Die Verknüpfung der Entwicklung der Produktion mit
gerechter Verteilung der Güter
Im Zusammenhang mit dem kapitalistischen
Konzept der Entwicklung der Produktion, welches den Vorgang
der Vermehrung von Reichtum isoliert von der Art und Weise
seiner Verteilung betrachtet, ist zu sagen, dass der Islam
diese Betrachtungsweise ablehnt, und die Entwicklung des
Reichtums als Ziel von der gerechten Verteilung, d.h. von dem
Umfang, in welchen Entwicklung Wohlstand und Prosperität für
die einzelnen Mitglieder der islamischen Weltgemeinschaft [umma]
verwirklicht, abhängig macht. Denn die Entwicklung von
Reichtum ist nach dem Verständnis des Islam ein Mittel zum
Zweck und kein Selbstzweck, wie wir in den vorangegangenen
Abschnitten erfuhren, und solange Aktivitäten zum Zwecke
seiner Vermehrung nicht dazu beitragen, Wohlstand und
Prosperität unter allen Einzelpersonen zu verbreiten, und
ihnen die Voraussetzungen für die Entfaltung ihrer guten
Anlagen und die Verwirklichung ihrer Mission zu schaffen, wird
die Entwicklung des Reichtums nicht seine angemessene Aufgabe
im Leben des Menschen erfüllen. Daher finden wir, dass das
Schreiben von Imam Ali (a.) an den Gouverneur von Ägypten – in
welchem der Imam (a.) seinen Gouverneur die islamischen
Leitlinien vorgibt, die dieser zur Anwendung bringen soll –,
wenn es beabsichtigt, die Entwicklung des Reichtums als eines
der Ziele der Gemeinschaft der Formen – wie es im Text heißt –
darzustellen, sich keine gewaltige Anhäufung von Reichtum
vorstellt sondern Wohlstand und Prosperität, welche das Leben
jedes Einzelnen in der Gemeinschaft der Frommen umfassen,
womit bestätigt wird, dass die Vermehrung von Reichtum nur in
dem Maße ein Ziel ist, wie sie sich auf das Leben und die
Lebensweise aller Menschen positiv auswirkt. Wenn sich aber
der Reichtum getrennt von den Lebensbedingungen der Menschen
entwickelt, und die Volksmasse im Dienste dieser Vermehrung
steht, anstatt dass letztere der Masse des Volkes zugute
kommt, dann wird der Reichtum eine Art Götzenfunktion
einnehmen, und zu einem Selbstzweck anstelle eines Mittels zum
Zweck werden, so dass dafür der Ausspruch des Propheten (s.)
zutrifft, mit dem er diese Art von Reichtum beschreibt und vor
seinen Gefahren warnt:
„Die goldenen Dinare und die
silbernen Dirhams werden euch zugrunde richten, wie sie
diejenigen vor euch zugrunde gerichtet haben.“
Auf dieser Grundlage richtet der Islam,
wenn er die Entwicklung von Reichtum zu einem Ziel für die
Gemeinschaft erhebt, seine Aufmerksamkeit auf die Verknüpfung
dieser Entwicklung mit dem Wohlstand und der Prosperität der
Allgemeinheit, und daher lehnt er solche Methoden der
Entwicklung ab, die dem entgegenstehen, und die Menschen
schädigen, anstatt deren Leben zu erleichtern. In diesem Sinne
können wir die hypothetische Aussage machen, dass der Islam,
falls er anstelle des Kapitalismus im Zeitalter der Erfindung
der Dampfmaschine die herrschende Ideologie gewesen wäre, die
Verwendung der neuen Maschine, welche die Produktion in einem
Maße steigerte, wie das sonst nur tausende von Handarbeitern
vermocht hätten, erst nach der Überwindung der Probleme und
der schädlichen Folgen, welche die Maschine für diese Arbeiter
mit sich brachte, erlaubt hätte, denn die Entwicklung, welche
die Verwendung der Maschine vor der Überwindung dieser
Probleme und schädlichen Folgen erzielt, wäre kein Mittel zum
Zweck sondern ein Selbstzweck.