verhältnissen im Elternhaus in
Zusammenhang stehen.
Pawlow,
namhafter russischer Physiologe, schrieb:
Kriminalität hat ihre Ursache häufig in sozialen und
ökonomischen Gründen. Ungünstige wirtschaftliche
Familienverhältnisse und Armut sind wichtige Faktoren für die
Entstehung krimineller Delikte. Statistiken lassen wissen, das
Kinder- und Jugendkriminalität in Städten und Gebieten, in
denen wirtschaftliche und soziale Miseren gang und gebe sind,
häufig in Erscheinung treten als anderswo.
Ein
besonders gravierender Grund für Kriminalität sind ungünstige
familiäre Bedingungen, Konflikte, Streitigkeiten, Trennung
oder Scheidung der Eltern, Lieblosigkeit und vernachlässigte
Sorgepflicht den Kindern gegenüber, ohne mütterliche Fürsorge
oder väterlicher Halt aufwachsende Kinder..., das alles sind
häufige Ursachen für kriminelle Handlungen.
In dem Buch
„Mütterliche Fürsorge und seelische Gesundheit“ (übersetzter
Titel), das seitens der Weltgesundheitsorganisation
herausgegeben wurde, ist zu lesen:
Wir haben
Beweise und Indizien in der Hand, die Aufschluss darüber
geben, dass eine lange Trennung des Kindes von seiner Mutter-
insbesondere in den ersten fünf Lebensjahren – als wesentliche
Ursache für spätere Kriminalität zu betrachten ist.
Einer
anderen wissenschaftlich- kriminalistischen Studie gemäß sind
80-90% aller jugendlichen Straftäter in zerrütteten
Familienverhältnissen aufgewachsen.
Kurz:
Erziehungswissenschaftler, Psychologen und Verhaltensforscher
sind zu der Auffassung gekommen, dass lange bzw. sich häufig
widerholende Trennungen des Kindes von den Eltern, als auch
fehlende mütterliche Liebe und Fürsorge- insbesondere in den
ersten Lebensjahren- schwere Verhaltensstörungen hervorrufen.
Hin und
wieder erlebt man, dass sich eines von mehreren Geschwistern
aggressiv verhält. So sehr Eltern sich auch im Guten bemühen,
diese Aggressivität zu beseitigen, so nimmt sie doch immer
mehr zu.
Die
Psychotherapeuten bemühen sich in diesen Fällen in erster
Linie darum, die Ursache zu finden, damit dem Kind gezielt
geholfen werden kann. Denn im Gegenteil zur landläufigen
Auffassung, die den Grund des aggressiven Verhaltens einiger
Kinder in deren „Charakter“ sieht, ist im Rahmen
entsprechender Psychoanalysen die Erkenntnis gewonnen worden,
demnach diese Kinder meistenteils an „Eifersucht“ leiden.
Gemäß dem
„Verdrängungsprinzip“ versucht das von Eifersucht geplagte
Kind, diese nicht zu offenbaren, weshalb sein unbewältigtes
Leid, das heißt seine „verdrängte“ Eifersucht, sich in
verschiedenster Weise, wie unter anderem „Aggressivität“
äußert.
Der größte
Verdienst der Psychologie und Verhaltensforschung, der dem
Kind und dessen Erziehung zugute kommt, ist, das die eindeutig
nachwies, dass jedem Verhalten psychische oder auch physische,
externe bzw. interne Ursachen zugrunde liegen. Solange diese
nicht ausgeräumt sind, ist die Möglichkeit zu Veränderung,
Genesung etc. nicht gegeben. Das aber besagt und bestätigt,
dass bei Verhaltensstörungen zunächst die Störfaktoren
beseitigt werden müssen.
Zusammenfassend ist zu sagen:
1.-
Jeglichem Verhalten des Menschen liegen- gemäß der
Gesetzmäßigkeit „Ursache und Wirkung“ – auslösende Faktoren
zugrunde, die der betreffenden Person selbst häufig nicht
bewusst sind und folglich unerkannt zur Wirkung kommen.
2.- Um
Verhaltensstörungen des Kindes beeinflussen und beheben zu
können, sind zunächst deren Ursachen herauszufinden und
auszuschalten. Sie sind
nicht mit Worten und Empfehlungen zu heilen, sondern es gilt,
festzustellen, „wo dem Kind der Schuh drückt“, warum es
beispielsweise rebellisch oder aggressiv ist. Wenn uns das
Motiv bekannt ist, ist es an uns, es auszuräumen, damit das
Kind zur Ruhe kommen kann.