Ohne Schlips aber mit Kragen
Echte
“fundamentalistische Islamisten“ fallen u.a. auch dadurch auf,
dass sie selbst in offizieller Kleidung keine Krawatte tragen.
Dieses Halsband wird im religiösen Sprachgebrauch als
“Nachahmung einer offensiven Kultur“ verpönt.
Tatsächlich gibt es
kein anderes Kleidungsstück, dessen Verbreitung ein
deutlicheres Beispiel für die Verbreitung einer Kultur ist.
Inzwischen tragen auch in China, im tiefsten Afrika, in Japan
und selbst in den arabischen Ländern die Leute dieses sinnlose
Kleidungsstück. Schon als Kind habe ich das Kleidungsstück
gehasst und immer die christlichen Geistlichen bewundert, die
auch bei offiziellen Anlässen das Kleidungsstück nicht tragen
mussten. Heute behelfen wir uns mit den kragenlosen Hemden, zu
denen man gar keine Krawatte tragen kann. Das Paradoxe an der
Geschichte war: Obwohl die westliche Kultur weltweit
verbreitet wurde, wurde uns Muslimen vorgeworfen, dass wir
unsere Kultur verbreiten wollten. Auch in der so
“freiheitlichen“ Welt gab es eben Uniformen, die man
einzuhalten hatte, und wenn man es nicht tat, dann fiel es
auf.
Leider
wird inzwischen auch in wichtigen Entscheidungsgremien nicht
mehr auf das geschaut, was gesagt wird, sondern wie derjenige
aussieht, der etwas sagt. Bei einem Treffen der
Verantwortungsträger meiner früheren Firma war auch ich als
Vertreter meines Chefs eingeladen. Ich trug ein kragenloses
Hemd und ein Sakko; natürlich auch eine Hose. Wie ich aber
feststellte, hatten alle anderen einen Dreiteiler an. Da ich
das erste Mal an dieser Sitzung teilgenommen hatte, habe ich
mich bei den wissenschaftlichen Beiträgen zurückgehalten,
obwohl offensichtlich und für viele Fachleute in der Runde
erkenntlich, vieles nicht korrekt erzählt wurde. Wieder
zurückgekehrt, erstattete ich Bericht und äußerte meine Kritik
an den offensichtlich falschen Aussagen. Mir wurde dann,
allerdings sehr höflich mitgeteilt, dass die “hohen Herren“
sich darüber beschwert haben, dass ich nicht angemessen
gekleidet war, d.h. dass ich nicht auch einen Dreiteiler mit
Krawatte trug. Das Inhaltliche war völlig nebensächlich.
Möglicherweise kann folgender Hinweis diesbezüglich hilfreich
sein: Ich glaube, dass die deutsche Bevölkerung nach dem
schrecklichen Zweiten Weltkrieg eine außergewöhnliche
Aufbauarbeit geleistet hat. Insbesondere die Trümmerfrauen und
die hinterbliebenen Männer haben sicherlich mit
außerordentlich großem Einsatz und Know-how dieses Land wieder
aufgebaut. Scheinbar scheint aber die neue Generation alles
daran zu setzen, dieses innerhalb kürzester Zeit wieder zu
vernichten. Da sie immer weniger nach Know-how strebt, halten
sie sich an Äußerlichkeiten wie bspw. der Krawatte fest, als
wenn die dafür verantwortlich gewesen wäre, dass es
Deutschland so gut geht.
Und
erstaunlicherweise machen dies viele Länder nach. In der
Türkei werden sogar die Kinder bei 40° C in der Schule dazu
verpflichtet, Krawatte und Anzug zu tragen. Und alles nur aus
dem Gedanken heraus, das es sonst keine Möglichkeit gäbe, sich
zu entwickeln und anerkannt zu werden.
Nebenbei sei erwähnt, dass muslimische Männer auch keine Seide
und kein Gold tragen dürfen, was nur den Frauen vorbehalten
ist. Die “typische“ Männergoldkette gehört ganz sicher nicht
zum praktizierten Glauben.