Unsere Wirtschaft

Unsere Wirtschaft / Iqtisaduna

Muhammad Baqir al-Sadr

Kritik am kapitalistischen Standpunkt

Dieses ist das scheinbare Bild der kapitalistischen Produktionsweise, oder das strahlende Bild, in dessen prächtigem Rahmen die Kapitalisten die kapitalistische Produktionsweise darzustellen versuchen, um die Übereinstimmung und Harmonie zwischen der Orientierung von Produktion und Nachfrage und deren allgemeiner Dynamik unter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu belegen. Aber dieses Bild, auch wenn es teilweise zutreffend ist, kann nicht den schreienden Widerspruch zwischen der Produktion und der Nachfrage unter einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung verbergen. Denn es erklärt zwar den Zusammenhang in Form zahlreicher Abhängigkeitsverhältnisse zwischen der Produktion und der Nachfrage, aber es definiert nicht die Bedeutung von Nachfrage, und zeigt nicht den kapitalistischen Begriffsinhalt dieser Nachfrage, welche die Produktion beherrscht und diese durch das Mittel des Preisanstiegs in eine bestimmte Richtung lenkt. In Wirklichkeit ist nämlich die Nachfrage nach kapitalistischem Verständnis mehr die geldliche als die menschliche Manifestation irgendeines Bedürfnisses, denn sie umfasst nur einen speziellen Teil der Nachfrage, nämlich solche Nachfrage, die zum Preisanstieg einer Ware auf dem Markt führt, d.h. die mit Kaufkraft ausgestattete Nachfrage, die über einen finanziellen Rückhalt verfügt, der in der Lage ist, sie zu befriedigen. Dagegen führen solche Arten von Nachfrage, die nicht über jene finanzielle Kraft verfügen und den Markt nicht erobern können, nicht zum Preisanstieg der betreffenden Ware, weil sie den Preis nicht aufbringen können, und finden keine Beachtung, wie drängend und lebensnotwendig, bzw. wie verbreitet und allgegenwärtig, sie auch sein mögen. Denn die Nachfrage muss vom Verbraucher mit dem Geld, welches er aufbringt, nachgewiesen werden, solange dieser Beweis nicht erbracht wird, hat sie kein Anrecht auf die Ausrichtung der Produktion und keinen Einfluss auf das kapitalistische Wirtschaftsleben, selbst wenn sie dem Innersten der menschlichen Existenz und dessen dringlichen Notwendigkeiten entspringt. Durch die bloße Kenntnis dieses kapitalistischen Begriffes von Nachfrage werden plötzlich alle jene goldenen Träume, welche die Verfechter der freien Wirtschaft um die kapitalistische Produktion und deren Regulierung durch Bedürfnis und Nachfrage herumweben, zunichte. Denn die Kaufkraft ist in der kapitalistischen Gesellschaft – in hohem Maße – nur bei der glücklichen Minderheit vorhanden, welche die Macht über die Reichtümer des Landes ausübt, während sie bei anderen geringer ist, und bei der Basis, welche die Mehrheit der kapitalistischen Gesellschaft darstellt, weit herabsinkt. Und die Folge dieser gewaltigen Unterschiede in der Kaufkraft – so wie sich die soziale Situation aus der Sicht der kapitalistischen Ideologie darstellt – ist, dass die mit mächtiger Kaufkraft versehenen Arten der Nachfrage die Lenkung der Produktion monopolisieren und dieser ihren Willen diktieren, weil sie dadurch, dass sie zur Erhöhung der Preise führen, den Besitzern der Unternehmen Anreize bieten, während die vitalen Bedürfnisse der großen Mehrheit davon ausgeschlossen sind, weil sie nicht über eine Anreiz bietenden Kaufkraft verfügen.

Da nun die mit gewaltiger Kaufkraft ausgestattete Nachfrage in der Lage ist, alle Waren des Grund- und Luxusbedarfs und Mittel des Vergnügens und der Extravaganz des kapitalistischen Marktes zu absorbieren, während die arme Nachfrage nicht einmal die notwendigen Waren hinreichend an sich ziehen kann, werden die kapitalistischen Unternehmen alle Energien zur Befriedigung jener Luxusnachfrage und jener unersättlichen Wünsche, die ihre Unersättlichkeit immer weiter treiben und nach ständig neuen Objekten der Eitelkeit und Mitteln des Vergnügens und des Lebensgenusses verlangen, mobilisieren, während die Bedürfnisse der großen Mehrheit der Menschen nach notwendigen Waren und Mitteln des Lebensunterhaltes von der kapitalistischen Produktion keine Beachtung finden, oder allenfalls in dem Umfang, wie auch die großen Geschäftsleute davon profitieren. Daher sind die kapitalistischen Märkte mit Luxusgütern angefüllt, während es dort gelegentlich an notwendigen Waren in ausreichender Menge, mit der die gesamte Bevölkerung vollständig versorgt werden könnte, fehlt. So stellt sich der Kapitalismus mit seiner Haltung zur Produktion und der Methode, auf der er sich zur Regulierung von deren Dynamik verlässt, dar.

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