Negativer Aspekt der Theorie
Beginnen wir
mit dem negativen Aspekt der Theorie. Dieser besteht –wie wir
feststellen werden – in dem Glauben, dass es ohne Arbeit keine
ursprünglichen Eigentum – oder sonstigen persönlichen Rechte
an den “rohen“ natürlichen Reichtümern geben kann.
Überbau
1) Der Islam schaffte den “Hima“
ab und sagte: „Es gibt keinen Hima außer für Allah und
seinen Gesandten“, womit er jedes persönliche Recht
eines Einzelnen am Land ablehnt, das nur auf der Macht darüber
und dessen Schutz mit Gewalt beruht.
2) Wenn der verantwortliche
Befehlshaber [wali-ul-amr] einer Person Land zuteilt,
dann erwirbt die Person dadurch das Recht, auf diesem Land zu
arbeiten, die “Zuteilung“ gewährt ihr aber nicht ein
Eigentums- oder sonst irgendein Recht an dem Land, solange sie
nicht daran Arbeit verrichtet und für die Kultivierung des
Bodens Mühe aufwendet.
3) Die tiefreichenden Quellen und
Adern der Lagerstätten von Bodenschätzen können nicht zu
privaten Eigentum werden und niemanden kann ein persönliches
Anrecht darauf entsteht, was Allama al-Hilli in der “Tadhkira“
mit den Worten klarstellt: „Die Ader in der Erde wird damit
nicht zu seinem Eigentum, und wer von einer anderen Richtung
her zu ihr verstößt, darf sich dort den Bodenschatz entnehmen.“
4) Die offenen natürlichen
Wasservorkommen wie die Meere und Flüsse gehören niemandem als
privates Eigentum, und kein Einzelner hat ein persönliches
Recht daran. Dazu schreibt Scheich Tusi in dem “Mabsut“:
„Das Wasser des Meeres und der Flüsse, und die Quellen, die im
Ödland der Ebene und der Berge entspringen, steht alles
jedermann frei, und jeder Einzelne darf davon benutzen, so
viel und wie er will, wegen der Überlieferung des Ibn Abbas
vom Propheten (s.), wonach dieser gesagt hat: 'Den
Menschen gehören drei Dinge gemeinsam, Wasser, Feuer und
Weideland.'“
5) Wenn das natürliche Wasser
reichlich vorhanden ist und auf die Besitztümer einzelner
Personen fließt und sich dort ansammelt, ohne dass sie es mit
einem bestimmten Arbeitsaufwand auffangen, dann gehört es
ihnen nicht, entsprechend der Rechtsaussage des Scheich Tusi
im “Mabsut“.
6) Wenn jemand keine Mühe für die
Jagd aufgewendet hat, sondern das Jagdtier ohne sein Zutun in
seine Gewalt gelangt, dann gehört es ihm nicht. Dazu schreibt
Allama al-Hilli in den “Qawa´id“: „Die Jagdbeute wird nicht
zum Eigentum einer Person indem sie deren Land betritt, und
ein Fisch nicht, indem er in ihr Boot springt.“
7) Genauso verhält es sich mit
sonstigen natürlichen Reichtümern, deren Aneignung nicht damit
gerechtfertigt werden kann, dass sie ohne deren Zutun in die
Gewalt einer Person gelangt sind. Daher heißt es in der “Tadhkira“:
„Einer Person gehört nicht der Schnee, der auf ihr
Besitztum fällt, nur weil er auf ihr Land gefallen ist.“