Zum Autor
Sayyid Mudschtaba Musawi Lari
wurde 1314 n.d.H. (AHS), 1934 n.Chr. (AD) in Lar, der
südiranischen Provinz Laristan geboren. Sowohl sein Vater,
Sayyid Ali Asghar Musawi, und sein Großvater, Hadsch Sayyid
Abdulhaussein Musawi, gehörten zu den hervorragendsten
Gelehrten den islamischen Theologie. Sayyid Abdulhussein war
auch einer der großen Revolutionäre, als der Iran begann, die
Tyrannei der Qadscharen abzuschütteln und den
fortschrittlichen Weg zu Freiheit und Wohlstand zu
beschreiten, auf dem es sich jetzt befindet.
Unser Autor studierte auf den
Schulen von Lar, wobei er das Klassische Erziehungsprogramm
wählte und überdies spezielle Islam-Studien unternahm. Im 18.
Lebensjahr zog er in die heilige Stadt Qum, die wegen ihrer
goldkuppelgekrönten Moschee berühmt ist, welche den Schrein
der Tochter des Imam Musa al-Kazem, Fatima al-Ma’sumé
umschließt, die dort 816 n.Chr. starb, als sie ihren Bruden,
Imam ‘Ali-ar-Reza in Tus (das heutige Maschhad) besuchen
wollte. In Qum betrieb er seine Studien in islamischer
Theologie 10 Jahre lang weiter und schloss sie mit dem
höchsten Grad ab.
Unglücklicherweise hatte das
Wasser von Lar, welches in jener Zeit unhygienisch und stark
verschmutzt war, seine Verdauung in Mitleidenschaft gezogen,
woran alle Kuren im Iran scheiterten. Schließlich reiste er
auf Empfehlung seiner Ärzte nach Deutschland in ein
Krankenhaus. Aber auch ein verlängerter Aufenthalt in jenem
Land unter ärztlicher Behandlung vermochte seine
Unpässlichkeiten nicht völlig zu beseitigen. Doch mit dem Mut
vieler, die an teilweisen körperlichen Ausfallerscheinungen
leiden, hat er sich über seine Krankheit erhoben und seine
großen Gaben des Verstandes, Patriotismus und der Hingabe dem
Dienst an seinem Land gewidmet. Die Werke, die bereits von ihm
auf persisch erschienen sind, umfassen
u.a.
-
Ein Überblick
übermoralische und geistliche Probleme
-
Die Westliche
ZIVILISATION auf dem Prüfstand des Islam
-
Die Rolle des
moralischen Faktors bei der Evolution des Menschen.
Diese Bücher wurden so begeistert
aufgenommen, das jeweils 3 Auflagen schon erschienen sind.
Er ist regelmäßiger
Mitarbeiter der Monatszeitschrift „The Maktab-i-Islam“,
welche die Islamgelehrtenin Qum publizieren, aber auch vieler
anderer Zeitschriften, die sich mit islamischen Grundsätzen
befassen. Er hat die Gründung einer Reihe öffentlicher
Institutionen in die Wege geleitet und erfreut sich eines so
großen öffentlichen Vertrauens, das sich sehr viele um ihn
scharten, als es um die Schaffung dieser Stiftungen ging. Sie
umfassen Schulen, öffentliche Kliniken, Zentren für religiöse
Übungen und Moscheen, zumeist in seiner Vaterstadt Lar. Er
hat auch eine wohltätige Stiftung ins Leben gerufen, um den
Bedürftigen, Kranken, Waisen und armen Studenten zu helfen.
Viele verdanken seinen Anstrengungen das Leben und viele
erhielten Hilfe, um ihr eigenes Leben und das von solchen zu
befruchten, für die sie Verantwortung trugen, weil sie von
dieser Stiftung Hilfe erfahren hatten.
Die Familie kam ursprünglich
aus Dezful in der südwestlichen Provinz Irans, Khuzistan.
Sayyid Mudschtabas Großvater, Hadsch Sayyid Abdelhussein,
begann den Kampf um Irans Freiheit, der seinen Anfang in jenen
Landesteilen nahm. Die Bewegung zwang den
Quadscharenherrscher Muzaffarud-Din im Dezember 1905 eine
demokratische Verfassung anzunehmen. Die Nationalversammlung
konstituierte sich im Oktober 1906 und entwarf eine
Verfassung; diese unterschrieben und ratifizierten sowohl der
Schah Muzafar-ud-Din wie sein Sohn und Erbe, Muhammad Ali
Schah, der seinem Vater im Januar 1907 auf dem Thron folgte.
Der neue Schah unterstützte jedoch den Vorwärtsdrang seines
Volkes in Richtung Freiheit keineswegs und entlarvte sich
törichterweise bei seiner Krönung, als er die Abgeordneten
der Nationalversammlung nicht einlud. Er ermutigte auch seine
Wesire bei ihrer Weigerung vor der Versammlung zu erscheinen
und ihr Rede und Antwort zu stehen. Die neu entfachte Flamme
der Freiheit brannte in einer Art Hochofen kriegerischer
Auseinandersetzungen hoch.
Hadsch Sayyid Abdulhussein,
für den sich schon eine große Gefolgschaft nicht nur in ganz
Khuzistan, sondern in Laristan und Fans, den beiden
Nachbarprovinzen, begeistert hatte, stellte dort 1000
Guerillakämpfer auf, darunter viele aus meiner Heimatstadt
Jahrom, und schloss sich dem Marsch auf Teheran gegen den
Despotismus an, dem es nur um seine eigenen Interessen ging,
nämlich das Volk Irans in feudalistischen Ketten zu halten. Es
kam zu einem verlustreichen Kampf, in dem der Schah nicht
zögerte, Geschütze und Kanonen gegen seine eigenen Untertanen
einzusetzen.
Am 12. November 1907 beschwor
Muhammad Ali Schah zum 4. Mal die Verfassung vor den
Versammlung, aber am 15. Dezember warf er seinen Premier,
Naser-ul-Mulk ins Gefängnis, woraus ihn die Britische
Gesandtschaft prompt befreite. Den Volkszorn zwang der Schah,
den heiligsten Eid überhaupt zu schwören: Er sandte einen
versiegelten Koran mit dem Eid, die Verfassung einzuhalten,
wodurch er sich auch als überführter Meineidiger erwies. Aber
er wurde immer noch nicht abgesetzt, eine Tatsache, welche Sir
Percy Sykes dem kurz zuvor unterzeichneten englisch-russischen
Abkommen zuschreibt, worin beide Unterschriftsmächte der
anderen eine „Einflusssphäre“ im Iran zuteilten. Aber im
Februar 1908 fiel eine Bombe in das Auto des Schahs. Im Juni
wurde das Kriegsrecht proklamiert, und am 23. Juni ließ er
seine aus Kosaken bestehende Söldnerbrigade die
Freiheitsanführer angreifen, die sich im Parlament hinter den
Sepah-Salar-Moschee und auf dem Beharistan-Platz davor
versammelt hatten. Doch im Juli 1909 nahm eine große
Streitmacht aus dem Südwesten, geführt von den Bakhtiaris,
Teheran ein und zwang den Schah am 16. Juli abzudanken. Bei
diesem Triumph spielten die Guerillakämpfer von Fars unter der
Führung von Hadsch Sayyid Abdulhussein eine tapfere Rolle.
Sayyid Abdulhusseins großer
Einfluss rührte nicht allein von seiner Gelehrsamkeit und
Frömmigkeit her, die ihm die Position eines Mudschtahed, des
höchsten Grades bei den schiitischen Korangelehrten,
eingetragen hatte, sondern auch von seinen Diensten als
Bürger. Denn bald nach den Jahrhundertwende gründete er eine
Lokalregierung in Laristan mit einer Exekutivkörperschaft,
unter deren Mitgliedern hervorragende religiöse
Persönlichkeiten waren, und unten seinem Vorsitz schützte
diese Körperschaft ihre Mitbürger von Übergriffen durch
hochfahrende Feudalherren. Er untersagte dem Volk Steuern zu
entrichten, die von der Zentralnegierung oder der offiziellen
Provinzialregierung erhoben wurden. Die Leute steuerten
freudig Beiträge bei für alle Ausgaben, die diese neue
unabhängige Verwaltung benötigte. Er druckte sogar besondere
Briefmarken mit den Inschrift „Regierung von Laristan“, die
heute unter den Sammlern einen hohen Seltenheitswert
besitzen.
Nach dem erfolgreichen
Staatsstreich von 1909 und Muhammad Ali Schahs Abdankung
zugunsten seines Sohnes, des l2 jährigen Sultans Ahmed Schah
kehrte Sayyid Abdulhussein zu seiner Aufgabe bei den Regierung
von Laristan zurück und leistete dem Volk weiterhin
vielfältige Dienste. Den feudalistische Widerstand am Ort
gegen ihn wurde immer heftiger. Währenddessen bewogen die
Städter von Jahrom Hadsch Sayyid Abdulhussein, die von ihm
als Verwaltungszentrum erwählte Stadt Lar zu verlassen und in
ihre Stadt umzuziehen, welche auch meine Geburtsstadt ist. Er
nahm die Einladung an, kehrte Lar den Rücken und wurde in
Jahrom aufs wärmste und respektvollste empfangen.
Dort wurde er der anerkannte
religiöse Führer. Er inspirierte große Teile der Jugend, all
das zu praktizieren, was ein tiefer Glaube an Gott und den
Wunsch, ihrem Land zu dienen, von ihnen verlangen würde. Er
machte vielen Mut Theologie zu studieren. Seine öffentlichen
Freitags-Gottesdienste in der Moschee zogen Tausende an, um
seine ausdrucksvollen Predigten zu hören und sich seinen
inbrünstigen Gebeten anzuschließen.
Als ich noch ein Kind war,
gehörte ich zu denen, die am eifrigsten an diesen
Gottesdiensten teilnahmen. Noch sehe ich die riesigen
Menschenmassen von mir, die sich dafür versammelten; auch
erinnere ich mich den vielen, die ihm dann in sein Haus
folgten, um beim Mittagessen darüber zu sprechen - ein Mahl
Übrigens, das von den ersten Morgenstunden an Scharen von
Köchen in der gewaltigen Küche beschäftigte, wo so viele zu
verköstigen waren.
Als er starb, gab es niemand
in Jahrom, den bei den Trauergottesdiensten und Gedenkstunden
fehlte, die in allen Moscheen und Theologieschulen abgehalten
wurden. 3 Tage lang blieb der Bazar geschlossen und die
geschäftlichen Transaktionen ruhten aus Respekt von seinem
Andenken.
Er hinterließ drei Söhne:
Sayyid Abdulmuhammad; Sayyid Ali Akbar und Sayyid Ali Asghan
Musawi, den Vater unseres Autors (1907 in Lar geboren). Sayyid
Ali Asghar besuchte die theologische Schule der Stadt Najaf,
den Ort des Martyriums Imam Alis (a.), wo er den höchsten Grad
den Theologie erlangte. Von dort kehrte er nach Lar zurück und
blieb dort.
Den zweite Bruder, Sayyid Ali
Akbar, begleitete seinen Vater nach Nahrom und ließ sich dort
nieder. Der älteste Sohn, Sayyid Abdulmuhammad, zog nach
Schiras, wo er 1973, betrauert von allen, starb.
Sayyid Ali Asghar war ein
Anführer von Format, nicht nur im religiösen, auch im sozialen
und politischen Leben des Volkes. Als glaubensfester und
weiser Anführer, als begabter Organisator von
Wohltätigkeitsveranstaltungen war er eine große Hilfe für die
Bedürftigen und ein tapferer Kämpfen gegen das Unrecht. Er
lehrte seine Anhänger; er betrieb viele wohltätige
Einrichtungen; er schrieb eine Reihe wertvollen Werken, das
wichtigste davon ist vielleicht „Die Menschheit braucht
Propheten und geistige Führer“, welches zu publizieren ich die
Ehre hatte, und zwar gleich, nachdem ich vor fast 30 Jahren
zum erstenmal zum Abgeordneten von Jahrom ins iranische
Parlament gewählt worden war. Er erwies meiner Frau und mir
die Ehre, jeweils bei uns abzusteigen, wenn er von Jahrom kam,
um sich eine Zeitlang in Teheran aufzuhalten. Er hatte einen
solch hinreißenden Glauben, eine so ansteckende Integrität und
war so freigiebig, das unsere ganze Liebe ihm gehörte; und wie
groß war unsere Trauer, als er dahinschied. Er liegt nun neben
seinem Vater in Jahrom begraben.
Aber er hinterließ uns ein
unschätzbares Erbe, nicht nur so wie er vor uns steht und in
seinen Schriften, sondern auch in den Früchten der wunderbaren
Erziehung, die er seinen Kindern gab, von denen Sayyid
Mudschtaba, der Verfasser dieses Buches, der älteste ist. Den
Lesern dieses Buches wird die weite Belesenheit von Sayyid
Mudschtaba auffallen, seine im kleinsten genaue Beobachtung,
sein tiefes Urteil, sein durchdringendes Verständnis von
Mensch und Gesellschaft und seine weisen Ratschläge für das
künftige Wohl von Menschen und Völkern.
Dieses Buch ist ein würdiger
Beitrag, und es wird sicherlich ebensoviel Aufmerksamkeit auf
sich ziehen wie sie jeden Donnerstagabend und Freitag die
Menschenmenge am Schrein seines Vaters und Großvaters
darbringt, die in Jahrom begraben liegen. Diese Gräber und ihr
Heiligtum sind von einem Vaqf, einer wohltätigen Stiftung, in
Verwarung genommen, deren Gelder den Schrein für die Pilger in
perfektem Zustand erhalten.
Es war Sayyid Mudschtabas
persönliche Bitte, das Mr. Francis Goulding, dessen Kenntnis
über den Iran etwa 47 Jahre weit zurückreicht, dieses Buch
(ins Englische) übersetze und dadurch zugänglich mache für
Leser aus der Zivilisation des Westens, deren Züge unser
prominenter Autor so geschmackvoll, oft amüsant und immer
interessant, vor uns darlegt.
Teheran 1977
ABU’L FAZL
HAZEGHI