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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Chadidjeh
Mohammed kehrte von einer Geschäftsreise, die er im Auftrag
seines Oheims Abu Talib unternommen hatte, aus Syrien zurück.
Die Geschäfte waren ihm nicht nach Wunsch und Willen gelungen,
und mißmutig ritt der Jüngling seiner Straße. In sich
versunken, bemerkte er nicht, wie er in die Fährte einer
kleinen Reisegesellschaft geriet und, von ihr geleitet, sich
besinnungslos ihrer Führung ergab. Die Gesellschaft machte
halt. Mohammed stieg ebenfalls vom Pferde. Man begab sich in
ein Haus. Mohammed, eine Gaststätte vermutend, folgte. Wohlig
auf einem Kissen dahingestreckt, hing er müde geflügelten
Träumen nach. Als er sich von einem Sonnenstrahl des bunten
Fensters geblendet zur Seite ins Dämmerige wandte, sah er eine
Dame vor sich, die ihm eine Schale Kaffee reichte.
Er erhob sich, errötend und verwirrt.
»Herrin, wer seid Ihr ? Täuscht mich Trübung der Träume?
Bin ich in keinem Gasthaus?«
»Beruhigt Euch, Mohammed – Ihr seht, ich kenne Euch – Ihr
seid in einem gastlichen Hause – im Hause der Chadidjeh, der
Tochter des Chuweiled.«
»Herrin, führt mich zu Chadidjeh, daß ich sie um Verzeihung
bitte für meine Eindringlichkeit in ihr Haus. Der heiße Tag,
die Ahnungen der Seele verwirrten mich.«
»Entschuldigt Euch nicht, Mohammed, Chadidjeh steht vor
Euch.«
Mohammed verneigte sich dreimal.
Die Röte, die über sein Gesicht flutete, durchflammte die
Dämmerung.
»Herrin, ich sah auf meinen Wanderungen viele Frauen. Ich
las in ihren braunen Dattelaugen und versuchte die weiße
Schrift ihrer Stirnen zu enträtseln. Ich nannte sie
Schwestern, aber keine verlockte mich zur bleibenden Einkehr.
Da öffnet sich ein Haus: gleichsam von selbst. Da öffnet sich
ein Herz: in abendlicher Dämmerung. Ein Blutstrom umbraust
mich. Ich kralle mich wie ein Geier in die Äste meiner
Verzweiflung. Helft mir, Herrin, zum Guten und zur Vollendung
oder ruft einen Sklaven, daß er mich erschlage...«
Chadidjeh zitterte.
»Mohammed, bleibt in diesem Hause, das sich vor Euch
aufgetan.«
Mohammed fiel in die Kissen.
»Wie soll ich Euch verstehen? Ihr spottet meiner! O kenntet
Ihr die Qual meines Tuns, bisher bestimmt, den Reichtum meines
Oheims zu mehren, aus fremden Börsen Gold in die seinen zu
tun, um falsche Werte fronend zu feilschen. Handle! fordert
der Ohm. Handle! das gleiche Wort, doch welch entfernter,
heilig hoher Sinn! – schreit eine Stimme aus blumiger Wolke,
die mich stets beschattet.«
Chadidjeh lehnte an einer Säule, um die sich eine
geschnitzte Schlange schlang:
»Mohammed, du glaubst gewiß, daß du es warst, der unserer
Karawane sich anschloß. Wisse: wir waren es, die dir
folgten... Wir sahen die Wolke über deinem Haupte, die dein
Kamel und dich beschattete, und folgten dir, um des Schattens
teilhaftig zu werden, denn die Sonne versengte unsere Stirnen.
Wir sind es, die dir zu Dank verpflichtet sind, daß du uns in
deinem Schatten reiten ließest – denn die Wolke folgte dir wie
ein getreuer Hund.«
»Herrin, ich schuf die Wolke nicht: dankt ihm, der sie uns
sandte...«
»Wir sahen nur die Wolke, doch hörten wir die Stimme
nicht.«
»Die Stimme wird Gestalt annehmen und unter uns wandeln.
Sie wird ihren Mund finden, dem sie weithin vernehmbar
donnernd entfahre.«
»Mohammed, Gesegneter, ich biete dir mein Haus als Burg der
Zuflucht. Handle, wie die Götter es dir befehlen, mit Worten
der Wildheit und Wehmut und mit Münze nicht mehr. Betritt und
verlaß mein Haus, daß das deine sei, wie du es immer willst,
und sei mein Gatte. Nicht werden meine Arme dich ketten und
halten, wenn dich der Geist in die Weite und Wüste treibt.«
Mohammed stürzte vor Chadidjeh zusammen. Sie hob ihn auf
und führte den Jüngling zu Chuweiled Ibn Asad, ihrem Vater.
Abu Talib hielt für Mohammed bei Chuweiled um dessen Tochter
an.
Mohammed brachte zwanzig junge Kamele als Morgengabe mit in
die Ehe, die ihm Abu Talib schenkte, obgleich ihn der
schlechte Ausfall der syrischen Geschäfte, die Mohammed für
ihn geführt hatte, verdroß.
Chadidjeh aber war damals die angesehenste Frau unter den
Kureischiten, sowohl hinsichtlich ihres Geblütes als wegen
ihres großen Reichtums, um den sie jedermann beneidete.
Nach einer mondhellen Nacht fanden die Wächter des
Heiligtumes der Kaaba, da sie die gewohnte Runde machten, den
heiligen, vom Himmel gefallenen Stein nicht mehr.