Der Islam und die Ideologie
Unsere Welt ist in zwei
Blöcke gespalten. Sie vertreten gegensätzliche Ideologien.
hochgehalten von ihren jeweils eigenen Wissenschaftlern und
Gelehrten, welche in einer Flut von Broschüren und Büchern
beweisen, das die eigene richtig und die ihrer Gegner falsch
ist. Jede beansprucht, der einzige Weg zum sicheren Glück zu
sein und sagt von ihrem Gegner, er sei die einzige Ursache für
Verwirrung und Untergang.
Beide können nicht recht
haben. Beide haben vielleicht unrecht! Jede kann einen
entscheidenden Punkt verfehlen. Und doch haben beide durch die
Brillanz einiger ihrer Wissenschaftler und Technologen große
Beiträge für den Fortschritt der Menschheit geleistet.
Fortschritt auf einem Gebiet ist kein Beweis für gleichen
Fortschritt auf jedem Gebiet des menschlichen Lebens, so wenig
wie der Besitz einer Reihe von Talenten bei einem Individuum
seine Zuständigkeit in allen Bereichen anzeigt. Ein
hervorragender Physiker ist nicht ipso facto ein brillanter
Musiker! Und so schließt technologischer Fortschritt
keineswegs ipso facto einen gleichen Fortschritt im Denken, in
der Urteilskraft, Religion, Kunst des Regierens und der Moral
mit ein.
Dr. Alexis Carrel schreibt in
„Der Mensch, das unbekannte Wesen“, S. 27 u. 28: „Die
Nutzanwendungen wissenschaftlicher Entdeckungen haben die
materielle und geistige Welt umgestaltet. Diese Verwandlungen
üben einen tiefen Einfluss auf uns aus. Ihre unglückliche
Wirkung kommt von der Tatsache, das sie unsere Natur als
Menschen nicht berücksichtigten. Unser Nichtwissen über uns
selber hat der Mechanik, der Physik und der Chemie die Macht
gegeben, die überkommenen Lebensformen nach Belieben
abzuändern. Der Mensch sollte eigentlich Maßstab für alles
sein. Ganz im Gegenteil ist er heute ein Fremder in der Welt,
die er geschaffen hat. Er war außerstande, diese Welt für
sich, den Menschen, aufzubauen, denn er besaß keine praktische
Kenntnis seiner eigenen Natur. So ist der enorme Fortschritt,
den die Wissenschaften von der unbelebten Materie über die
lebendige gewonnen haben, zu einer der größten Katastrophen
geworden, die je über die Menschheit hereingebrochen sind. Die
Umwelt, die unser Verstand, unsere Erfindungen geschaffen
haben, ist weder unserem Format noch unserem Wuchs angepasst.
Wir sind unglücklich. Moralisch und geistig entarten wir. Die
Gruppen und Völker, in denen die Industrielle Zivilisation am
höchsten entwickelt ist, sind genau die, welche abbauen, die
am schnellsten wieder der Barbarei verfallen.“
Perfektion und Sublimierung des
Menschen auf einer ganzen Reihe der verschiedenartigsten
Gebiete erfordern einen Grundstock gesunder universaler
Lehren, die auf den Wirklichkeiten des menschlichen Lebens
basieren und frei von allen Fehlern und Irrtümern sind.
Derartiges ist nur in den Lehren der Propheten Gottes zu
finden, denen die Ursprünge des Wesens unserer Welt offenbart
wurden.
Die Sittlichkeit muss, will
sie sich auf Sanktionen stützen, die höher als das Naturhafte
sind, und von etwas inspiriert werden, was über das Materielle
hinausreicht, allein auf grundlegende prinzipielle Weisungen
gegründet sein. Von dem Augenblick an, da der Mensch auf den
Erdball gestellt wurde und die Voraussetzungen für die Kultur
schuf, stieg aus seinem Innersten ein Schrei zum Himmel empor.
Diesen Schrei nennen wir Religion. Ihre Wahrheit ist unlöslich
mit einer moralischen Ordnung verknüpft.
Unmenschlichkeit,
Cliquenwirtschaft, Ungerechtigkeit, Tyrannei, Krieg, sie alle
bezeugen die Wahrheit; das Regierungen und ihre Gesetze
niemals genügt haben, damit die Menschen ihre Gefühle und
Überzeugungen in der Hand behielten und eine Ordnung
begründeten, wo Gerechtigkeit, Glück, Friede und
Ausgeglichenheit in der Gemeinschaft herrschten. Wissenschaft
und Bildung können nie die Probleme eines Menschenlebens
lösen, noch sein Entgleisen verhindern, außer im Bund mit der
Religion.
Will Durant, amerikanischer
Soziologe und Philosoph, schreibt in seinen „Annehmlichkeiten
der Philosophie“ („Pleâsures of Philosophy“) auf S. 326/27:
„Hat eine Regierung in wirtschaftlicher und ethischer Hinsicht
so viel Macht, das sie das gesamte Erbe an Wissen,
Sittlichkeit und Kunst bewahren kann, das über Generationen
hinweg gespeichert und in Kette und Schuss der Kultur eines
Volkes eingewoben ist? Kann sie dieses Erbe vermehren und der
Nachwelt weiterreichen? Kann eine Regierung, der die gesamte
moderne Maschinerie zur Verfügung steht, die Schätze des
Wissens jenen Massen der Parias vermitteln, die immer noch
eine wissenschaftliche Sprechweise für lästerlich, für
Zauberei halten? Wie kommt es, das Männer von solchem
Kleinformat Amerikas größte Städte regieren? Warum wird unsere
Verwaltung in einer Weise gehandhabt, die einen über den
Mangel an Anstand in der Politik und an echter Vaterlandsliebe
weinen lässt? Warum sind Korruption und Irreführung ein
Bestandteil unserer Wahlen geworden und richten das
öffentliche Eigentum zugrunde? Warum ist die Grundaufgabe der
Regierung heutzutage bloß noch auf die Verbrechensverhütung
zusammengeschrumpft (wenigstens einen Versuch dazu)? Warum
bemühen sich die Regierungen nicht, die Ursachen für den Krieg
und die Voraussetzungen für den Frieden zu begreifen? Kirchen
und Familien müssten solchen Regierungen zivilisiertes
Benehmen beibringen.“
Die abendländische Gesellschaft kann
sich mit der Duldung des Durcheinanders in der Moral und den
Methoden, die zu ihrer Zerstörung führen, nur zufrieden geben,
weil ihr Vermögen, eine Reform in die Hand zu nehmen, begrenzt
ist. Aber die Fortdauer dieses Zustandes gleicht schon einem
Warnsignal. Gefahr ist im Verzug, denn die Zivilisation bleibt
nur so lange stabil, wie ein Gleichgewicht zwischen den Zielen
und den Mitteln, zwischen bloßen Wünschen und fester Führung
besteht. Wenn dieses Gleichgewicht niederbricht, entsteht
Gewalt in einem Ausmaß, das kein guter Wille sie mehr
aufhalten kann. Sie stürzt unweigerlich in totale Zerrüttung.
Man findet in der ganzen Geschichte kein Volk, das den
Verfall, der auf schwächliche Nachgiebigkeit und
Alles-Erlauben folgt, überlebt hätte.
Rom ging unter. Die
Herrlichkeit Griechenlands zerbrach. Frankreich, dessen Bürger
weichlich geworden waren, wurde bequem und brach unter dem
ersten Ansturm der Nazis zusammen. Einer seiner berühmtesten
Generale schrieb, der Grund für diese Schwäche sei die
Aushöhlung des Charakters gewesen.
Spengler sah den Untergang
des Abendlandes voraus und sagte, das in der Zukunft andere
Länder den Aufgang großer Kulturen erleben würden. Vielleicht
wird der Osten als einer der ersten zu seinem alten Erbe
zurückkehren. Dies wird aber nicht eintreten, wenn er an den
falschen Schreinen irregeführter Kulturen opfert. Aber der
Niedergang einer Zivilisation kann Menschen für den Plan
Gottes wach werden lassen, sie inspirieren, ihm zu folgen und
so, mittels dieser erhabenen Wahrheit, auf gesunden
Grundlagen ein völlig neues Gemeinschaftsleben zu gründen.