Anmerkungen des Übersetzers
Selten gibt uns eine Macht
„die Gabe uns so zu sehen, wie andere uns sehen“. In diesem
Buch erweist uns ein eminenten Muslimtheologe genau diese
Gabe.
Unser Autor schreibt General
Eisenhower (USA) den Ausspruch zu: „Eine Zeit, die das Atom
gespalten hat, muss die Spaltungen der Menschheit heilen oder
untergehen.“ Ein echter allseitiger Wunsch, die
gegenseitige Gedankenwelt zu erforschen, die Voraussetzungen
eines jeden zu würdigen, die Standpunkte eines jeden zu
begreifen, ist die erste Voraussetzung dafür, ein
beiderseitiges Verständnis zu erreichen. Es ist ein
erleuchtenden Einblick in die Sehweise eines großen Teils der
Menschheit, mit der wir diese Erde bewohnen, welchen diese
Übersetzung der englischsprechenden Welt bietet.
Manche Leute mögen
verschiedene Behauptungen unseres Autors sehr unerfreulich
finden. Andere mögen sich an faktischen Irrtümern, falsch
interpretierten Informationen oder an Parteilichkeiten stoßen.
Aber weder zorniges Aufbegehren, beißende Bigotterie,
fanatische Wutausbrüche noch starres Beharnen auf den eigenen
Überzeugung von dem, was wahr und nichtig sei, werden
verschwinden lassen, das es aktuelle Glaubensweisen gibt,
welche andere ebenso hartnäckig festhalten.
Antinomen und Widersprüche
lassen sich auf Erden nun versöhnen, wenn man sich der
Anstrengung des Verstehens unterzieht, was der andere
eigentlich meint und ausdrückt, und zu den Erfahrungen
dahinter durchstößt, welche ihn sich so ausdrücken lassen.
Ein jeder ist auf der Basis seiner eigenen Erfahrungen
berechtigt, entschieden zu versichern: „Gewisse Wahrheiten
habe ich versucht, getestet und für nichtig befunden und zudem
noch, das sie funktionieren; daher weiß ich, das ich recht
habe.“ Sollte er aber fortfahren: „Deshalb musst du im
Unrecht sein“, bewegt er sich außerhalb des Rahmens der
Redlichkeit.
Diese Übersetzung bemüht
sich, die genauen Gefühle des Autors wiederzugeben. Aus
diesem Grunde haben wir seine Zitate westlicher Autoren eher
aus seinem Persischen rückübersetzt als dem Original
entnommen. Es scheint wesentlicher zu sein darüber
nachzudenken, was dem Autor vorschwebte, das er es gelesen
hatte, als über die eigentlichen Worte seines Gewährsmannes.
Eine Ausnahme habe ich freilich gemacht: es handelt sich um
ein Zitat aus Alexis Carrel’s „Der Mensch, das unbekannte
Wesen“, wofür ich das Original bringe mitsamt den
Abweichungen unseres Autors, eben um zu vergleichen. Man wird
feststellen, das er das von ihm gesammelte Material weit
gespannt und scharfsinnige Beobachtungen angestellt hat über
alles, was ihm während seines Europaaufenthaltes von Augen
kam.
Der Weise und Verständige
wird sich nicht irritieren lassen, wenn er auf kritische
Bemerkungen über das Verhalten oder die Prinzipien von
Abendländern stößt; er wird lieber abwägen, was davon Bestand
hat, und es dann verbessern; abwägen was er für irrtümlich
hält, und sich daraufhin verständigen; und schließlich
abwägen, was eigenen Wert besitzt, um damit dem Rat des
Francis Bacon Lord Verulam zu folgen, einige Blumen, die er
draußen kennen gelernt hat, auf die Gelände seines eigenen
Landes zu verpflanzen.
Ein verehrungswürdiger Mullah
aus Teheran ließ mich einmal ein mannigfaltiges, verstohlenes
Lachen hören, als er sich darüber beklagte, ein westlicher
General habe ihn beleidigt und dazu noch obszön, weil er das
Essen mit der linken Hand zum Munde führte. Aber ich zeigte
ihm wie sehr ich ihn verachtete, indem ich mit der nackten
linken Fußsohle gegen ihn wackelte. Ein fantastisches
Mischmasch also von Unwissenheit und Nichtbegreifen. Der
General hatte natürlich nicht die leiseste Ahnung, das seine
Eßgewohnheiten obszön waren! Er wusste auch nicht, das, wenn
man von jemandem mit der Fußsohle wackelt, es den
Betreffenden verachten heißt. Der Mullah wiederum wusste
nicht, das der General das nicht wusste. Aber immerhin wäre
der General mit seiner Arbeit im Iran weitergekommen, wenn er
einen Bruchteil seiner Sorgfalt, mit der er militärische
Dispositionen und Strategien studierte, auch auf das Studium
einheimischer Sitten, Vorstellungs- und Verhaltungsweisen
verwandt hätte, um sein eigenes Verhalten danach zu richten.
Zu viele von uns missachten
fremder Leute Gebräuche und schreiben jahrhundertealte Ideen
als überholt ab. Für einen Afrikaner ist es eine Beleidigung,
hinter einem Menschen gehen zu müssen. So geht in Südafrika
ein Schwarzen, der sich auf den Straße unterhält, eher
zwischen zwei Personen statt hinter einer. Mancher
nichtinstruierte Weiße nimmt das von seinen eigenen
Voraussetzungen her übel und versetzt dem schwarzen
Eindringling einen Tritt, und der versteht natürlich eine
solche Reaktion nicht: Kränkung, Stolz und Hall kommen in ihm
hoch.
Zitate aus dem Heiligen
Qur’an wenden folgendermaßen wiedergegeben: Sure I: Al-Fatiha
- (Eröffnung) V. 1, d. h. zuerst die Sure in römischen
Ziffern, die ihre Stelle in der Anordnung des Qur’an angibt;
dann die arabische Bezeichnung, unter der sie stets von den
Muslimen zitiert wird, mitsamt ihrer Übersetzung; und
schließlich der Vers. Dies geschieht, damit der Leser
instandgesetzt wird, die Übersetzungen in diesem Buch mit
einen oder allen Übersetzungsversionen des Qur’an zu
vergleichen, die es gibt.
Daten werden mit „nach
Christus“ (Anno Domini - AD) zitiert, gelegentlich mit dem
Äquivalent der persischen Muslime, nämlich in Sonnenjahren,
die mit den Hidschra beginnen, also der Auswanderung des
Propheten und seiner Anhänger von Mekka nach Jathrib, der
Stadt 200 Meilen nördlich von Mekka, welche sich nach diesem
Ereignis stolz in „die Prophetenstadt „oder „die Stadt“ (arab.
“Medina”) par excellence umbenannte.
Diese
Post-Hidschra-Sonnenjahre werden mit AHS zitiert (Anno
Hedschratis Solari). AHS 1 beginnt am 21. März AD 622.
Arabische Mondjahre nach der Hidschra werden mit ARL
bezeichnet (Anno Hedschratis Lunari).
Die meisten Spezialausdrücke
werden, wo sie vorkommen, erklärt, aber zur Erleichterung
findet sich am Schluss des Buches ein kurzes Glossar mit
einigen Definitionen.
Guildford/Bruchsal, April/Mai
1979
F. J. Goulding (Übersetzer
ins Englische)