Unsere Wirtschaft

Unsere Wirtschaft / Iqtisaduna

Muhammad Baqir al-Sadr

Die Verknüpfung der Entwicklung der Produktion mit gerechter Verteilung der Güter

Im Zusammenhang mit dem kapitalistischen Konzept der Entwicklung der Produktion, welches den Vorgang der Vermehrung von Reichtum isoliert von der Art und Weise seiner Verteilung betrachtet, ist zu sagen, dass der Islam diese Betrachtungsweise ablehnt, und die Entwicklung des Reichtums als Ziel von der gerechten Verteilung, d.h. von dem Umfang, in welchen Entwicklung Wohlstand und Prosperität für die einzelnen Mitglieder der islamischen Weltgemeinschaft [umma][1] verwirklicht, abhängig macht. Denn die Entwicklung von Reichtum ist nach dem Verständnis des Islam ein Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck, wie wir in den vorangegangenen Abschnitten erfuhren, und solange Aktivitäten zum Zwecke seiner Vermehrung nicht dazu beitragen, Wohl­stand und Prosperität unter allen Einzelpersonen zu verbreiten, und ihnen die Voraussetzungen für die Entfaltung ihrer guten Anlagen und die Verwirklichung ihrer Mission zu schaffen, wird die Entwicklung des Reichtums nicht seine angemessene Aufgabe im Leben des Menschen erfüllen. Daher finden wir, dass das Schreiben von Imam Ali (a.) an den Gouverneur von Ägypten – in welchem der Imam (a.) seinen Gouverneur die islamischen Leitlinien vorgibt, die dieser zur Anwendung bringen soll –, wenn es beabsichtigt, die Entwicklung des Reichtums als eines der Ziele der Gemeinschaft der Formen – wie es im Text heißt – darzustellen, sich keine gewaltige Anhäufung von Reichtum vorstellt sondern Wohlstand und Prosperität, welche das Leben jedes Einzelnen in der Gemeinschaft der Frommen umfassen, womit bestätigt wird, dass die Vermehrung von Reichtum nur in dem Maße ein Ziel ist, wie sie sich auf das Leben und die Lebensweise aller Menschen positiv auswirkt. Wenn sich aber der Reichtum getrennt von den Lebensbedingungen der Menschen entwickelt, und die Volksmasse im Dienste dieser Vermehrung steht, anstatt dass letztere der Masse des Volkes zugute kommt, dann wird der Reichtum eine Art Götzenfunktion einnehmen, und zu einem Selbstzweck anstelle eines Mittels zum Zweck werden, so dass dafür der Ausspruch des Propheten (s.) zutrifft, mit dem er diese Art von Reichtum beschreibt und vor seinen Gefahren warnt:

Die goldenen Dinare und die silbernen Dirhams werden euch zugrunde richten, wie sie diejenigen vor euch zugrunde gerichtet haben.

Auf dieser Grundlage richtet der Islam, wenn er die Entwicklung von Reichtum zu einem Ziel für die Gemeinschaft erhebt, seine Aufmerksamkeit auf die Verknüpfung dieser Entwicklung mit dem Wohlstand und der Prosperität der Allgemeinheit, und daher lehnt er solche Methoden der Entwicklung ab, die dem entgegenstehen, und die Menschen schädigen, anstatt deren Leben zu erleichtern. In diesem Sinne können wir die hypothetische Aussage machen, dass der Islam, falls er anstelle des Kapitalismus im Zeitalter der Erfindung der Dampfmaschine die herrschende Ideologie gewesen wäre, die Verwendung der neuen Maschine, welche die Produktion in einem Maße steigerte, wie das sonst nur tausende von Handarbeitern vermocht hätten, erst nach der Überwindung der Probleme und der schädlichen Folgen, welche die Maschine für diese Arbeiter mit sich brachte, erlaubt hätte, denn die Entwicklung, welche die Verwendung der Maschine vor der Überwindung dieser Probleme und schädlichen Folgen erzielt, wäre kein Mittel zum Zweck sondern ein Selbstzweck.

[1] Gemäß dieser Anschauung gehören auch alle Nichtmuslime, die der islamischen Weltgemeinschaft leben, zu denen, die am materiellen Aufstieg der islamischen Gesellschaft teilhaben sollen.

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