Aufenthalt in Konstantinopel
Kaffeehäuser – Märchenerzähler
Bevor ich der Stadt Konstantinopel für diesmal Lebewohl
sagte und nach Pera zurückwanderte, ersuchte ich meinen
Begleiter, mich in einige Kaffeehäuser zu führen, um auch da
das eigentümliche Leben der Türken kennenzulernen. Einen
Vorgeschmack solcher Lokale bekam ich zwar schon in Giurgiu
und Galatz, allein in dieser Kaiserstadt dachte ich sie mir
ein bißchen netter und schöner. Der Eintritt in das erste nahm
mir aber sogleich diesen Wahn. Eine elende, schmutzige Stube,
in welcher Türken, Griechen, Armenier und andere auf hölzernen
Diwanen mit kreuzweis untergeschlagenen Beinen saßen, rauchten
und Kaffee tranken, war das Ganze, was sich meinem Blick
darbot. In einem zweiten sah ich mit großem Ekel, wie die
Kaffeebude zugleich eine Barbierstube vorstellte; auf der
einen Seite wurde Kaffee serviert, auf der andern rasierte man
gerade den Kopf eines Türken. Selbst Aderlässe sollen in
diesen Buden stattfinden.
In einem etwas besseren Kaffeehaus fanden wir einen
sogenannten Märchenerzähler. Da sitzen die Zuhörer im
Halbkreis, vorn steht der Erzähler. Ganz gelassen fängt er
seine Geschichten aus »Tausendundeiner Nacht« an, doch mit der
Fortsetzung steigt seine Begeisterung, und am Ende fällt er in
ein Schreien und Agieren wie der beste Kulissenreißer einer
wandernden Bühne.
Scherbet wird nicht in allen Kaffeehäusern gereicht; man
findet aber überall Buden und Ständchen, wo dieses kühlende,
schmackhafte Getränk zu bekommen ist. Es besteht aus Abgüssen
von Obstsäften, gemischt mit Zitronen- und Pomeranzensaft.
Gefrorenes bekommt man nur in Pera, im fränkischen Kaffeehaus
oder bei dem fränkischen Zuckerbäcker. Den Kaffee müssen die
Kaffeesieder alle gebrannt und gestoßen von der Regierung
nehmen, dieser Artikel ist ein kaiserliches Monopol. Es
besteht auch zu diesem Zweck ein eigenes Gebäude in
Konstantinopel, wo der Kaffee durch Maschinen pulverisiert
wird. Der Kaffee wird allgemein samt dem Bodensatz und sehr
stark gemacht getrunken, woran ich mich nicht gewöhnen konnte.
Ungemein lohnend ist ein Ausflug nach Eyüp